Luckes Weg von der AfD zur ALFA-Partei

„AfD attackiert Abtrünnige und sortiert sich neu“; Politik 27. Juli

Luckes Weg von der AfD zur ALFA-Partei: Berichterstattung und Kommentierung in der Presse verwirrend! Wer die Entwicklung der AfD seit 2013 nur anhand der Presseberichte verfolgen kann, reagiert mit Kopfschütteln auf die seit dem Frühjahr bekannten Spaltungstendenzen dieser meinungsbildenden Gruppe. Berechtigt ist daher die Frage, wann und womit der Mitbegrün-der dieser Partei, Bernd Lucke, im Wortsinne seine Unschuld verloren hat. Es ist ihm schwer abzunehmen, dass manche inhaltliche Positionierung „versehentlich“ an die Öffentlichkeit gelangt oder hier „nur missverständlich“ formuliert angekommen ist. Konkret: Dem Beobachter der Szene fiel ein frühes Interview Luckes mit den Deutschen Wirtschafts-Nachrichten vom 18.04.2013 auf, indem er u.a. den Zugriff auf Bank-Guthaben als „im Prinzip richtig“ beurteilt hat. Allerdings sollten Akte zur Bankenrettung „nicht vorab an die große Glocke gehängt“ werden, denn „so etwas muss man heimlich, still und leise vorbereiten und dann überraschend umsetzen“. Warum er im Rahmen der Banken-Rettung gegen eine Einlagen-Sicherung deutscher und europäischer Vermögen sei, blieb im Interview offen. Wie es Lucke mit der innerparteilichen Demokratie hält - eine Voraussetzung des GG für die Zulassung als Partei und die Gewährung der Partei-Privilegien (i. W. im Bereich der Finanzierung) - konnte der Betrachter im Umfeld des AfD-Parteitags in Bremen (2015) beobachten, wo er aus einem Dreier-Leitungsgremium bis zum Jahresende eine Ein-Mann-Führung satzungsmäßig etablieren wollte. Dagegen regte sich innerparteilich erheblicher Widerstand. „Den Vogel abgeschossen“ - und damit sich selbst - hat er mit dem Versuch eines Doppel-Coups: der Gründung des „Weckrufs 2015“ quasi als Partei in der Partei, für die er etwa 4000 Mitglieder (von 21 226) gewinnen konnte und den Geschäftsordnungs- und Verfahrenstricks im Umfeld eines geplanten Delegiertentags in Kassel bzw. der Mitgliederversammlung in Essen, auf der er schließlich abgewählt wurde. Mancher Wahlbürger mag dies bedauert haben, v.a. nachdem seiner (übrig gebliebenen) parteiinternen Kontrahentin Frauke Petry mit unglaublicher Medienunterstützung eine inhaltliche „Verengung nach rechts“ unterstellt und den sich Lucke anschließenden Abweichlern das Attribut der „Besten“ angeklebt wurde. Aus dem „Weckruf 2015“ wurde „Neustart 2015“ und inzwischen die in Kassel von ca. 70 Lucke-Anhängern gegründete ALFA-Partei, die sich „Allianz für Fortschritt und Aufbruch“ nennen wird. Ihr schlossen sich z. Bsp. in Bayern am 26.07.2015 etwa 80 Interessenten an, nachdem etwa 10% des Landesverbandes der AfD ausgetreten waren. Ob sie alle oder noch mehr sich der neuen Lucke-Partei anschließen, ist offen. Es dürfte wohl zur Chronistenpflicht der Redaktionen bundesweit gehören, über diese Entwicklung hintergründiger und objektiver zu berichten. Die Urlaubszeit mag als Saure Gurken-Zeit der Presse diesen Effekt mit sich bringen.

Willi Eisele Wolfratshausen

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