Ärger über Maut-Diskussion

„Pickerl-Streit: Autobahn dicht“; Titelseite 30. November / 1. Dezember, „Ausländer-Maut: Österreich droht“; Titelseite 29. November, Dirk Walter: „Seid’s narrisch?“; Kommentar 30. November / 1. Dezember

Seit Jahrzehnten schleichen österreichische Lkw über deutsche Autobahnen und Pkw rasen, so weit möglich, mit mehr als den in Österreich erlaubten 130 km/h. Das wird in Bayern schweigend hingenommen. Und jetzt wird das Gewohnheitsrecht „freie Fahrt bis Kufstein-Süd“ eingestampft. So geht es nicht, liebe Nachbarn. Ist den Österreichern eigentlich klar (oder wurscht?), dass damit der (Ski)Tourismus ruiniert wird? Aber vielleicht ist das ja gewollt. Dann können sie gleich die Schneekanonen nach Dubai verkaufen. Die Umweltschützer würden sich freuen.
Herbert W. Krause Germering

Der Großteil der Deutschen ist für eine Maut, aber der ADAC nicht. Sollte der ADAC mit Österreich eine Klage gegen die deutsche Maut unterstützen, fordere ich alle ADAC-Mitglieder, auf ihre Mitgliedschaft zu kündigen. Meine Kündigung, nach 20 Jahren Mitgliedschaft, ist heute per Post raus.
Harald Köppe
München

Dass die Österreicher jetzt für die paar Kilometer von Kiefersfelden bis Kufstein-Süd ohne Rücksicht auf die auf beiden Seiten der Grenze lebenden Menschen auch ein Zehn-Tagespickerl verlangen, hat mit der geplanten Maut bei uns nicht das Geringste zu tun. Offensichtlich haben Herr Innenstaatssekretär Eck und auch Kommentator Walter bereits vergessen, dass eine ähnliche Regelung am Grenzübergang Lindau – Bregenz bereits im Sommer (da war die von Seehofer ins Spiel gebrachte Maut allenfalls ein Hirngespinst) abgeschafft wurde. Hier durften Transitreisende in die Schweiz für zwei Euro je Fahrtrichtung etwa 15 km österreichische Autobahn einschließlich Pfändertunnel benutzen. Seither bezahlt man dort auch eine Zehn-Tagesvignette. Wenn man unterstellt, dass Österreich vollkommen zu Recht und logisch begründet alle Autobahnbenutzer für Bau und Unterhalt zur Kasse bittet (am Brenner zahlt man zur Maut noch eine zweite Maut), stellt sich mir die Frage, warum das, was in Österreich richtig und logisch ist, bei uns in Deutschland nicht gelten soll! Nicht nur ich zahle mit meiner Kfz-Steuer für den Bau und Unterhalt unserer Autobahnen und sorge damit dafür, dass z. B. unsere holländischen Nachbarn möglichst problemlos und ohne Tankstop nach Österreich kommen und dort dann selbstverständlich und klaglos ihr Pickerl kaufen. Und den ADAC muss man mal fragen, warum er mit aller Macht gegen die Maut polemisiert, obwohl es noch kein Gesetz und keine Ausführungsbestimmungen dazu gibt! Und in Sachen Kiefersfelden ist dieser Verein absolut sprachlos. Erich Meier
Haag

Ich werde in Zukunft nicht mehr zum Skiwochenende nach Österreich fahren. Nur durch Druck kann man bei den Tourismusverbänden und Bergbahnen erreichen, dass diese unsägliche Maut von 8,50 Euro für zweimal 20 Kilometer zurückgenommen wird. Das ist moderne Wegelagerei. Es gibt auch in Oberbayern und im Allgäu schöne Skigebiete. Ich hoffe, dass viele Autofahrer ebenso denken und dadurch ein Umsatzrückgang in den österreichischen Wintersportorten zu verzeichnen ist. Wer den Umweg über die Gemeinden und die Bundesstraßen macht, wird besonders bei der Rückfahrt im Stau stehen und sich überlegen, ob er sich das weiter antun will. Jedesmal, wenn ich beruflich zwischen Salzburg und Kufstein unterwegs bin, ärgere ich mich, dass 50 % der Autos aus Österreich kommen und auf unseren Autobahnen nichts bezahlen müssen, während wir nun für so eine kurze Strecke regelrecht abgezockt werden.
Heinz Steinmann
München

Uns Bürgern wird vorgegaukelt, dass es möglich ist, die Maut nur für „im Ausland zugelassene Fahrzeuge“ zu verwirklichen. Aber so blöd können unsere Politiker doch wohl nicht sein, dass sie nicht genau wissen, dass dies nicht machbar ist. Um nicht ihr Gesicht zu verlieren, müssen sie nur abwarten, bis andere EU-Länder dagegen klagen. Dann waschen sie sich – wie einst Pilatus – die Hände in Unschuld und wir bezahlen zuerst für die Straßen und dann dafür, dass wir sie benutzen dürfen. Dabei ist es so einfach, die Unsinnigkeit dieser Maut festzustellen. Wenn zuerst alle bezahlen müssen (etwa 100 Euro), gehen davon 30 % an die Betreibergesellschaft. Es verbleiben also nur 70 % im Staatssäckel. Wenn aber nun den deutschen Bürgern keine Kosten – wie versprochen – entstehen sollen, müssen sie die 100 Euro zurückbekommen. Dann bezahlen sie aber über die Steuern doch die 30 %, die die Betreiber abgreifen. Damit wird letztlich die Kfz-Steuer um diese Beträge vermindert. Bei rund 52 Millionen in Deutschland zugelassenen Fahrzeugen summiert sich die Maut auf 5,2 Milliarden Euro. Davon schöpft die Betreibergesellschaft 30 %, also mehr als 1,5 Milliarden Euro ab. Wenn die Deutschen mit der Maut nicht belastet werden sollen, gehen also hier 1,5 Milliarden Euro von der Kfz-Steuer weg. Um nur diesen Betrag auszugleichen, müssen etwa 22 Millionen auswärtige Fahrzeuge durchfahren, da auch von denen nur 70 % Einnahmen bleiben. Erst wenn dies kompensiert ist, also mehr als 22 Millionen auswärtige Kfz bezahlen, gibt es einen Überschuss zu unserer Kfz-Steuer. Man sieht, dass diese Rechnung nur aufgehen kann, wenn auch die Bundesbürger Maut bezahlen.
Gunar Ehrhardt
Starnberg

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