Auf der Stelle abschaffen

Andrea Stinglwagner: „Sexistisch und diskriminierend“; München 9. Januar

Hier wird nicht nur das Recht der Antragstellerinnen mit Füßen getreten, sondern auch und vor allem ihre Menschenwürde. Als wenn die Mütter nicht schon gestraft genug sind mit solch gewissenlosen Männern. Schließlich müssen sie deren Part auch noch übernehmen. Die Angaben zum Vater eines Kindes stehen doch entweder in der Geburtsurkunde oder wird mit dem Passus mit Verpflichtung zu wahrheitsgemäßen Angaben auf einem Formular unter- zeichnet. Diese Vorgehensweise vom Amt ist eine Unverschämtheit und sollte auf der Stelle abgeschafft beziehungsweise geändert werden. Die Willkür der Behörden ist wirklich oftmals nicht mehr mit gesundem Menschenverstand nachvollziehbar. Bürger sind auf einem Amt stets Kunden und sollten auch so behandelt werden. Das Verhalten der Mitarbeiterin würde ich sofort mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde beantworten. 

Sylvia Pammé Grasbrunn

Natürlich trifft es zu, wie Referats-Sprecherin Hedwig Thomalla sagt, dass die Antragsstellerin aktiv mitwirken müsse und auch in einer Befragung Antworten geben muss. Aber die zitierten Fragen sind eine Zumutung und könnten durchaus anders und weniger ins Detail gehend gestellt werden. Wenn ein Vater ermittelt werden muss, der eigentlich für die Unterhaltszahlung zuständig ist, sind selbstverständlich gewisse Hinweise erforderlich. Auch die Frage, ob und welcher andere Mann als Vater in Frage käme, halte ich noch für im Einzelfall notwendig und zulässig. Aber alle weiteren Details haben, zumal bei einer 16-jährigen Unterhaltsberechtigten, keinerlei Auswirkungen mehr auf die Ermittlung des Vaters. In der beschriebenen Weise gestellte Fragen sind schlicht eine Einmischung ins Intimleben der Mutter, die für die Ermittlung des Vaters völlig unwesentlich sind. Ob das Kind im Hotel, einer Privatwohnung, einer Sauna, im In- oder Ausland etc. gezeugt wurde, tut überhaupt nichts zur Sache, wer der zahlungspflichtige Vater ist. Im vorliegenden Fall lese ich sogar, dass der Vater erst nach einem Umzug für die Mutter nicht mehr auffindbar war - evtl. sogar einige Jahre Unterhalt gezahlt hat. Dem nachzugehen wäre für die Behörde wichtiger, als 16 Jahre alte Zeugungsbeschreibungen zu bekommen. Das Sozialreferat täte gut daran, diesen Fragebogen noch einmal zu überarbeiten und intime und beleidigende Fragen zu streichen. Vielleicht könnte die Behörde ja zuerst ihren (alleinerziehenden) Mitarbeiterinnen den Fragebogen vorlegen und fragen, ob sie bereit wären, ihn auszufüllen und dabei nicht in Peinlichkeit fielen. 

Cornelia Stekl Bad Wiessee

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