Unerträgliches Polit-Kasperltheater

Söder lobt Attacke auf Seehofer; Titelseite, Christian Deutschländer: Ursache und Wirkung; Kommentar, Der Aufstand von Erlangen; Politik, Dies ist definitiv der dümmste Zeitpunkt von allen; Leserforum 6. November

Das ist ja an politischer Unfähigkeit kaum mehr zu überbieten, was Teile der CSU und JU derzeit auf der Politbühne aufführen. Gerade bei anscheinend sehr schwierigen Jamaika-Verhandlungen, die sich im Übrigen niemand gewünscht hat außer den Grünen, jetzt den Verhandlungsführer und Partei- und Landeschef abzuschießen. Glückwunsch, liebe CSU, gutgemacht, so verliert man sicher die absolute Mehrheit. Ein FJS würde sagen: alles geistige Politzwerge! 

Bernhard Heidl Miesbach

Der dümmste Zeitpunkt für den Aufstand der Jungen Union gegen unseren Ministerpräsidenten Horst Seehofer ist wirklich gerade jetzt während der Koalitions-Verhandlungen, wo er die volle Unterstützung brauchen würde, um für Bayern das beste Ergebnis zu erzielen. Markus Söder unterstützt wohlwollend diesen Aufstand, denn für ihn ist es jetzt der wirkungsvollste Zeitpunkt. So drängt sich der Gedanke auf, dass auch für ihn – ähnlich wie bei jedem Politiker – an erster Stelle sein eigenes Wohl steht und erst sehr viel später das Wohl des Landes, das er zu vertreten vorgibt. 

Dieter Haberl Eching

Die Schlussfolgerung im Leserbrief von Frau Sabathil teile ich voll. Nicht jedoch, dass sie die „hirnlose JU“ dafür verantwortlich macht. Für mich liegt die Verantwortung für den Niedergang der CSU vor allem im unerträglichen Polit-Kasperltheater der letzten zwei Jahre (Flüchtlingspolitik, Seehofer-Nachfolge, diverse populistische Merkel-Provokationen etc.) und der Haudrauf-Politik, die überwiegend nur zum leisen Rückzug geführt hat (Verfassungsklage, Obergrenze, lächerlicher Schmusekurs vor der Bundestagswahl etc.). Und jetzt sagt der Ministerpräsident auch noch seinen Auftritt beim JU-Delegierten-Treff ab. Warum wohl, welch ein Kardinalfehler. Ich habe jedenfalls volles Verständnis für die JU und ihr Handeln. Auch wenn Herr Söder sagt, „wir haben verstanden“, ist genau dies für mich nicht erkennbar. Im Gegenteil, es wird seit dem Wahldebakel unverändert – aktuell auch wieder in Berlin – weiter gewurschtelt. Das weiß natürlich auch die JU und will dies, wenn auch sehr spät, mit ihrem Einfluss beenden. Letztlich geht es auch um ihre politische Zukunft, die sie zu gestalten und verantworten hat. Dafür wünsche ich ihnen und der CSU Erfolg, eine glückliche Hand und insbesondere ein erkennbar Zukunft gerichtetes Programm. Dies allein bringt das verlorene Vertrauen und die abtrünnigen Stammwähler zurück. 

Franz Knossalla Obersöchering

Ob zwar seit über 40 Jahren Mitglied in der CSU, folge ich in einigen wichtigen Fragen nicht der Politik Seehofers. Doch der unanständige Aufstand der Jungen Union gegen ihn lässt mich erschrecken. Geht’s noch dümmer? Den erfahrenen Frontmann der CSU in den schwierigen Berliner Verhandlungen so zu demontieren? Wenn diese nachfolgende Generation einmal in der CSU das Sagen haben und Bayern mit dieser Art von politischer Klugheit und in diesem miesen Stil Bayern regieren sollte, kann einem angst und bange für unser Land werden. 

Peter Maicher Zorneding

Bayern ist ein Meister bei Absetzungen von Ministerpräsidenten. Bayern ist geschichtlich gesehen auch stets Meister bei Kaiser- oder Königsabsetzungen oder Entmündigungen gewesen. Bei Ludwig I. schiebt man stets den Fall Lola Montez vor, um dessen Abdankung zu rechtfertigen. Bei Ludwig II., seinem Enkel, die Königs-Schulden beim Bau der Schlösser, die nie staatliche Belastung waren, sondern ganz privat, jedoch fast 100 Jahre dafür die Entmündigung rechtfertigen glauben zu müssen. Und bei Ministerpräsident Seehofer – was ist da wirklich die Schuld, dass sich die JU aufführt wie Minderjährige, wie Halbstarke! Frau Dr. Merkel, falls sie noch Kanzlerin wird, eine widerliche Tortur, die uns beschämt, was man alles gewählt hatte, ist die Quittung und wird kaum besser bei einer Neuwahl, die man hoffen sollte. Letzte Frage: Was verursacht, was begründet die Rücktrittsforderung Seehofers? Sollte er zurücktreten, trete ich aus der Partei aus, was als Ehrenbezeugnis für ihn sein sollte. 

Hannes Heindl Freising

„Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab“, lautet eine Weisheit der Dakota-Indianer. Sie ist eine Metapher und bedeutet, nicht im Sattel zu bleiben, weil das tote Pferd den Reiter nicht mehr weitertragen wird. Seehofer wird es deshalb nichts mehr nützen, das tote Pferd als alternativlos zu sehen oder es reanimieren zu wollen. Wer sich so häufig wie der Ministerpräsident mit einem Pferd in morastiges Gelände begeben, dort viel zu oft Wendungen um die Hinterhand im Galopp vollzogen und dabei häufig auch Partei und Parteifreunde über den Haufen geritten hat, versteht nicht viel von Pferden. Ministerpräsident Seehofer muss wegen dem unchristlichen und unsozialen Verhalten seiner Christlich Sozialen Union und ihrer Doppelmoral für sich erkennen, dass er nach den Sondierungsgesprächen und Koalitionsverhandlungen wirklich absteigen sollte. Was sich momentan in der CSU abspielt, ist wie Krieg ohne Blutvergießen. Die Partei verfährt, wie so häufig, wenn sie ihre Vorsitzenden und Ministerpräsidenten meuchelt, nach dem Motto von Donald Trump: „Ich habe keine Zeit für Political Correctness.“ Die CSU wird für dieses widerlich wirkende Schauspiel bei den Landtagswahlen im kommenden Jahr die Quittung erhalten. 

Herbert Hartmann Oberhaching

Herr Söder steht zufrieden am Rand und lächelt in sich hinein, daneben seine, ja man möchte fast schon sagen, hörigen Jünger. Dieses Bild erinnert aber in keiner Weise an eine Bibelszene, vielmehr an eine Kundgebung der AfD. Große Teile der JU waren wohl eher dankbar, als verärgert, dass Herr Seehofer nicht zu dieser Veranstaltung kam. Jetzt konnte man ungeniert die vorbereiteten Söder-Schilder schwenken und zugleich dem potenziellen Nachfolger huldigen. Diese JU soll eine wichtige Säule der CSU sein? Wohl eher ein fränkischer Ableger von Söder, der sich für seine Zwecke hervorragend instrumentalisieren lässt. In Berlin versucht die CSU mit den jeweiligen Parteien einen Koalitionsvertrag auszuhandeln und zuhause benimmt sich die JU wie ein undisziplinierter Haufen, der die Zeit bis zum Landesparteitag nicht mehr abwarten kann oder will. Cui Bono, wem nützt das? Herr Söder lobt die Attacken auf Seehofer, anstatt die Hitzköpfe der JU einzubremsen und sie zur Ordnung zu rufen. Ich war immer ein Befürworter von Herrn Söder und auch von seinen politischen Aussagen, aber mit dieser Aktion hat er über das Ziel hinausgeschossen. Wenn die Führer der JU ein wenig politische Bildung hätten, dann sollten sie sich mal erinnern an die Causa Stoiber/Beckstein/Huber, wer hat damals den Kürzeren gezogen? Wenn unsere künftige Landesregierung so ausschaut wie die Helden der JU, dann muss ich mir überlegen wo ich bei Landtagswahl mein Kreuz mache. 

Josef Reischl Schwabhausen

Dümmer als die AfD benimmt sich die Junge Union während der Koalitionsgespräche mit unübersehbaren Folgen. Und Söders Intelligenz wird auf dieser Veranstaltung sichtbar von seinem Machtanspruch überlagert, was ihn nicht gerade zum Kassenschlager vor anstehenden Neuausrichtungen in der CSU macht.

 Max Wagner Lenggries

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