Rollendes Wohnzimmer

Klaus Vick: MVG plant 51 neue Busspuren; München 4./5. Februar

Wie kann man den Bürgern den Verzicht aufs Auto schmackhaft machen? Wer so etwas äußert, versteht von menschlichen Verhaltungsweisen wenig. Man wählt, von Ausnahmen abgesehen, das bequemste Verkehrsmittel, und da ist das rollende Wohnzimmer nicht zu toppen. Man steigt erst um, wenn die Benutzung zu lästig wird. Das klappt nur, wenn man dem rollenden und ruhenden Privatverkehr Fläche wegnimmt. Natürlich steht einem Bus, der ein Vielfaches an Personen pro Verkehrsfläche transportiert, mehr Platz zu, eben mit Busspuren. Alles andere ist eine Bevorzugung einer bequemen Minderheit. Der Verkehrsraum fehlt auch den an den Rand gedrängten Fußgängern und Radfahren. Dass Parkplätze wegfallen, ist in fortschrittlichen Kommunen in Skandinavien und der Schweiz ein bewährtes Steuerungsprinzip, den Autoverkehr aus den belasteten Zentren zu drängen, seit Jahrzehnten! Da erscheinen mir die Bedenken der CSU aus einer Zeit, als man noch von der autogerechten Stadt träumte, vor einem halben Jahrhundert.

 Erik Doffek München

MVG plant 51 neue Busspuren. Diese Maßnahmen kosten erst mal viel Geld und Widerstand. Zu befürchten sind Streitigkeiten und Klagen, vor allem von Anliegern. Eine Priorisierung der Busse durch zusätzliche Fahrspuren würde den Autoverkehr auch nicht automatisch vermindern. Die hier angestrebten Ziele könnten auch anderweitig erreicht werden: Alternativ könnte man den Bürgern den gesamten öffentlichen Nahverkehr kostenlos oder zu einem minimalen symbolischen Beitrag (Modelle gibt es auch in anderen Städten), auch temporär, zur Verfügung stellen. Der Individualverkehr würde sich automatisch reduzieren. Stau würde vermieden werden, die Busse haben freie Fahrt und die Stickstoffioxid- und Feinstaub-Emissionen würden sinken. Ein Kostenbeitrag könnte über eine Erhöhung der Grundsteuer erfolgen und somit alle Bürger zur Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs motivieren. 

Günter Rathgeber München

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