Leserbrief

Keine Hektik

Christian Deutschländer:Söder ermahnt CDU:Lähmt das Land nicht;Politik 20. Februar

Zurzeit scheut die CDU Neuwahlen, die im Bund und in Thüringen immer wieder diskutiert werden, wie der Teufel das Weihwasser. Sie sieht sich wegen der personellen Machtkämpfe innerhalb der Partei und der schier ausweglosen Situation in Thüringen bei den Wählern in einem großen Tief - eine realistische Einschätzung. Die Stimmungslage in der Bevölkerung wird sich aber nach meiner Einschätzung wegen der wirtschaftlichen Entwicklung in den nächsten Monaten und Jahren trotz aller Beschwichtigungsversuche erheblich ändern. Die Automobilindustrie, bei uns eine tragende Säule, steckt mitsamt ihren Zulieferern in einer tiefen Krise. Zehntausende Arbeitsplätze fallen weg. Das Gleiche gilt für die Banken. Die Negativzinspolitik der EZB macht die Banken kaputt. In Konkurrenz zueinanderstehende Banken schließen sich zusammen, um gemeinsam noch eine Filiale unterhalten zu können. Die Märkte werden weltweit von chinesischen Billigprodukten überschwemmt. Die schwindende Konkurrenzfähigkeit wird zum Problem. Hinzukommen Einschränkungen der Handelsfreiheit durch die Verhängung von Strafzöllen. Hier werden wir nach den nächsten Präsidentschaftswahlen in den USA eine V erschärfung erfahren. „1000 Jobs weg bei Wacker Chemie“, „Krauss Maffei baut 430 Arbeitsplätze ab“, „Personalabbau bei Airbus nur ein Vorgeschmack“, „Real wird zerschlagen: Bangen um Filialen“, um nur ein paar Überschriften aus dem Merkur der letzten Tage zu zitieren. Bis zur nächsten Bundestagswahl wird sich nach meiner Befürchtung der wirtschaftliche Abschwung soweit manifestiert haben, dass der Ernst der Lage auch von breiten Bevölkerungsschichten wahrgenommen wird. Da muss man nicht unbedingt den Crash-Propheten auf YouTube folgen. Wenn das Volk merkt, dass die Hütte brennt, schwindet schnell die Sehnsucht nach ideologischen Spinnern. Dann wünscht man sich auch keinen friesischen Philosophen als Kanzler. Die Rekordjagd bei Gold als sicherem Werterhalt kommt nicht von ungefähr. Die Zeit bis zur nächsten Wahl dürfte meines Erachtens für Friedrich Merz arbeiten, dem die größere wirtschaftliche Kompetenz zugeschrieben wird. Was den politischen Sachverstand anbelangt, sähe ich aus meiner Froschperspektive allerdings Norbert Röttgen vorne. Einen Karnevalsjecken jedenfalls könnten wir entbehren. Meine Empfehlung an die CDU/CSU: keine Hektik! Bis Herbst 2021 sieht die Lage bestimmt anders aus.

Winfried Mayer

Seefeld

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