Ungerechtes Rentner-Bashing

Ungerechtes Rentner-Bashing

Matthias Kiefersauer:GrinsenderElektro-Rentner;Münchner Freiheit 8./9. Juli

Sehr geehrter Herr Kiefersauer, Ihr Artikel (oder sollte es gar eine Satire sein?) in der Wochenendausgabe zum Thema „Rentner auf dem Elektro-Fahrrad“ hat mir, gelinde gesagt, nicht gefallen! Insbesondere den Satz „Hat sich der alte Mann doch tat- sächlich ein E-Bike gekauft – von meiner Rente“ empfinde ich als Unverschämtheit! Man kann wohl davon ausgehen, dass der „alte Mann“ selbst in die Rentenkasse eingezahlt hat; hier handelt es sich, wie bekannt, um einen Generationenvertrag.

Dem Autor wünsche ich von ganzem Herzen, dass er auch einmal älter/alt wird. Ich zum Beispiel, 66 Jahre alt, habe nach 45 Jahren durchgehender Zahlung in die Rentenkasse zu Rentenbeginn mein Auto verkauft (auch wegen der Umwelt) und mir, um das Radeln zu erleichtern (!), ein E-Bike zugelegt. Die 60 Jahre davor hatte ich ein „normales“ Fahrrad. Ich bin nun so frei, langsamere Verkehrsteilnehmer zu überholen – so es denn der Zustand der Münchner Radwege zulässt, aber das ist eine andere Geschichte! Zum Thema „Radwege“ (Radlhauptstadt München = ein Witz!) würde ich gern mehr fundierte Beiträge finden. Aber Rentner-Bashing ist wohl zurzeit opportun, leider.

Monika Piechel
München


Eigentlich bin ich keine Leserbriefschreiberin, aber der oben genannte Beitrag schreit danach.

Herr Kiefersauer erzählt sein Erlebnis mit einem Rentner aus dem Jahr 2012, der ihn immer wieder mit seinem Radl „überholt“, indem der sich an jeder roten Ampel vordrängelt. So weit, so gut – aber was hat bitte der Satz „Ja, auch für solche Mitmenschen zahle ich in die Rentenkasse ein“ hier zu suchen? Aber es kommt noch besser. Nachdem er ihn nach Jahren wieder an der Ampel trifft – neben ihm stehend und hämisch grinsend – stellt er fest , dass der Rentner sich inzwischen ein E-Bike zugelegt hat – „von meiner Rente“. Ja geht’s noch?

Erstens unterstelle ich jetzt mal die Tatsache, dass der E-Bike-Fahrer sein Leben lang für seine Rente gearbeitet und er sich diese wohlverdient hat und zweitens finde ich es völlig unangebracht, das Eine – also die Rentenbeiträge der „Jungen“ – mit dem anderen – dem Rentenbezug unserer „Alten“ – so direkt zu verknüpfen. Hoffentlich macht das nicht Schule, sonst sehen die Jungen irgendwann die ältere Generation, der sie ja viel zu verdanken haben, nur noch als Kostenfaktor. Keine gute Entwicklung.

Vielleicht hat sich der Rentner sein E-Bike mehrere Jahre mühsam von seiner Rente zusammensparen müssen und er hat gar nicht hämisch gegrinst, sondern sich einfach nur gefreut über seine neue Errungenschaft – weiß man’s?

Ja, ja, Betrug, wo man hinschaut – aber ist er nicht in fast allen Lebensbereichen schlimmer als an Münchens Fahrradampeln? Und es ist zwar schön, wenn der Kolumnist aus dieser Sache als moralischer Sieger hervorgeht, aber für den Rest der Bevölkerung so unwichtig, „wia wenn in München a Radl umfoit“. Übrigens, ich bin weder Rentnerin – ich arbeite noch daran – noch humorlos.

Irmi Mayr
Ohlstadt

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