Leserbriefe

Wie viele Kinder müssen noch sterben, bis die Politik handelt?

Stefanie Wegele: Lkw überrollt Elfjährigen; München 21. Mai

Wäre diese unheilvolle Begegnung zwischen dem radelnden Jungen und dem Lkw in Kopenhagen oder Amsterdam passiert, wäre der Schüler mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch am Leben. Dort wird der Radverkehr mit baulichen Maßnahmen gezielt bevorzugt, unter anderem mit an Kreuzungen erhöht durchgezogenen Radwegen, um nur ein Beispiel zu nennen. Bei uns kommt an erster Stelle die Förderung des Autoverkehrs. Der Radverkehr ist immer noch Nebensache, allen Beteuerungen zum Trotz. Warum informiert sich der Stadtrat nicht in Holland oder Dänemark über moderne Verkehrspolitik? Ich schreibe es nicht gerne: Den Stadtrat trifft ein gehöriges Maß an Mitschuld am Tod des kleinen Jungen!

Erik Doffek

München

Ich bin geschockt, mir standen die Tränen in den Augen, als ich den Bericht über den Elfjährigen las, der am Montag von einem Lkw überrollt wurde. Meine Gedanken sind bei den Eltern und auch bei dem Lkw-Fahrer, der das nicht absichtlich gemacht hat. Und ich bin wütend. Auf die Stadt München und auf die Verkehrspolitik. Erst vor einem Jahr musste ein neunjähriges Mädchen sterben. Auch in München, anderer Stadtteil, gleiche Geschichte. Der rechtsabbiegende Lkw und die geradeaus radelnden Kinder hatten Grün. Gleichzeitig. Und an den Lkws gibt’s noch immer große tote Winkel, Abbiegeassistenten werden seit Jahren diskutiert und nicht eingeführt. Ampelschaltungen umstellen – Fehlanzeige. Stattdessen werden Dieselabgaswerte so lange diskutiert und berechnet, bis jeder einen Wert hat, der ihm in die Argumentation passt. Statt über die Sicherheit von Radlern und Fußgängern nachzudenken und das Rechtsabbiegen zu entschärfen, wird über E-Roller und deren Zulassung diskutiert und über E-Autos. Dafür können binnen kürzester Zeit zahlreiche Parkplätze in E-Ladestationen umgewandelt werden, aber um einen sicheren Radweg einzurichten, braucht es einen „Radentscheid“. Wie viele Kinder müssen noch unter Lkws gezogen werden, bis die Politik handelt und die Ampelschaltungen anpasst? Ein bisschen rote Farbe auf der Straße wird nicht reichen!

Petra Martin

München

Ein Abbiege-Unfall fordert wieder ein Opfer. Diese Unfälle könnte man wirksam und in kurzer Zeit vermeiden, wenn man an den neuralgischen Kreuzungen mit Fußgänger- und Fahrradübergängen Spiegel anbringen würde, die es den abbiegenden Autofahrern ermöglicht, die Situation zu überblicken. Besonders unübersichtlich sind Kreuzungen, an denen zwischen der Fahrbahn und dem Radweg noch ein Grünstreifen angelegt ist. Bis zum Radweg hat das abbiegende Fahrzeug bereits einen so großen Winkel eingeschlagen, dass der rechte Seitenspiegel nutzlos ist. Der ADAC hatte berichtet, dass die Stadt Freiburg im Breisgau solche Spiegel an den bekannten gefährlichen Kreuzungen angebracht hat, mit dem Erfolg, dass sich keine Unfälle und besonders keine tödlichen Unfälle dieser Art ereignet haben. Ich hatte der Stadt München solch eine Maßnahme vorgeschlagen. Man hat dies jedoch abgelehnt wegen der Gefahr von Vandalismus. Metallspiegel, wie sie oft an gefährlichen, unübersichtlichen Ausfahrten angebracht sind, könnten dieser Befürchtung weitgehend vorbeugen. Selbst wenn ein Spiegel beschädigt werden würde – ein Ersatzspiegel kostet kein Vermögen. Natürlich kann man an Neufahrzeugen Kameras vorschreiben, die einen weitwinkligen Überblick zur Seite ermöglichen. Bis so eine Maßnahme greift, vergehen jedoch viele Jahre.

Bernd Wosegien

München

Diese Unfälle sind unerträglich, der Radler fährt bei grün und wird einfach überrollt. Würden in München immer an bestimmten Kreuzungen Leute ermordet, würde man sofort alle erdenklichen Maßnahmen dagegen ergreifen. Im Straßenverkehr ists halt so, zu wenig Platz, die Politik will nicht, zu teuer ist die Ausrede! Die zwei Geradeausspuren müssen endlich klar strukturiert zu einer Geradeaus- und einer Rechtsabbiegerspur für Radler rot markiert werden. Die Radspur Richtung Erhardstraße auf der Corneliusbrücke ist zunächst auf der Straße ein Teil wird dann 10 Meter vor der Kreuzung abrupt und gefährlich auf den Gehweg geleitet, dort kann man rechts abbiegen oder auch geradeaus fahren. Damit verschwindet man aus dem Sichtfeld des Lkw-Spiegels, wenn dieser zum Abbiegen fährt. Der Radfahrer muss nun seinerseits auf wartende Fußgänger und Radler achten die ihm den Weg versperren oder links! von ihm bei der Ampel warten,wenn er geradeaus oder rechts abbiegt. Danach wird er irgendwie schräg über die Kreuzung nun 10m ohne Radweg gefährlich in die Corneliusstraße eingefädelt, dadurch wird er noch zusätzlich abgelenkt und gefährdet. Die dritte Möglichkeit ist einfach auf der Corneliusbrücke geradeaus zu fahren (2009 hatte man den gesamten Radweg auf den Gehweg geleitet). Es braucht endlich eine eindeutige Lösung! Der Radweg muss an dieser Stelle genau um diese Rechtsabbiegespur verbreitert werden, dazu muss die Ampel rechts vom Fahrradweg neu platziert werden. Dadurch müssen die Autofahrer automatisch den Kopf noch mehr nach rechts zum Radweg wenden und wartende Fußgänger können sich nicht zw. Fahrradweg und Straße bei der Ampel rein quetschen. Oder man verlegt den Radweg komplett auf den verbreiterten Brückengehweg, für Geradeausradler und Linksabbieger.

Mein Vorschlag wären Fußgängerassistenzsysteme die bei den Lkw das Abbiegen sicherer machen sollen gleich in jede Abbiegeampel einzubauen. So könnte der Abbieger durch einen unterschiedlich schnell blinkenden Pfeil auf das Herannahen eines Rad oder Fußgängers aufmerksam gemacht werden. Oder der Kfz-Abbieger bekommt Rot, wenn die Abbiegespur nicht frei ist (dafür gibts Lichtschranken oder Induktionsschleifen). Zusätzlich sollte ein Spiegel an der Kreuzung montiert werden. Auch kann man den Abbieger eine extra Grünphase geben (Radler bekommt rot), oder die Radler mit Gelb blinken warnen, dürfen aber vorsichtig fahren, wenn’s geht (Abbieger haben grün).

Konrad Haun

München

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