Preise für Neubauten in München

Preisverleihung missglückt

Klaus Vick: Stadt vergibt Preise für schönes Bauen; München 9. April

Im Münchner Merkur war zu lesen, dass der umgebaute Zacherlbräu als leuchtendes Beispiel zeitgenössischer Architektur im Wettbewerb „Bauen und Sanieren in historischer Umgebung“ mit einem Preis ausgezeichnet werden soll. Ausgerechnet einem Bauvorhaben, gegen das vom Landesamt für Denkmalpflege Protest eingelegt wurde, wird vom Planungsausschuss ein Preis für Denkmalpflege verliehen. Unter den seinerzeit eingereichten Vorschlägen zur Neugestaltung des Zacherlbräus wurde, obwohl andere Entwürfe vorlagen, unter Einflussnahme der Juryvorsitzenden Stadtbaurätin Elisabeth Merk ein Entwurf ausgewählt, der vom Landesamt für Denkmalpflege missbilligt wurde. Trotzdem wurde dieser Entwurf anschließend von der Stadtverwaltung genehmigt. Diese denkmalpflegerische Fehlentscheidung von Frau Merk soll jetzt durch eine ästhetische Bewertung als „leuchtendes Beispiel zeitgenössischer Architektur in historischer Umgebung“ aufgewertet werden. Ein lächerlicher Versuch, missglückte Denkmalpflege und mangelhafte gestalterische Kompetenz durch einen Wettbewerbspreis zu legitimieren. Schmerzlich nur, dass sowohl die missglückte Denkmalpflege als auch der städtische Gestaltungswettbewerb durch den Steuerzahler finanziert werden müssen.

Harald Lukas

München

Es ist durchaus erfreulich, wenn die Stadt Anreize für schöneres Bauen gibt. Ob allerdings die respektlose Integration eines altehrwürdigen historischen Baus, des Zacherlbräus, in den Cubus einer Mammutbebauung eines großen Münchner Bauträgers am Fuße des Nockherbergs in der Au preisverdächtig ist, muss ernsthaft bezweifelt werden! Zwar ist der historische Zacherlbräu in der Fassade noch ablesbar, aber die Methode, diesen wie einen gewöhnlichen Ziegelstein in den Cubus hineinzubetonieren, zeugt in höchstem Maße von historischer Gleichgültigkeit und Ignoranz! Umso mehr als in dem städtebaulichen Wettbewerb sehr ansprechende Alternativ-Lösungen aufgezeigt wurden, die das eindrucksvolle Walmdach erhalten hätten, ohne die massiven Bauwünsche des Bauträgers zu stören!

Bei der mutwilligen Zerstörung des denkmalgeschützten Giesinger Uhrmacherhäusls durch einen privaten Bauherrn war und ist die Aufregung in der Politik immer noch riesengroß. Das Zerstörungswerk eines der größten Münchner Bauträgers wird nunmehr noch als sensibel gepriesen und soll mit einem auch noch finanziell hinterlegten Award belohnt werden! Bleibt u hoffen, dass sich der Planungsausschuss des Münchner Stadtrats in der kommenden Woche nicht über den Tisch ziehen lässt!

Es gibt beileibe noch schlimmere Beeinträchtigungen des historischen Münchner Stadtbildes und Sünden gegen den Denkmalschutz. Aber eine Preisverleihung an eine solche denkmalspflegerische Entgleisung kann zu uferlosen Nachahmungseffekten führen!

Dr. Karl Hofmann Dr. Karl-Heinz Ludwig

München

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