Eindreschen auf Merkel

Autor Mike Schier hat richtig festgestellt, dass die Bindung der Wähler an einzelne Parteien stark nachgelassen hat.

Gefragt sind vom Wähler starke Persönlichkeiten, die aufgrund ihrer Aussagen und der bisherigen politischen Arbeit für das jeweilige Bundesland, die Stimme vom Wähler erhalten. Die Wahlergebnisse spiegeln das durch Herrn Kretschmann in Baden-Württemberg, Frau Malu Dreyer in Rheinland-Pfalz und mit Abstrichen auch durch Herrn Haseloff in Sachsen-Anhalt wider. Aber ein weiter so wie bisher kann es von den Altparteien CDU und SPD nicht geben. Die SPD muss das Soziale (nicht nur Mindestlohn etc.) wieder mehr begreifen und die Nähe und das Ohr des Bürgers suchen. Die CDU befindet sich auf einer Gratwanderung, soll sie den Kurs der Kanzlerin weiter folgen oder den schrillen Tönen aus der CSU erliegen? Mein Vorschlag wäre hierzu: Die CSU wird in ganz Deutschland wählbar und die CDU auch in Bayern. So könnte man dem Credo der CSU, es darf keine Partei rechts von der CSU geben, Wählerstimmen ermöglichen und den Zustrom von Protest- und auch Nichtwählern von der AfD zu einer demokratischen Partei lenken.

 Erich Jordan Weilheim

Es ist nicht zu fassen, wie viele Leserbriefschreiber glauben, sich herausnehmen zu können, auf eine einzige Person in einer so extrem schwierigen Lage in dieser primitiven verbalen Weise einzudreschen. Hier sind wohl die Weltweisen, die garantiert erfolgreiche Lösungskonzepte parat haben, versammelt. Es fällt uns dazu ein Satz des britischen Philosophen Bertrand Russel ein, den wir ein wenig abgewandelt haben. Es ist ein Jammer, dass viele sich ihrer Sache so sicher sind und die Fachleute so voller Zweifel. Mit Fachleuten meinen wir etwa Journalisten der Weltpresse und Analytiker in Denkfabriken. Wer sich zum Beispiel nur ein wenig über die derzeitige Situation in Syrien kundig gemacht hat, kann nur zu dem Schluss kommen, dass es eine Patentlösung nicht gibt. Manche klugen Leute bezweifeln, dass es auch nur eine einigermaßen befriedigende Lösung geben wird. Insofern sind die immer wiederholten pauschalen Ratschläge, die Ursachen der Flüchtlingsströme zu bekämpfen, wohlfeil. Natürlich darf man die Bundeskanzlerin kritisieren, aber bitte nicht so. Man könnte auch froh sein, dass wir eine solche Regierungschefin haben. Sie bleibt auch in einer Krise, wie wir sie in dieser Form seit Jahrzehnten nicht mehr hatten, gelassen und benutzt ihren scharfen analytischen Verstand.

Prof. Dr. Heinz u. Edeltraud Schelle Oberau

Vielleicht hat sich der eine oder andere gefragt, wie viele Menschen denn nun zum Wählen gingen am vergangenen Superwahlsonntag? Da las man von prognostizierten 21 % der SED-Nachfolgerin Die Linke in Sachsen Anhalt und befürchteten 18 % der AfD. Die Ergebnisse sind bekannt. Doch wie kamen sie zustande? In Sachsen Anhalt gingen dieses mal 61,1 % der Wahlberechtigten zur Urne, rund 10 % mehr als 2011. Ebenfalls gestiegen war die Beteiligung in Baden-Württemberg und Rheinland – Pfalz, von 66,2 bzw. 61,8 auf jeweils 70,4 %! Ist dies nun Ausdruck der vielgeschmähten Politikverdrossenheit der Deutschen? Oder, vor allem bei Betrachtung der Ergebnisse der SPD, aber auch ihres Seniorpartners in der GROKO, vielleicht doch eher der Parteienverdrossenheit? Die Wahlergebnisse allein mit der Flüchtlingskrise zu begründen, erscheint mir allerdings angesichts der wesentlich bedrohlicheren Situation, welche TTIP für uns bereithält (man bedenke allein den Umgang mit unseren gewählten Volksvertretern und deren Schweigen dazu) als engführendes Erklärungsmuster.

Bernd Hertling Grafing bei München

Betrachtet man die Geschichte der Wahlen in unserer Bundesrepublik, und das Alter habe ich, fällt mir Folgendes auf: Immer, wenn eine neue Gruppierung/Partei auftritt, gibt es ein ungeheures Gezeter. Da waren die Grünen, die man als unwählbar, antibürgerlich und politisches Skandal stigmatisierte, als sie erstmals im Kampf um Parlamentssitze auftauchten. Für die Union waren sie der politische Gott-sei-bei mir. Und dann wurden sie nicht nur akzeptiert, sondern sogar ein gesuchter Koalitionspartner. Dann die Linken, die man als Unmöglichkeit schlechthin bezeichnete. Und es dauerte nicht lange, bis zum Beispiel die SPD keinerlei Probleme mehr hatte, sich die Nachfolger einer Partei, die für hundertfachen Mord an der innerdeutschen Grenze, für Zwangsadoptionen und unzählige politische Schauprozesse verantwortlich war, ins Koalitionsbett zu holen. Doch es kam noch schlimmer. Man hievte ihren Führer in Thüringen sogar ins Ministerpräsidentenamt. Und genau so wird es mit der AfD gehen. Das Geschrei ist jetzt groß, aber man wird sich beruhigen und sie letztlich an den angestammten Pfründen der bisherigen etablierten Parteien teilhaben lassen. Mein Großvater hat vor langer Zeit in seiner deftig bayerischen Art mir das so erklärt: Mia san des Volk. Des is wia a Sautrog. Und da fressen de raus. Moi sans rot, moi braun, moi schwarz (grün etc. gab es damals noch nicht) und jedes moi, wenn a neie kummt, dann gibt’s a Gschrei, weil koana was vom Fuada hergem wui. Aba des legt se wieda, werst seng. Rückblickend kann ich nur sagen: Das war Volkes Stimme, und die trifft die Sache auf den Punkt.

Otto Laudien Baldham

Drei Tage nach der Wahl, eine Alternative zu Merkel gibt es nicht und einen Bayern als Bundeskanzler auch nicht (ich denke an Karl Theodor zu Guttenberg) selbst Franz Josef Strauß hat es nicht geschafft. Die Wähler der drei Bundesländer haben einen Ministerpräsidenten gewählt, keine Partei. Ein Schritt hin zur direkten Demokratie. Diese Entwicklung haben die Parteien alle verschlafen. Die Flüchtlinge, die Flüchtlinge sind nicht unser Problem , die Schul-Politiker mögen sie auch einen Doktortitel haben so haben sie doch keine Lebenserfahrung, sind im Wohlstand aufgewachsen, haben nie einen Krieg mitgemacht, eine wirtschaftliche Not oder Vertreibung! Darf ich daran erinnern, 1946 gab es in Bayern mehr Flüchtlinge als Einwohner, kaum ein Bauernhof, wo keine Flüchtlinge untergebracht waren. Erdogan erpresst Europa, in Deutschland leben mehr als drei Millionen Türken, schickt alle die keinen deutschen Pass haben in die Türkei zurück, dann hat Erdogan ein Problem. Die Pegida: Putins Partisanen – wir vergessen: Putin führt Krieg gegen Europa wegen der Ukraine, nur mit anderen Mitteln. Putin war in den 1980er Jahren KGB-Offizier in Dresden und das sind seine Anhänger. Bleibt England in der EU? Gebt den Schotten den Euro und das Versprechen, das sie in der EU bleiben, dann löst sich das Problem von selbst.

Franz Greinwald Weilheim

70 Jahre Frieden in Europa? Da sind wohl der Jugoslawien-Krieg (Vielvölkerstaat zwangsweise funktioniert eben nicht!) und die Zustände in der DDR völlig vergessen. Der gestrige Themenabend über Syrien in Arte erinnerte mich stark an das Buch von Ellen Thiemann „Stell dich mit den Schergen gut“ von 1986 über ihre unbeschreiblich grausige Haftzeit in der DDR. Wie kann man da die SED-Nachfolgeorganisation „Die Linke“ zu den etablierten Parteien zählen und wählen und andererseits sich über die AfD aufregen?

Andrea von Beaulieu Marconnay Petershausen

Alternative zu Merkel nötig; Leserbriefe 16. März, Mike Schier: Der frei schwebende Wähler; Kommentar, Sinnvoller Dämpfer für die Etablierten; Leserbriefe 15. März 

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