Leserbriefe

Sprache des Herzens

Dirk Walter:Zefix, Bairisch ist in Gefahr;Kommentar 21. Februar

In einer Zeit, in der nicht nur die bairische Sprache vom Aussterben bedroht ist, sondern auch die deutsche Sprache immer mehr gefährdet ist, möchte ich an die so erfolgreiche Aktion von Hans Maier in den 80er-Jahren erinnern, der in den unter ihm neugestalteten Grund- und Hauptschullehrplänen die Mundart als wichtige Sprachform aufnahm. Dazu wurden Mundartgeschichten, Gedichte und Lieder als verpflichtend festgelegt. So waren in den damaligen Lesebüchern und audiovisuellen Lernmitteln sowohl Mundart als auch Mundartdichter allgegenwärtig. Zudem wurden Lehrer und Eltern in zahlreichen Beiträgen in Schreiben auf den Wert dieser Sprache des Herzens aufgeklärt und animiert, sie weiterzugehen. Ich bin stolz, Mitglied der zuständigen Kommission gewesen zu sein und viele der Verschläge in die Praxis umsetzen zu können. Leider wurden sehr bald diese Lehrpläne von einer späteren Kultusministerin reformiert bzw. entsorgt. Vielleicht sollte man sich wieder auf konkrete Möglichkeiten zur Rettung der Mundart besinnen und sich dagegen wenden, dass in der Regel in manchen Medien nur mehr in sogenannten Unterhaltungssendungen Bairisch in Form des Kracherten auftaucht.

Dr. Helmut Zöpfl

München

Vorab muss zu diesem sicherlich lesens- und bedenkenswerten Kommentar gesagt werden, dass „Zefix“ und „Host mi“ mit dem Bairischen ungefähr so viel zu tun haben wie ein Ochs mit dem Klavierspielen. Diese Ausdrücke gehören vielmehr zu den durch Außensichten entstandenen Klischees über unseren Dialekt. Auch die angesprochenen Anglizismen sind nichts Neues, denkt man an die das Bairische bereichernden französischen Ausdrücke aus der Napoleonzeit. Gelten nicht Wörter wie Plafond (Zimmerdecke), Plümoh (Bettdecke) und Trottoir (Bürgersteig) geradezu als Altmünchner Worte. Zu den wirklichen Gefahren für unsere Muttersprache zählt vielmehr die aggressiv vorpreschende Überflutung mit dem norddeutsch geprägten „Neusprech“, das über entsprechende Mitarbeiter inzwischen die hochdeutsche Sprache in allen Studios von Funk und Fernsehen zudeckt, nicht zu vergessen die Anreicherung mit Elementen aus einem großstädtischen Slang, von Köln über Hannover bis Berlin kommend. Dieser Neusprech wird etwas scheinheilig „Standarddeutsch“ genannt und sollte keinesfalls, wie in dem Kommentar, in eine Ebene mit dem Hochdeutschen gestellt werden. Drei Merkmale sind vor allem typisch für dieses Standarddeutsch: Da ist zunächst die falsche Betonung bei Lehnwörtern, im BR beispielsweise selbstverständlich geworden beim „Tunnel“ (aus dem Französischen Tonelle – Gewölbe). Statt der entsprechend hochdeutsch korrekten Aussprache „Tunell“ heißt es hier „Tunnl“, der „Allacher Tunnl“. Parallel müsste es, wäre das korrekt, auch „Kannl“ heißen, aber da sagt man ja noch „Kanal“, auch nicht „Juwwl“, sondern „Juwel“ und nicht „Korrn“ sondern „Koran“, nicht „Hottl“ sondern „Hotel“. Dann gehört dazu die falsche Betonung des Grundwortes anstelle des Bestimmungswortes bei zusammengesetzten Wörtern: Bürgermeisterzimmer statt korrekt Bürgermeisterzimmer; der zweiundzwanzigjährige Täter anstelle des korrekten Zweiundzwanzigjährigen. Ganz schlimm für das Hochdeutsche wird die hochsprachlich unmögliche Trennung der aufeinanderfolgenden Vokale bei Diphtongen (Zwielauten ai, au und eu), die ebenfalls, aus dem Norden kommend, Standard geworden ist. Während eine Trennung der Laute bei gleichlangen Vokalen (Zo-ologie, Fili-us, Nati-on) korrekt ist, gilt diese bei Zwielauten eben nicht, sonst läge der „Ba-yrische Landtag“ sprachlich auf der Grünen Insel, ähnlich der „Ba-yrische Rundfunk“. Doch aus den Lautsprechern von Funk und Fernsehen hörst Du auch in Bayern ausschließlich von der „Ukra//iene“, Gaslieferungen aus der Ukra-ine. Die „Oberkra-iner Musikanten“ lassen grüßen. Es gäbe noch viele Belege für diese sprachlichen Verhunzungen des Hochdeutschen, die ein falsches Deutsch bleiben und eine Beleidigung für unsere Muttersprache, auch wenn diese noch so gespuckt und geölt ins Mikrofon gehaucht werden. Norddeutscher Standardsprech hat trotz aller sprachlichen Fragwürdigkeit freilich dennoch seinen Platz in Reportagen und Interviews, ähnlich auch der Dialekt. Aber bei Ansagen und Nachrichten, den Visitenkarten der Sprechmedien, hat der Hörer einen Anspruch auf korrektes Hochdeutsch, vergleichbar einer korrekten Rechtschreibung in der Zeitung.

Helmut Schmidbauer Schongau

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