Computer kann im Prinzip nur, was ihm gelernt wurde

Martin Prem: Nicht reif für die Straße; Kommentar 21. März

Die ganze Angelegenheit steht und fällt mit der Sensorik, diese sind die Fühler oder Erzeuger der Signale, die wiederum den Bordrechner mit Informationen füttern. Der Rechner kann selbst nur durch aufwendige Verknüpfungen an die Steuerorgane weitergeben, was in den Informationen der Sensorik steckt. Genau da setzen meine Bedenken an - bringen die Sensoren für alle denkbaren und auch noch nicht bekannten Szenarien richtige Informationen? Der Mensch mag ja, wenn er zum Beispiel müde ist, häufiger Fehler machen als der Computer, aber im Schnitt reagiert ein Fahrer fehlertoleranter und adaptiver als der Computer, der nur das im Prinzip kann, was ihm gelernt wurde. Ich fahre selbst einen Pkw mit Fahrer-Assistenz-Systemen, die mich schon mehrere Male in Bedrängnis gebracht haben. Solche Systeme sind als Vorstufe zu selbstfahrenden Fahrzeugen zu betrachten, da die Fahrerunterstützung auch nur auf bekannten Szenarien und Sensorsignalen beruht. Unlängst auf der A 96 von Lindau Richtung München – Straße ungewöhnlich frei, kein Vordermann, niemand hinter mir – macht mein Touran eine Vollbremsung. System abgeschaltet, später wieder eingeschaltet, nach weiteren 5 Minuten das Gleiche: Vollbremsung! Das dürfte nicht passieren mit einem Hintermann an der Stoßstange! Diesen Vorfall zähle ich eindeutig zu sogenannten Fehlalarmen. Ein anderes Mal eine typische Fehlinterpretation des Bordcomputers: Landstraße, vor mir ein Pkw, der nach rechts abbiegen möchte. Er blinkt nach rechts und schwenkt in die Abbiegespur ein – alles mustergültig. Das Fahrzeug war zwar nicht mehr in meinem Fahrbereich, da ich geradeaus wollte, aber meine Abstandssensoren sahen wohl einen Gefahrenfall, den es gar nicht gab, weil ich geradeaus an ihm vorbeigefahren bin, wegen der Annäherung an sein linkes Heckteil meldete sich das System mit einem spektakulären Crash-Alarm, vermutlich, weil die Sensorik ihn noch als Hindernis auf meiner Fahrbahn gesehen hat. Die zeitnah aufgesuchte Vertragswerkstatt machte einen Software-Update, ohne weitere Erklärung, was dieser beinhaltet - was auch nicht gerade zur Beruhigung beiträgt. Nicht auszudenken wäre dann ein Szenario, wenn der Bordcomputer zwei Unfallvarianten als Ausweg für ein selbstgesteuertes Kfz analysiert und entscheiden muss, ob der Mann rechts am Straßenrand oder die Frau mit Kind, die die Straße überquert, gerammt wird! Dann wird es ein ethisches Problem werden – wie die Gerichte in solchen Fällen entscheiden, ist dann offen. Oder sollte man die Grundsatzfrage stellen, ob man selbstfahrende Autos braucht? 

Günter Frank Messtechniker/Sensorik; Gilching

Zugegeben, Menschen machen Fehler. Und weil Maschinen und Roboter letztendlich doch von Menschen gemacht werden, sind sie auch vor Fehlern nicht gefeit. Warum dieser entrüstete Aufschrei bei dem Todesfall mit einem Roboter Auto? Es wird nicht der Einzige bleiben. Je mehr Technik und Elektronik verbaut wird - egal in welchen Geräten - desto anfälliger sind sie. Im Gegensatz zu einem von Menschen betriebenen Gerät kann die Maschine nur nicht umentscheiden, sondern entweder etwas tun wofür sie programmiert ist oder eben nicht. In einem Restaurant kann man ja auch nicht mehr eine Beilage einfach ändern wenn die Kasse auf bestimmte Zusammensetzungen eingestellt ist. Damit müssen wir scheinbar leben. Technischer Fortschritt geht leider oftmals zu Lasten von Flexibilität und Kundenfreundlichkeit oder Sicherheit. Und wenn wir immer mehr Technik wollen - ob wir sie brauchen sei dahingestellt - müssen wir eben auch die Nachteile in Kauf nehmen und nicht im Nachhinein wieder so tun als hätte das vorher niemand ahnen können. Das ist scheinheilig.

 Christiane Wittig Karlsfeld

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