Leserbrief

Mehr Anerkennung für Pfleger

Caroline Wörmann:Pflegebonus – aber nichtfür alle; München 4./5. Juli

Die abgehängten Kellerkinder des Gesundheitswesens:

In Zeiten der coronabedingten Diskussion und der berechtigten öffentlichen Darstellung und Würdigung der Leistung des ärztlichen und pflegerischen Personals in den sozialen Einrichtungen werden gerade die Funktionsbereiche, die im Hintergrund arbeiten, um den gesamten Ablauf sicherzustellen, regelrecht stiefmütterlich behandelt. Ohne eine akribische Hygiene, eine qualitativ hochwertige und hygienisch einwandfreie Verpflegung für Patienten, Heimbewohner und Mitarbeiter, bedarfsgerechte Wäscheversorgung und Schutzkleidung, Reparatur und Pflege von Einrichtung und lebenserhaltenden technischem Equipment und vieles mehr, würde das Getriebe in den Einrichtungen nicht funktionieren.

Die vorbildliche Einsatz- und Leistungsbereitschaft, die zur Zeit noch mehr zum Tragen kommt, rechtfertig es, auch diese Leistungsträger in den Focus der öffentlichen Aufmerksamkeit zu stellen. Nicht nur aufgrund der oft entsprechend räumlichen Anordnung fallen diese Personengruppen in der profitorientierten Gedankenwelt der Gesundheitsindustrie unter die Kategorie: nicht unser Kerngeschäft.

Dementsprechend wurde auch das Lohngefüge in fataler Weise angepasst. Die Gründung von Servicegesellschaften, Outsourcing, Fremdcatering usw. beweisen zudem die geringe Wertschätzung gegenüber diesen Abteilungen. Leider oder vielleicht Gott sei Dank beweist die derzeitige epidemische Krise die Systemrelevanz auch dieser Funktionsbereiche, ähnliche wie das momentan die Kassiererinnen und Mitarbeiter in den Lebensmittelmärkten für die Versorgung der Bevölkerung bedeuten. Die München Klinik-GmbH hat zum Beispiel hinsichtlich der Wertigkeit dieser Funktionsbereiche vorbildlich entschieden und deren Organisation in der GmbH belassen. Dennoch wurde auch hier das Lohnniveau nicht den Anforderungen und der Arbeitsleistung angepasst. Im Endeffekt ist die Bezahlung nicht ausreichend, um den Lebensunterhalt einigermaßen sicherstellen zu können. Die meisten Mitarbeiter sind deshalb auf Nebentätigkeiten angewiesen, die aber derzeit aufgrund der Einschränkungen fast komplett wegfallen. Frust und Verzweiflung macht sich breit, weil notwendige Bedürfnisse können nicht mehr befriedigt werden, was besonders bei Familien mit Kindern zu spüren ist.

Allein schon aufgrund der Systemrelevanz, aber auch als Anerkennung der Leistung, aus Solidarität und gerechter Behandlung muss diesen im Hintergrund operierenden Personengruppen ein Zuschlag, analog des Pflegepersonals zugesprochen werden. Außerdem ist die Politik aufgefordert im Nachgang der derzeitigen Krise in einer Reform des Gesundheitswesens.

Matthias Widl

Walpertskirchen

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