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Schlimmste Erwartungen übertroffen

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Alena Wunderlich, Klaus Vick und Daniela: „Wir sind doch nicht in New York“; München 1. Oktober

Als Gästeführerin der Stadt München habe ich die Auswirkungen vom Schlossrondell Nymphenburg begutachtet. Meine schlimmsten Erwartungen wurden leider noch übertroffen: Die beiden Türme würden die Gebäude im Schlossrondell Richtung Süd-Osten weit überragen. Zudem sind ja zwei schiefe Türme mit ebenfalls schiefen Aufzügen geplant. Das würde auf jeden Fall noch auffälliger sein als der sog. O2-Tower, ein reines Bürogebäude, das vom Wintrichring als banaler Klotz den Blick Richtung Nord-Osten vom Schlossrondell aus auf sich zieht und das Rondell empfindlich stört. Parallelen drängen sich auf zu den zwei „schiefen“ sog. Highlight Towers bei der Einfahrt der A 9 nach Schwabing, die vom Odeonsplatz noch dazu als versetzt hinter dem Siegestor stehend wahrgenommen werden. Diese beschädigen erheblich den Gesamteindruck der Ludwigstraße, wie ich bei unzähligen Stadtführungen feststellen musste. Schloss Nymphenburg steht unter Denkmalschutz, ist eines der bedeutendsten Barockschlösser in Deutschland. Dieses wunderbare Ensemble würde durch die geplanten Hochhaustürme auf das Empfindlichste beeinträchtigt. Diese Türme wären für das Schloss noch viel schlimmer als die vor etlichen Jahren am Birketweg geplanten Hochhäuser. Damals hat ein Ballonversuch die Stadt wachgerüttelt, und man hat umgeplant. Die Verschandelung des Schlossareals wurde schließlich verhindert. Wobei damals der Ballon-Test am Wochenende unter Beteiligung vieler interessierter Bürger stattfand - dieses Mal dagegen mit nur einem Tag Vorlauf an einem Donnerstag von 8.30 h bis 9 h! Wer hat da Zeit? Diese angedachten Türme würden zu einer weiteren Zerfledderung unserer Silhouette führen. Niemand besucht München, um über die Stadt verstreut - und mit diesem Projekt hier sogar sehr zentral gelegene - Hochhäuser zu sehen. Andere historische Kulturstädte haben - wenn schon Hochhäuser - diese in der Regel wenigstens an einem oder wenigen Punkten konzentriert. Bei uns verstreut man sie über die ganze Stadt. Doch wenn man für München werben will, sucht man sich dann Örtlichkeiten, von denen aus man eine schöne Stadt-Kulisse mit Bergpanorama ohne verunzierende Hochhäuser zaubern kann.

Im übrigen rege ich an, dass künftig auf die beschönigende, in manipulativer Weise Leichtigkeit vortäuschende Simulation des Architekturbüros verzichtet oder zumindest auf diesen Aspekt aufmerksam gemacht wird. Denn hier würden massive Hochhäuser entstehen!

Vielen Dank für die ausgewogene Berichterstattung und die aussagekräftigen Fotos in der Ausgabe 1. Oktober!

Ingrid Oxfort

München

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