Schüttelreime à la Hendricks

Claudia Möllers: Niveaulos; Kommentar, Claudia Schuri: Neue Bauernregeln erzürnen Bauern; Bayern 6. Februar

Selbst ich als langjähriger bekennender Bioland-Bauer bin stinksauer und fühle mich von dieser „beknackten“ (Originalton Hendricks) Aktion diffamiert! Sie möchte eine Diskussion über die Zukunft der Landwirtschaft anregen, sagt Frau Hendricks. Das ist ja ein hohes Ziel, aber warum spricht die Dame dann nicht mit uns Landwirten, statt einen ganzen Berufsstand pauschal über einen Kamm zu scheren? Sie möchte niemanden beleidigen, sagt Frau Hendricks. 90 % der Deutschen haben keinen Bezug und kein Wissen über die Vielschichtigkeit der Landwirtschaft und uns Bauern. Da wird jeder Bauer, egal ob konventionell oder bio, ob Milch, Grünland, Acker, Schwein oder Hühner dem anderen gleichgesetzt. Frau Hendricks sollte sich lieber erst einmal mit ihren Kabinettskollegen zusammensetzten und überlegen wie man die Agrarsubventionen so einsetzen kann, dass, so wie hier bei uns, eine kleinstrukturierte, flächenbezogene Landwirtschaft ausgeübt wird. Ich hätte da schon ein paar gute Lösungsansätze, Stichwort: flächenbezogen, vielseitig, sozial und ethisch – aber mich fragt ja keiner. 

Thomas Köglsperger Deining

Das Bundesumweltministerium und seine Leiterin Frau Barbara Hendricks zeigen mit der Bauernregeln-Kampagne, dass sie das Problem in der modernen Landwirtschaft erkannt haben und prangern die Missstände an. Das ist gut so! Schlecht ist, dass sie trotz der erkannten Missstände nichts dagegen tun und nur kluge Sprüche klopfen. Das ist der eigentliche Skandal und deshalb muss die Ministerin umgehend zurücktreten und jemanden die Leitung übernehmen lassen, der handelt. Missstände zu kennen und nichts Wirkungsvolles dagegen tun ist unverantwortlich. 

Dr. Helmut Steinle München

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Laut Umweltministerin Hendricks gilt dies aber nicht für deutsche Bauern. In unerträglich populistischer Weise diffamiert und hetzt Umweltministerin Hendricks gegen deutsche Bauernfamilien. Hendricks Vorgehen gegen die deutschen Bauernfamilien lassen AfD-Äußerungen gegen Flüchtlinge wie Schmeicheleien erscheinen. 

Georg Haller Aschheim

Zu Hendricks Bauernregeln sag ich bloß, wie ist das eigentlich mit dem Kohle-CO2- Ausstoß? Wer sträubt sich da noch gegen die Energiewende, oh weh, sind das nicht die Lobbyisten und die alte SPD? 

Max Keil Puchheim

„Besser“ kann es für die SPD im Bund ja nicht laufen: Erst kommt der Hype um Schulz, dann mobbt Bundesministerin Hendricks gezielt Deutschlands Landwirte. Die Plakataktion ist eine komplette Blamage für Berlin und die SPD: Blinde Schwarzmalerei gepaart mit fachlicher Inkompetenz und bewusstem Mobbing eines ganzen Berufsstandes. Kein Wort über das gute Miteinander von Umweltschutz und Landwirtschaft, die es in vielen Regionen gibt. Wild Gift und Gülle spritzend: Es kommt mir vor wie ein Flashback in die 80er, nur kam da das wilde, unfachliche Gezeter von einer anderen politischen Farbe. Das Geld für diese Kampagne wäre viel besser für die Finanzierung von Hendricks lautstark geforderten „Landwirtschaft der Zukunft - ökologisch und gerecht“ aufgehoben gewesen. Wo sind denn Förderungen aus dem Bund, um landwirtschaftlichen Betrieben mit auf den sogenannten“umweltgerechten“ Weg zu nehmen? Jedes Jahr gibt es aber immer weniger Budget für Umweltmaßnahmen. Die Kosten in der Landwirtschaft (auch in der ökologischen) steigen, die Erlöserpreise sinken, geplante Baumaßnahmen werden verhindert und die Fremdfinanzierung ist ein Ritt auf dem heißen Vulkan. Von Idealismus, Luft und Liebe und platten Sprüchen- können auch wir auf dem Land nicht leben und das schlechte Image wird unserer Arbeit nicht gerecht. Liebe Frau Hendricks: Bitte bedenken Sie, dass der größte Teil Ihrer schützenswerte Umwelt kein Urwald ist, sondern Teil der Kulturlandschaft, die einst von Bauern geschaffen worden ist und noch immer durch gezielte naturschutzrechtliche Maßnahmen durch Landwirte erhalten wird. „Spricht die Hendricks von dem Bauer, kommt nur heiße Luft und Kalauer“. 

Dagmar Wagner Diplom-Agraringenieurin Kreuzholzhausen

Lustig sind sie ja schon, die neuen Bauernregeln aus dem Umweltministerium, wenn man nicht selbst betroffen ist. Wer marktwirtschaftlichen Gesetzen unterworfen ist und zahlreiche bürokratische Hürden von der Politik auferlegt bekommt, findet das niveaulos und empört sich wie die Spitze des Bauernverbands. Als Verbraucher ärgere ich mich über die 1,5 Millionen Euro für die geplante Kampagne. Aber noch mehr über die 70 Millionen, die Agrarminister Schmidt (CSU) für sein Tierwohl-Logo verbrät. Alles Steuergelder! Wer wirklich was verbessern will, schafft für regional erzeugte Lebensmittel vernünftige Rahmenbedingungen. Das wäre gut investiertes Geld und schafft Transparenz und Vertrauen, das wegglobalisiert wurde. 

Rainer Forster Kirchberg

Man kann die Kampagne des Bundesumweltministeriums sehen, wie man will. Für Aufmerksamkeit sorgt sie allemal. Ich verstehe die Aufregung nicht ganz. Abgesehen davon, dass der Politik auch eine Portion Humor ganz gut ansteht, empfinde ich die „neuen Regeln“ nicht als Verunglimpfung eines Berufsstandes. Von einem Image als Tierquäler ist dabei nach meinem Empfinden keine Rede sondern nur der Hinweis auf ein Bewusstmachen des Umgangs mit Tier und Natur. Wer nicht betroffen ist, muss sich den Schuh ja nicht anziehen. Und die anderen sollten eben mal drüber nachdenken was sie daran so betroffen macht. Vor allem Landwirtschaftsminister Christian Schmid sollte seine Politik überprüfen und sich fragen, warum der Unmut bei den Bauern und den Verbrauchern so groß ist. Gesunde Lebensmittel haben ihren Preis - es wäre schön, wenn das jeder weiß. 

Christiane Wittig Karlsfeld

Ich habe gerade Ihren Kommentar zur Plakatkampagne von Frau Hendricks gelesen. Vielen Dank für Ihren differenzierten Beitrag. Ich bin konventioneller Landwirt in Niedersachsen (ohne Viehhaltung) und führe unseren Betrieb ordentlich, regelkonform und nachhaltig. Das heißt: So wenig Dünger und Pflanzenschutzmittel wie möglich aber so viel wie nötig. Wir wollen unsere Gewässer schützen und nicht verschmutzen. Wir wollen unseren Boden schonen und nicht ruinieren. Kein mir bekannter ordentlicher Bauer quält sein Nutzvieh. Leidende Tier gehören absolut nicht zu unserem Selbstverständnis und bringen nebenbei auch keine wirtschaftliche Leistung. Der Boden und die Umwelt sind unsere Lebensgrundlage. Die platte und niveaulose Kampagne von Frau Hendriks diffamiert uns anständigen Bauern (die in der großen Mehrzahl sind) und stellt uns unter Generalverdacht. Wenn Polemik und Ideologie in der Politik und den Medien so weiter gehen und das Image der Landwirte stetig weiter sinkt, dann gehöre ich (40 Jahre alt) vermutlich zur letzten Generation bäuerlicher Landwirte. In diesem Umfeld kann ich meinen Kindern nicht empfehlen, sich dauerhaft als Landwirt in der Öffentlichkeit zerreiben zu lassen. Dann sollen die lieber etwas anderes machen und ein weniger angefeindetes Leben führen. Die Folge wird dann aber sein, dass die Strukturen immer größer werden, dass dann Firmen/ AGs/ möglicherweise Hedgefonds das Land übernehmen und den Ackerbau und die Viehhaltung weiterführen. Die haben dann mit Sicherheit keine Verbundenheit mehr zu Ihrer Scholle oder zu ihren Tieren. Denen geht es um Profit. Die haben auch eine andere Lobby und werden mit Sicherheit ihre Interessen besser durchsetzen als wir uneinigen Bauern. An denen können sich die Umweltverbände die Zähne ausbeißen. Ich kann mir in keiner Weise vorstellen, dass das Tierwohl und die Umwelt davon profitieren. Doch dahin treiben uns (ungewollt) die Ideologen, die permanent ein emotionsbasiertes Dauerfeuer auf die konventionelle Landwirtschaft abschießen. Ich bin für jede sachliche und faktenbasierte Diskussion zu haben. Ich stehe Veränderungen offen gegenüber. Ich sehe auch den Bedarf für Veränderungen und setze mich dafür ein. Ich beteilige mich aktuell mit unserem Hof an einem Verbund-Projekt (MEDIATE), das als Ziel hat, die Biodiversität in der Kulturlandschaft wieder zu verbessern, sodass es Bienen, Insekten, Pflanzen und Niederwildarten besser haben. Da mache ich gerne und überzeugt mit und nicht nur ich alleine, sondern viele konventionelle Landwirte, die einsehen, dass wir mitarbeiten müssen und alle an einem Strang ziehen müssen, um Veränderungen herbeizuführen. Wenn dann solche Kampagnen wie die von Frau Hendricks von MEINEN Steuergeldern gegen mich geführt werden, bekommt man echt zu viel und möchte am liebsten alles hinschmeißen. Noch eine kleine Anmerkung zur ökologischen Landwirtschaft: Ich stehe der ökologischen Landwirtschaft absolut offen gegenüber. Freunde von uns arbeiten ideologiefrei in der Branche und haben dort ihre Nische gefunden. Das ist klasse. Dass die ökologische Landwirtschaft das Allheilmittel für alle deutschen Bauern sein soll, ist absolut illusorisch. Ich habe von Landwirten gehört, die während der Milchkrise versucht haben, in die Bioschiene zu wechseln. Es gibt keine neuen Verträge für potenzielle Umsteller. Warum? Weil nicht genügend Nachfrage vorhanden ist. Die Ökoproduktion bewegt sich nach wie vor im einstelligen Prozentbereich. Wie soll es funktionieren, wenn alle konventionellen Landwirte nun (wie scheinbar von Frau Hendriks gewünscht) auf Ökoproduktion umstellen? Der Biomarkt würde preislich sofort zusammenbrechen. Die deutsche Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln ist bei Halbierung der Erträge nicht mehr gewährleistet. Die vorhandenen guten und klein strukturierten Bioproduzenten würden pleite gehen. Es würde dann wahrscheinlich wieder nur über die Größe der Betriebe gehen, sodass große Firmen auch diesen Markt über die Kostenschiene übernehmen würden. Ist das die richtige Richtung? Für mich nicht. Leider verfügen nicht alle Menschen (wie z.B. Frau Hendricks) über 5-stellige Monatseinkommen, um sich wirkliche Ökoprodukte leisten zu können. Es muss auch gute und dabei günstigere Lebensmittel geben. Die Qualität der konventionellen Produkte ist heutzutage auf einem nie da gewesenen Topniveau. Man kann doch nicht Ökoproduktion fordern, gleichzeitig aber die konventionelle Landwirtschaft über alle Kanäle versuchen zu zerstören, ohne einen funktionierenden Plan für die Zeit nach der konventionellen Landwirtschaft zu haben. Sowohl Öko als auch Konventionell produziert gesunde und qualitativ hochwertige Lebensmittel, die überprüft sind wie noch nie. BEIDES hat seine Berechtigung. Nochmals Danke, dass sie sich mit ihrem Kommentar für eine differenzierte Betrachtung der Situation einsetzen. Hoffentlich entspannt sich die öffentliche Diskussion um /gegen die Landwirtschaft irgendwann wieder. Wenn in Zukunft alle Entscheidungen nicht mehr faktenbasiert sondern nur noch über Emotionen gehen (siehe Trump, AFD oder auch die Polemik gegen Landwirtschaft) dann sehe ich schwarz für unser bestehendes Gesellschaftssystem. Dann schießen sich die nörgelnden Gutmenschen und Besserwisser (die leider viel zu wenig Ahnung haben von vielen Themen) auf lange Sicht ins eigene Knie. Falls sie mal zu landwirtschaftlichen Themen das Gespräch mit einem aktiven Bauern führen wollen, biete ich mich gerne an, um unsere Sicht der Dinge sachlich darzustellen. Ich spreche für keinen Verband. Ich spreche für meine Familie und für mich. Viele Grüße und weiter so. 

Jan Wiertzema Weyhe

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