Ein Schenkelklopfer

Kretschmann, Spahn, Seehofer als Jamaika- Erkunder; Politik 11. Oktober

Hat ein Unternehmen abgewirtschaftet, verschwindet es entweder ganz vom Markt oder wird grundsaniert und – sofern erfolgversprechend – mit neuer Unternehmensstrategie wieder in den Markt gestellt. Von dieser absoluten Normalität scheint man aber in der Politik noch nichts gehört zu haben. Im Gegenteil, meine CSU ignoriert völlig, dass ihre Koalition mit dem Bürger genau von diesem (mangels erkennbarem Programm) zweistellig abgestraft wurde. Man hat offensichtlich immer noch nicht erkannt, dass markige Sprüche allein – auch wenn man sie gebetsmühlenartig wiederholt – dem Wähler nicht mehr reichen. Er hat längst durchschaut, dass man, wenn es dann zum Schwur kommt, regelmäßig sehr schnell ganz anderer Meinung ist, um seinen Platz am steuerfinanzierten Fresstrog und damit Macht zu sichern. Ein absoluter Schenkelklopfer für mich war das öffentlichkeitswirksame Abklatschen der Politgrößen Scheuer und Dobrindt. Ich kann diese durchsichtige Demonstration nur so interpretieren, dass die beiden selbst nicht verstanden haben, was sie im Ergebnis wirklich verhandelt haben (Merkel und die Rest-Jamaikas sehr wohl). Jedenfalls kann ich nach bisherigem Stand nicht erkennen, dass die CSU-Kernforderung „ohne Obergrenze keine Koalition“ auch nur annähernd erreicht wurde. Im Gegenteil, man hat sich, wie so oft schon, bereits im Vorspiel in Bettvorleger-Manier vor Angela gelegt. Aus einem durchlässigem, flexiblen Richtwert wird auch mit allen nachträglichen rhetorischen Klimmzügen keine alternativlose Obergrenze. Liebe CSU, Koalition mit dem Bürger geht anders. Probiert es einfach mal mit den Themen (Pflege, Alters-/Kinderarmut, Umwelt und Natur, Landwirtschaft und gesunde Lebensmittel), die den Bürgern tatsächlich auf den Nägeln brennen. Das geht aber, wie auch in der Wirtschaft üblich, nur mit neuen Leuten, die die neue Unternehmensstrategie verstehen, leben und konsequent umsetzen. Wird das nicht endlich kapiert, wird sich die Bundestagswahl für die CSU im Herbst 2018 wiederholen. Wollen Sie das wirklich?

 Franz Knossalla Obersöchering

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