Archaische Autoritätsgläubigkeit

Alexander Weber: „Rette sich, wer kann“; Politik 11. Januar

 Man staunt über die Dreistigkeit und Gier, mit der manche Politiker ihre Positionen ausnutzen, um eigene bzw. Partei-Interessen zu verfolgen. Sie wähnen sich offenbar sicher, unbehelligt zu bleiben. Können sie das, weil die Presse von ihren Machenschaften erst berichtet, berichten kann, wenn alles schon gelaufen ist? Siehe Dirk Niebels Klientelpflege! Oder weil sich die Regierten angewidert abwenden, da nun nichts mehr zu ändern sei? Resigniert das – nachträglich gut informierte – Wahlvolk, weil es keine Institutionen gibt, die solch einen Coup revidieren könnten? Fühlen der Entwicklungshilfeminister und andere geneigte Kollegen sich dadurch ermutigt, Ähnliches bei Gelegenheit wieder einmal durchzuziehen? Dieser Teufelskreis zeigt sich auch in der Kommunalpolitik: Das Desinteresse der Allgemeinheit begünstigt Fehlentscheidungen und Fehlentwicklungen. Noch immer mangelhafte Transparenz tut ihr Übriges. Archaische Autoritätsgläubigkeit verhindert kritische Auseinandersetzung. Die Enttäuschung über unehrenhaftes Verhalten von Personen, zumal gewählten, führt zu Resignation. Das Publikum murrt und zuckt mit den Schultern. Es erregt sich in diesem Forum lieber seitenweise über den angeblich dramatischen Niedergang des bayerischen Dialekts oder die Lautstärkenschwankung der Fernsehsender als über „Diener“ des Staates, denen absolut nichts mehr peinlich ist, wie exemplarisch Niebel, der bereitwillig ein Amt annahm, für dessen Abschaffung er vormals eingetreten war.

 Bettina Buresch Schongau

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