Steinbrück und das liebe Geld

Es ist Herrn Steinbrück unbenommen, statt Bundeskanzler den Posten eines Sparkassendirektors in NRW anzustreben.

Ich glaube allerdings, dass es ihm da nicht durchgehen würde, seine Diensttermine zu schwänzen, um anderswo lukrativ dotierte Vorträge zu halten.

Arndt Galleithner Huglfing

Die SPD und ihr Problem-Peer: Bezieht Herr Steinbrück auch Redehonorare von der CDU in diesem Wahlkampf zur Aufbesserung seines mageren Einkommens?

Birgit Finsterwalder München

Realitätsverlust und grenzenloser Egoismus sind nicht untypisch für unsere Politiker. Und mit „verdient zu wenig“ hat Steinbrück sogar Recht, denn mit 25 000 Euro monatlich (inklusive Aufwandsentschädigung) kann man auch am Hungertuch nagen (aber kaum Sozialhilfe beantragen). Zur Ehrlichkeit fehlt ein wichtiger Zusatz: Der Politiker muss sich (wie viele andere) das, was er anderweitig erwirbt (verdient?), anrechnen lassen. Denn auch er kann nicht zwei Herren dienen. Deshalb ist es auch nicht uninteressant, wer bereit ist, für eine (vermutlich politisch nichtssagende) Rede 20 000 Euro und mehr auszugeben. Es sei denn, er ist vom Kassierenden abhängig oder berechnender Lobbyist. Wenn einer wie Steinbrück als politischer Karrierekandidat ohne praktische und „ehrliche“ Erfahrung in der realen Arbeitswelt solche Äußerungen sogar mit Unterstützung ebenso unerfahrener Sozialdemokraten wie Nahles macht, dann wunderts mich nicht, wenn die Piraten in die Parlamente kommen. F. J. Strauß hat’s vorgemacht, wie einer als Politiker reich werden kann. Seine Stiefkinder wie Steinbrück sind vielleicht zeitgemäßer, aber ob Egoismus und grenzenlose Gier uns kleine Bürger in eine glückliche Zukunft bringen, ist mehr als zweifelhaft. Und wenn politische Kandidaten den Boden unter den Füßen verlieren, wen soll ich wählen?

Anton Haslberger St. Wolfgang

Steinbrück und das liebe Geld – sehr viel Geld verdienen zu wollen ist ein legitimes Anrecht im Kapitalismus. Weshalb sich Steinbrück dann als Kanzler und nicht bei der Sparkasse oder der Deutschen Bank bewirbt, bleibt sein Geheimnis. Ist vielleicht die Gier nach Macht doch stärker als die Gier nach Geld oder braucht Steinbrück zwecks Beziehungsaufbau den Umweg über das Kanzleramt, um dann wie der Agenda-Schröder über einen seiner Freunde, den lupenreinen Demokraten Putin, an das ganz große Geld zu kommen? Steht uns nach dem Auto-Kanzler und Agenda 2010 der Banken-Kanzler und Agenda Raffgier 2013 bevor? Wer wird profitieren und wer verliert? Wie lautete der Spruch eines SPD-Genossen: Ihr habt mich gewählt, jetzt müsst ihr mich aushalten. Basta!

Peter Mühlberger München

Für Frau Merkel gibt es zurzeit wohl keinen besseren Wahlkampfhelfer als Peer Steinbrück. Steinbrück war es, der im Mai 2005 den Grundstein für Merkels Kanzlerschaft legte, und zwar als Folge seiner verlorenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen in Verbindung mit Gerhard Schröders ausgelöster Neuwahl zum Deutschen Bundestag. Aktuell hofiert der hochdotierte Rhetorik-Meister Frau Merkel mit neidvollen Worten. Ist er wissend, dass dies die schärfste Form der Anerkennung darstellt? Steinbrücks Aussage zum Kanzler(innen)gehalt im Vergleich zu von dessen Sparkassendirektor(inn)en ist für sich gesehen eine reine Tatsachen-Nennung. Vergleichen wir mal Verantwortungen: Wenn ein Busfahrer während seiner Arbeit ein paar Sekunden schläft, geht es um Menschenleben. Wenn ein Bundeskanzler oder ein Bank-/Sparkassendirektor in seinem Büro eine Stunde lang schläft, ist danach nichts passiert.

Steffen Schimf Moosburg an der Isar

Nicht zu fassen, wie unbedarft große Teile der deutschen Menschheit sind: Jetzt hackt man schon wieder auf dem Steinbrück herum wegen seines Tadels am Kanzlergehalt! Erstens: Durch seine Kritik daran trägt er doch dazu bei, dass Frau Merkel künftig mehr Euros im Monat bekommt. Dass der schneidige SPD-Kandidat mal selbst davon profitieren könnte, wird in bewährter Weise seine eigene Partei zu verhindern wissen. Zweitens: Herr Steinbrück hat absolut Recht, wenn er feststellt, dass Sparkassendirektoren deutlich mehr verdienen als Angela Merkel zur Zeit. Verständlich, denn die müssen schließlich für krasse Fehlentscheidungen persönliche Verantwortung übernehmen und nicht selten dafür auch finanziell geradestehen, wenn’s richtige Sparkassendirektoren sind. Bundeskanzler dagegen brauchen dies nicht zu tun, selbst wenn deren Fehlgriffe die deutsche Menschheit Milliarden kostet! Gemessen allein an dem wären selbst 100 000 Euro Jahresgehalt noch zu viel. Ich kenne nicht wenige, die würden das Bundeskanzlergeschäft auch für 2000 Euro pro Monat machen.

Uwe Schmidbauer Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Man sollte gerade als Kanzler immer bemüht sein, die Nähe zur Bevölkerung zu pflegen und für ihre Worte ein Gehör haben. Die Vergütungen für einen Kanzler sind im Rahmen und man sollte eigentlich im Monat über die Runden kommen können. Das Problem liegt doch in den Vergleichszahlen eines Sparkassendirektors in Nordrhein-Westfalen. In einer Zeit, wo die Eurokrise noch lange nicht überwunden ist, wo, wie am 28. Dezember 2012 von Ihnen berichtet, ich zitiere: Vier Jahre nach Auflage des Rettungsfonds Soffin stützen Deutschlands Steuerzahler Banken noch immer mit Milliarden – da sei doch die Frage erlaubt, wann endlich mal die Vergütungen der Sparkassendirektoren überdacht werden. Da liegt doch das Problem, dass in diesen Bereichen Vergütungen erfolgen, die mit Leistung und Erfolg nichts mehr zu tun haben. Ich als kleiner selbstständiger Handwerksbetrieb bekomme keine Stützen, wenn die Kasse leer ist, so wie jeder andere, der auch sehen muss, wie das tägliche Pensum geschultert werden kann. Wann endlich erfolgt hier mal ein konsequentes Durchgreifen der Verantwortlichen, denn über das Aufkommen der Steuerzahler entscheiden die Verantwortlichen in Berlin und Brüssel, dann muss es auch an der Zeit sein, diese Bankenkreise und ihre Vergütungen zur Verantwortung zu rufen. Volkswirtschaftlich gesehen reinigt es den Markt, wenn eine Bank abgewickelt wird, und ich bitte abschließend auch daran zu denken, dass über dpa am 12. Dezember 2012 um 12.08 Uhr gemeldet wurde, ich zitiere: Fahnder durchsuchen Deutsche Bank.

Georg Schöppner München


„Steinbrück: Kanzler sind unterbezahlt“; Politik 31. Dezember/1. Januar

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