Die CSU versündigt sich an den geflüchteten Menschen

Katrin Woitsch: Unfaire Abrechnung; Kommentar, Popularklage gegen „Mietwucher“; Bayern 17. April

Als ehrenamtliche Betreuerin von vielen Pakistanern bin ich schier am Verzweifeln. 311 Euro monatlich für ein Bett in einem 6er Container mit winziger Dusche, Toilette und Küchenzeile, das entspricht einer Miete von circa 38 Euro pro Quadratmeter. Überwiegend sind diese jungen Männer zu uns gekommen, um zu arbeiten und ihre Familien zuhause zu unterstützen. Fast keiner von ihnen plant, sich in Deutschland für ewig festzusetzen. Sie wurden in ein Asyl-Verfahren gedrängt, von dem Sie zuvor nie etwas gehört haben. Sie haben bzw. hätten hier alle eine gute, sozialversicherungspflichtige Arbeitsstelle gehabt - wäre nicht von einem Tag auf den anderen für viele ein Arbeitsverbot verhängt worden. Jetzt bekommen sie vom Sozialamt rund 320 Euro, davon sollen Sie nun rückwirkend für jeden Monat 311 Euro Unterbringungsgebühren bezahlen. Wer nicht täglich mit diesen und ähnlichen Dingen konfrontiert ist, kann sich den Irrsinn nicht vorstellen - bergeweise Bescheide und Mahnungen in Beamten-Deutsch, das schon ich als Deutsche kaum verstehe, geschweige denn ein Fremder. Landrat Roth rechnet laut Interview mit dem Merkur (28. Dezember 2017) mit einer Million Euro Überschuss aus der Container-Vermietung - pro Jahr! Nach meinem Empfinden ist das eine zutiefst unmoralische Denkweise! Nicht jeder Flüchtling kann sich einen Rechtsanwalt leisten, manche haben auch gar keinen Betreuer, der ihnen die Sachlage überhaupt erklären kann. Um das ebenfalls klar zu stellen: Ich bin keineswegs dafür, dass jemand, der Geld verdient, keine Miete zahlen soll. Es geht mir vielmehr um die unangemessene Höhe der angesetzten Mietzahlung und den fragwürdigen Gegenwert. Vor allem geht es mir aber auch darum, dass man den Menschen eine Arbeitsgenehmigung geben sollte, vor allem, wenn ihre Arbeitskraft hier bereits von vielen Stellen sehr geschätzt wurde. Jetzt sitzen hier jeweils sechs erwachsene Männer sehr beengt in kleinen Containern, Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat. Da mag es nicht mehr wundern, wenn es irgendwann zu Ärger kommt, zu Aggression oder dummen Gedanken. Die CSU versündigt sich an den geflüchteten Menschen, an uns Steuerzahlern und an den vielen Arbeitgebern, die händeringend Arbeitskräfte und Auszubildende suchen. Mein Appell: Lasst die Leute arbeiten, gebt ihnen soweit möglich eine gute Ausbildung, das ist die effektivste und billigste Entwicklungshilfe überhaupt. Es ist außerdem gut für unseren Arbeitsmarkt, unsere Sozialkassen und unseren guten Ruf in der Welt! Lasst sie in den Containern zu einem angemessenen Preis wohnen und lasst sie dann nach ein paar Jahren wieder nach Hause gehen! Ich bedanke mich sehr bei Herrn Enßlin für die eingereichte Klage, würden meine Mittel ausreichen, hätte ich das auch schon längst getan – danke auch für den Kommentar von Katrin Woitsch. 

Edith Sassen Krailling

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