Wo steht die Bundeswehr?

Bundeswehr durchsucht Kasernen; Politik 8. Mai, Von der Leyen entschuldigt sich; Titelseite, Georg Anastasiadis: Rückzug; Kommentar, Führungsproblem an der Spitze; Leserforum 6./7. Mai

Ich bin ganz bestimmt kein Befürworter von Nazis oder ähnlichem, finde aber diese Diskussion und die Äußerung der Verteidigungsministerin „Deutschland/Bundeswehr ist nicht die Wehrmacht“ eine Zumutung und Beleidigung unserer Väter. Die Wehrmacht war nicht die Führungsriege, sondern Millionen von armen Hunden – Soldaten, die in den Krieg geschickt wurden, und um ihr Leben daheim zu retten, auch gingen. Es waren unsere Väter und ob sie nun bei der Wehrmacht oder sonst wie genannten Soldateneinheit für ihr Vaterland kämpften und millionenfach ihr Leben ließen, Waisen und Witwen hinterlassen haben, sie alle waren Menschen in der Wehrmacht. Ich habe immer noch die Worte der Erzählungen meines Vaters im Ohr, wenn er von den Jahren als Soldat, nicht verherrlichend, sondern sicher auch zur eigenen Erlebnisaufarbeitung in Russland, Frankreich und Deutschland erzählt hat und ihm dabei die Tränen gekommen sind. Er war Deutschland, er war Wehrmacht, er war mein Vater und den lasse ich mir von einer 1958 geborenen Ministerin nicht beleidigen. 

Manfred Bock Ottobrunn

Herr Anastasiadis meint, dass es bei der Bundeswehr wie in jedem Teil der Gesellschaft rechte Spinner gibt und man deswegen den Fall nicht so hoch hängen sollte. Dies ignoriert den speziellen Charakter der Bundeswehr und des Militärs. Anders als andere Teile der Gesellschaft sind Militärs bewaffnete Einheiten, die Zugang zu Sprengstoff, Panzern, Kampfflugzeugen und sonstigen Waffensystemen haben, sowie auch in strategischem und operativen Denken ausgebildet sind. Schon Mao Zedong war der Ansicht: „Die Macht kommt aus den Gewehrläufen“.Von daher sollte man dem Militär auch besondere Aufmerksamkeit schenken, da es im Ausnahmefall die entscheidende Größe bei Machtfragen sein kann. Die Militärputsche in Griechenland, der Türkei, Spanien (Generalisimo Franco) oder die Nelkenrevolution 1974 in Portugal zeigen dies. Auf der linken Seite vergesse man auch nicht die Arbeiter- und Soldatenräte der Bolschewiki. Man stelle sich auch vor, dass Franco A. mehrere Oktoberfestattentate ausgeführt hätte mit Hunderten von Toten, die er dann Flüchtlingen, Islamisten oder Linken in die Schuhe schieben wollte. Oder man stelle sich bewaffnete Tornados über oder Panzer vor dem Kanzleramt oder Bundestag vor. Rechtsradikale Zellen und Umtriebe in der Bundeswehr sind daher sehr ernst zu nehmen. Man vergesse auch nicht, dass Hitler ein Reichswehrspitzel unter dem Führungsbefehl seines Vorgesetzten Meiers war, der diesen in eigenen Reichswehrkursen schulte, bis dieser dann die NSDAP gründete und zusammen mit General Ludendorff den Hitlerputsch 1923 versuchte. Bezeichnend etwa ist, dass Rechtsradikale wie Jürgen Elsässer in seinem Compact-Magazin in einem offenen Brief zur offenen Rebellion der Bundeswehr gegen Merkel während der Flüchtlingskrise aufrief. Auch an der Bundeswehruni Neubiberg gelang es der rechtsradikalen Jungen Freiheit einen rechten Zirkel um das Bundeswehroffiziersmagazin CAMPUS aufzubauen. Von daher ist von der Leyens Vorgehen sensibel und berechtigt. 

Ralf Ostner Murnau

Mit ihrem Frontalangriff auf die Bundeswehr und ihre Soldaten hat Frau von der Leyen erneut bewiesen, dass sie in dreieinhalb Jahren nicht gelernt hat, wie Soldaten ticken. Sie akzeptieren Kritik, wenn sie berechtigt ist und hinter verschlossenen Türen erfolgt. Eine öffentliche pauschale Schelte wie „fehlender Korpsgeist“ und „Haltungsprobleme und Führungsschwäche auf verschiedenen Ebenen“ lässt jegliche Empathie für die über 170 000 Soldaten, die ihren Dienst ordentlich machen, und jegliche Selbstkritik vermissen. Die Frage „Was habe ich falsch gemacht?“ gibt es für sie offenkundig nicht. Mit ihren Pauschalvorwürfen hat sie selbst die aus der Reserve gelockt, die bislang überaus wohlwollend auf ihre Mätzchen reagiert haben – wie der Wehrbeauftrage des deutschen Bundestages, der Bundeswehrverband und der verteidigungspolitische Sprecher der SPD. Diese haben mit ihrer Feststellung Recht, dass die Ministerin nach dreieinhalb Jahren für die Bundeswehr und ihre Soldaten ein hohes Maß an Verantwortung trägt. Sie kann nicht alles auf ihre Vorgänger schieben. Sie beklagt die Führungsschwäche. Dabei hat sie noch im Weißbuch 2016 das Ende der „Führung von oben“ als überholt bezeichnet und für die „Führung aus der Mitte“ geworben – was immer das sein mag. Für ihrem erneuten Fehlgriff haben Soldaten eine harte Bewertung: Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken. Sie hat den Posten der Verteidigungsministerin der Kanzlerin abgetrotzt. Sie sah dort ein Sprungbrett für höhere Weihen. Jetzt hat sie selbst den Schleudersitz ausgelöst – ohne Fallschirm. Sie hat bewiesen, dass sie nicht in der Lage ist, ein so schwieriges Ministerium zu führen. Sie hat es von Beginn an versäumt, ein kompetentes Team zu bilden mit Fachleuten, die das Ministerium und die Bundeswehr und ihre Soldaten kennen – und mögen. Die Kanzlerin trägt eine große Verantwortung für die Auswahl ihrer drei Verteidigungsminister und einer Ministerin, die alle auf verschiedene Weise ihrer Aufgabe nicht gewachsen waren. Das schlechte Image der Bundeswehr durch die stark geschwächte personelle und materielle Einsatzbereitschaft haben die Kanzlerin und die drei Minister – plus einer Ministerin – zu verantworten. An erster Stelle ist die unvorbereitete und sachlich nicht gebotene de facto Abschaffung der Wehrpflicht zu nennen. Für die Bundeswehr und ihre Soldaten ist zu hoffen, dass sie nach den Bundestagswahlen einen Oberbefehlshaber bekommen, der den Erfolg der Bundeswehr und ihrer Soldaten wichtiger nimmt als seine eigenen politischen Ambitionen. Er muss durch sein Vorbild die „Führung von oben“ praktizieren können – mit einem ausgesuchten Team. 

Dieter Farwick Brigadegeneral a.D. Sigmaringen-Laiz 

Es geht nicht nur „um eine Nummer kleiner“, sondern auch um das jahrelange unsägliche Geschwätz über „Wie viel Wehrmacht steckt in der Bundeswehr?“ Frau von Frau von der Leyen hat jetzt diese jahrzehntelange schlimme Tradition in dieser Debatte auf die Spitze getrieben und das bei völliger Unkenntnis von der Geschichte der Wehrmacht und auch der Bundeswehr. Die Wehrmacht in ihrer Ausbildung, Organisation und Führung war zu ihrer Zeit weltweit ein Vorbild. So hat die US-Army 1933/34 die von General Ludwig Beck herausgegebene Heeresdienstvorschrift „Die Truppenführung“ vollständig übernommen und in ihrer Organisation eingeführt. Der Chef der Operationsabteilung der US-Army General Albert C. Wedemeyer, später verantwortlich für die Planung der Invasion 1944 in der Normandie, hat 1936/37 an der Kriegsakademie in Berlin den Kurs für hohe Generalstabsoffiziere der Wehrmacht absolviert. Das 1937 erschienen Buch von Erwin Rommel „Infanterie greift an“ wurde in mehrere Sprachen übersetzt, sogar ins Hebräische. Die gefleckten Kampfanzüge, die heute in jeder Armee der Welt Standard bei der Bekleidung sind, wurden zuerst von der Wehrmacht eingeführt und die modernen Stahlhelme für die Soldaten sind in ihrer Formgebung den Wehrmachtshelmen sehr ähnlich - wobei daran zu erinnern ist, dass dieser Stahlhelm im Ersten Weltkrieg eingeführt wurde, also kein „Nazi-Symbol“ ist. Die Bundeswehr wurde 1950 auf Weisung des Bundeskanzlers Konrad Adenauer in einer Tagung im Kloster Himmerod/Eifel konzipiert. Die Tagungsteilnehmer waren ausschließlich ehemalige hochrangige Wehrmachtsoffiziere. Die Wehrmacht war also in der Organisation, Führung, Ausbildung und Kampfkraft international angesehen, wirkungsmächtig und „traditionsbildend“,bis in die Gegenwart hinein. In ihrer Pauschalität im Urteil hat Frau von der Leyen bewiesen, wie inkompetent sie für das Amt ist. Darüber hinaus hat sie auch ihre Fürsorgepflicht gegenüber den Soldaten verletzt. Diesen Fall um den es hier geht, hätte sie sofort an das Truppendienstgericht zur Klärung weiterleiten müssen, auch wenn die Opposition noch so schreit. Sie hat sich aber nicht vor ihre Soldaten gestellt, sondern sie von hinten angekeift. Frau von der Leyen ist als Bundesministerin für Verteidigung eine Fehlbesetzung und eine schwere Belastung. Sie muss sofort entlassen werden! 

Reinfried Brunsch Freising

Eine Armee braucht Tradition und Vorbilder. Ohne die geht es nicht. Die Bundeswehr braucht Vorbilder deutscher Soldaten. Aus dem I. oder II. Welt-Krieg? Ich würde sagen - rein technisch gesehen - aus dem II. Weltkrieg. Nur die Widerstandskämpfer oder andere Helden der Wehrmacht? Ich stehe voll und ganz hinter Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg und hinter Generalfeldmarschall Rommel Es war der größte Fehler der deutschen Politik, der gesamten Wehrmacht jeglichen Vorbildcharakter zu nehmen und sie zu einer kriminellen Vereinigung zu stempeln. 

Hubert Hornberger München

Tatsächlich scheint es nach der öffentlichen Berichterstattung so, als wäre die gesamte Bundeswehr ein Hort rechtsradikaler Gesinnungsgenossen! Dagegen gehen Medien und Politik überfallartig vor und erwecken dadurch den Eindruck, als gebe es nur die Gefahr von rechts. Hier wird pauschaliert und eine gesamte demokratische Einrichtung unter Generalverdacht gestellt. In dieser Taktik steckt nicht nur die deutsche Gründlichkeit, gerne ins Hysterische abzukippen, sondern die schamlose Nutzung der Möglichkeit, von anderen schwerwiegenderen politischen Fehlern abzulenken. Während über eine angebliche Rechtsradikalisierung in der Bundeswehr diskutiert wird, verlieren wir das Augenmerk darüber, dass Tausende unkontrolliert in unser Land einreisen konnten und sich weitere Tausende mit falschen Identitäten hier aufhalten können. Das ist das eigentliche Sicherheitsproblem in unserem Land und nicht ein Bundeswehrangehöriger, der den Beweis erbracht hat, wie schlampig und nachlässig unsere Ausländerbehörden bei der Prüfung der Asylanträge arbeiten. 

Johann Neumeier Unterammergau

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