Betreuungsgeld für Kinder zu Hause

Monika Reuter: „Warum keine Kopplung?“; Kommentar, und „CSU: ,Wir weichen kein Jota‘“; Politik 17. April

Es ist mir unverständlich, wie ein Arbeitgeberpräsident die Bemühungen um ein Betreuungsgeld ablehnen kann. Die Prägung und die daraus entstehende Sozialisierung der nachwachsenden Generation kann in den ersten drei Jahren keiner besser vollziehen als Eltern. Nestwärme, Geborgenheit, Urvertrauen kann nur zuverlässig in der Familie vermittelt werden. Wer arbeiten muss, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, hat keine andere Möglichkeit, als das Kind in eine Kinderkrippe zu geben. Diese Eltern haben mein vollstes Verständnis. Aber Eltern, die zugunsten ihrer Kinder zu Hause bleiben können und wollen, sollen belohnt werden. Wer glaubt, dass eine Erzieherin und eine Kinderpflegerin 25 Kinder in einer Kindergartengruppe ausreichend betreuen können – von Förderung will ich hier nicht mehr sprechen – irrt. Die derzeitigen Betreuungsmöglichkeiten sind mir aus beruflicher und persönlicher Sicht hinreichend vertraut. Kinder, die in einer intakten Familie geprägt wurden, können Herz und Verstand gut einsetzen und sind lebenstüchtig.

Michaela Heinz Gröbenzell

Die Idee, das Betreuungsgeld an die Wahrnehmung der Pflichtuntersuchungen zu koppeln (U1-U6 im ersten Lebensjahr, U7 ist erst Ende des zweiten Lebensjahrs), klingt eigentlich vernünftig. Wer sich im ersten Jahr schon nicht kümmert, verliert seinen Anspruch auf staatliches Anerkennungsgeld für die Erziehungsarbeit. Aber wo bleibt der Anreiz für die Eltern, die schon wissen, dass sie ihr Kind in die Krippe geben werden und sich deshalb für den beschleunigten Ausbau von Krippenplätzen einsetzen? Sollte hier nicht auch gelten: Wer sich im ersten Jahr nicht kümmert, gefährdet den staatlichen Krippenausbau, da nun für jedes Kind mit fehlenden Vorsorgeuntersuchungen 150 Euro pro Monat vom Krippen-Budget abgezogen werden. Dann hätten auch Arbeitgeberverbände und DGB, die sich in Sachen Krippenausbau so einig sind, einen Anreiz, sich auf die Freistellungszeiten zu einigen, die nötig sind, damit berufstätige Eltern die sechs Vorsorgeuntersuchungen auch wahrnehmen können. Oder die FDP könnte sich profilieren, indem sie sich für eine, dem Einzelhandel angepasste, Liberalisierung der Öffnungszeiten von Kinderarztpraxen in Ballungsräumen einsetzt. Werktags von 7 bis 20 Uhr, auch am Samstag. Das würde sogar Arbeitsplätze schaffen. Auf diese Weise bräuchte man mehr Kinderärzte und Arzthelfer/innen, für immer weniger Kinder. Und die brauchen dann wiederum Betreuungsplätze für ihre eigenen Kinder. Die günstigste Möglichkeit wäre, das Betreuungsgeld ohne Vorbehalte auszuzahlen zusammen mit einem Formular, dass es den betroffenen Eltern ermöglicht zu wählen, ob das Geld aufs eigene Konto geht oder zweckgebunden in die Gemeindekasse und dort zum Krippenausbau verwendet werden muss. Oder ist das zu viel Demokratie, wenn nur die, die es betrifft, nämlich die Eltern von Kleinkindern, direkt steuern dürfen, wie die Steuermittel fürs Betreuungsgeld verwendet werden? So könnten, mit einer reinen Gewissensentscheidung, ganz ohne Fraktionszwang zum Beispiel Frau Nahles und Frau Schröder und alle anderen, die das möchten, ihren Anteil der „Kita-Fernhalteprämie“ in eine „Kita-Aufbauprämie“ verwandeln. Leider ließe sich das Thema dann nicht mehr für Wahlkämpfe verwenden.

Angela Glombik München

Die Diskriminierung der Mütter, die ihre unter-drei-jährigen Kinder selbst betreuen wollen, muss ein Ende haben. Es ist nicht länger hinzunehmen, dass von den Gegnern des Betreuungsgeldes für Unter-drei-Jährige behauptet wird, Mütter könnten ihre Kinder nicht so gut fördern und erziehen, wie Angestellte einer Kita oder Krippe. Viele Mütter halten dies für eine Beleidigung und Diskriminierung – was es auch ist – und wehren sich gegen den Begriff „Herdprämie“. Viele heute ältere Frauen haben dafür gekämpft, dass Mütter die Wahl haben, zu arbeiten oder zu Hause zu bleiben und sind jahrzehntelang als „Rabenmütter“ beschimpft worden, wenn sie sich für die Berufstätigkeit entschieden haben. Ich persönlich habe dies alles am eigenen Leibe erfahren, da ich zwar drei Kinder habe, aber trotzdem immer berufstätig war – was sich durchaus oft als schwierig erwies. Ich habe aber nicht gekämpft, um nun miterleben zu müssen, dass Frauen wiederum unter Druck geraten – nur von der anderen Seite her; dass Geld, das Frauen helfen soll, ihre Kleinstkinder selbst zu betreuen, als „Herdprämie“ abqualifiziert wird, ist eine Unverschämtheit und zeugt von Ignoranz und Arroganz. Im übrigen kostet ein Krippenplatz ein Vielfaches der ausgelobten 150 Euro. Man könnte also Geld sparen und dies für andere Einrichtungen wie Kindergärten etc. ausgeben. Viel wichtiger als gegen das Betreuungsgeld zu sein, wäre, sich dafür einzusetzen, dass Frauen nach einer Kinderpause wieder nahtlos in den Beruf einsteigen können, und zwar auf dem Level, auf dem sie den Beruf verlassen haben. Staat und Stadt sollten da mit gutem Beispiel vorangehen und dafür sorgen, dass Kindererziehungszeiten voll umfänglich auf Rente oder Pension anrechenbar sind und dass die Beförderung während der Kindererziehungszeiten nicht eingefroren wird. Es ist nicht akzeptabel, dass Frauen immer unter Druck geraten, und zwar unter den Druck, der gesellschaftlich gerade „hip“ ist.

Ursula Sabathil München

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