Die Sendlinger Straße lässt grüßen

Carmen Ick-Dietl und Emil Nefzger: Zu viele Autos, zu wenig Platz; München 12. August

Unsere Verkehrspolitik funktioniert noch immer wie in den 60- er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Das rollende Wohnzimmer wird auch dem bestens funktionierenden Öffentlichen Verkehr an Bequemlichkeit überlegen sein, solange seine Benutzung nicht zu lästig wird. Für die Flut des zugelassenen Blechs wird nie genug Platz sein, egal welche Ausbauten und Tunnels man in Angriff nimmt. Der private Autoverkehr in den engen Städten ist ökologischer und ökonomischer Schwachsinn. Warum einfach, wenn es kompliziert geht. Was die Stadtväter in den meisten Städten der Schweiz, Skandinaviens, Dänemarks, der baltischen Länder und auch Frankreichs längst begriffen haben, wird bei uns erst einmal vorsichtig angedacht. Lebenswerte Städte bekommt man nur mit einer drastischen Reduzierung der Parkmöglichkeiten, mit eigenen Busspuren, mit Ausweitung der Verkehrsflächen für Fußgänger und Radfahrer. Dazu braucht man keine komplizierten Umbauten, es genügt eine Reihe von Pollern oder ein generelles Parkverbot als erste Schritte. Da werden natürlich die Autofreunde wieder die unverwüstliche gehbehinderte Großmutter aus der Versenkung holen, die nicht die Arztpraxis erreichen kann. Auf mich machen die Parkerinnen und Parker in der Innenstadt einen recht gesunden Eindruck, sie sind einfach nur gedankenlos und bequem. Natürlich muss es Sonderregelungen für Anwohner und Geschäftsinhaber geben, das bestreitet niemand. Hoffentlich kommen wir auch in München auch bald im 21. Jahrhundert an. 

Erik Doffek München

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