Alternative zum Tunnelbau

Peter T. Schmidt: „Zweite Röhre: Irrweg oder Königsweg?“; München 9. April

Der Bau des zweiten S-Bahn-Tunnels wäre eine unsinnige Steuergeld-Verschleuderung. Er ist völlig überflüssig. Wenn man, zumindest in den Stoßzeiten, Langzüge und Doppelstockwagen auf der bestehenden Stammstrecke einsetzen würde, könnte die Kapazität um 30 bis 50 Prozent gesteigert werden. Und das würde leicht ausreichen, denn die Einwohnerzahl Münchens und der Metropolitan area wird schon aus Platzgründen nie derartige Zuwächse erreichen.

 Herbert Gaiser München

Als Pendler mit 40 Jahren Erfahrung durch die tägliche Fahrt vom Westen München durch die Innenstadt in den Osten sieht man das Thema Nahverkehrsausbau in München von einer ganz anderen Seite, als Manager, Politiker und alle anderen, die Entscheidungen treffen, die man aber nie in den öffentlichen Verkehrsmitteln sieht. Alle reden sie von einem zweiten S-Bahntunnel durch München der dringend erforderlich ist. Aber sehen wir mal genau hin, es gibt bereits einen zweiten Tunnel zwischen Hauptbahnhof und Ostbahnhof, nur dieser heißt U-Bahn. Mit der dritten Röhre durch die Stadt werden immer mehr Leute in das Zentrum geschleust, die dann wieder in den Außenbereichen mit der U-Bahn weiterfahren. Immer wieder wird beklagt, dass die Innenstadt aus allen Nähten platzt - Herr König von der MVG spricht von einer baldigen Kapazitätsgrenze. Kein Wunder, jeder Pendler muss ja ins Zentrum, damit er z.B. zu BMW, Siemens und anderen großen Firmen außerhalb der Stadt weiter kommt. Als alter Pendler mit 40-jähriger Erfahrung sehe ich den Ausbau der U5/U4 bis Pasing als zwingend notwendig und das zweigleisig und unterirdisch, so wie er vor etwa 25 Jahren geplant war. Bedenkt man, dass drei große Bahnlinien (Allgäu/Werdenfels und aus Augsburg) in Pasing zusammentreffen. Hier könnte man mit einem vernünftigen U-Bahn-Konzept die Innenstadt schon vorab entlasten. Auch bei Störungen wäre das ein wichtiger Bypass zur Strecke Pasing-Hauptbahnhof. Schließlich passen bei einer Bahnstreckensperrung keinen 600 - 800 Fahrgäste in eine Straßenbahn von Pasing in die Innenstadt. Auch eine Verbindung von Pasing Richtung Norden mit Anschluss an die U3 zu BMW würde das Zentrum sehr entlasten. Warum man Pasing so massiv blockiert, ist vielen Pendlern unverständlich. Aber für eine S-Bahnlinie (S1) schuf man gleich für zwei U-Bahnlinien (U2/U3) einen U-Bahnanschluss – unverständlich. Auch eine südliche Weiterführung der U-Bahn von Pasing nach Freiham müsste geschaffen werden. Also das Geld für den S-Bahn-Tunnel umswitchen in den U-Bahnbau. Das Problem wird sein, das eine ist MVV, das andere MVG, oder besser gesagt: Bund und Stadt München - hier ist jetzt die Politik und Stadt München gefordert, die sich mit langjährigen Pendlern in Verbindung setzen sollen, die mit ihren Planungsvorschlägen ein Sinnvolles Nahverkehrsnetz um München mitgestalten. Ich wäre Sofort dabei als Nichtmünchner meine Erfahrung für ein gutes Verkehrskonzept einzubringen. Jetzt werden die Verantwortlichen wieder Jammern: Wer soll das Bezahlen. Für das Geld was der dritte Tunnel kostet kann man ein vernünftigeres Verkehrskonzept schon vor dem überfüllten Zentrum schaffen. Wer meint, dass die Kaufkraft in der Innenstadt sinkt, der irrt. Ein Pendler will so schnell wie möglich am Abend wieder nach Hause und hinaus aus der überfüllten Stadt München. Übrigens, ich bin nicht mit OB Reiter verwandt.

Alwin Reiter Geltendorf

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