Es reißt der Geduldsfaden

Georg Anastasiadis: Seehofers fauler Zauber; Kommentar 24. November

Es reißt einem, der schon ein paar Jahrzehnte Mitglied der CSU ist und dort auf verschiedenen Tätigkeitsfeldern aktiv war und teilweise noch ist, allmählich der Geduldsfaden. Und ich denke, vielen anderen Mitgliedern der CSU-Basis und Sympathisanten der CSU dürfte es genauso gehen. Horst Seehofer und Markus Söder seien gewarnt! Ersterer, weil er von seinen taktischen, in diesem Falle törichten Spielchen zum Zwecke des Zeitgewinns nicht lassen, der Andere, weil er wegen seines Ehrgeizes seine Ungeduld nicht bremsen kann. Wenn beide in ihrem Tun nicht einhalten und sich nicht endlich wie wirkliche politische Professionals benehmen und im Interesse der CSU zur Zusammenarbeit finden, werden sie als Versager in die politische Geschichte der CSU und auch Bayerns eingehen. Hätte Horst Seehofer den Weitblick, der ihm aufgrund seiner Egozentrik fehlt, dann hätte er bereits lange vor der Bundestagswahl erkennen müssen, dass seine Zeit als einer der Spitzenpersönlichkeiten der politischen Gestaltungsmacht in Bayern und im übrigen Deutschland abläuft. Längst hätte er sein Haus bestellen können durch ein paar schlichte Worte, wie „Meine Amtszeit als CSU-Vorsitzender endet zum Zeitpunkt des CSU-Parteitags 2017 und die des Ministerpräsidenten im Zuge der Landtagswahl. Findet euch zusammen und regelt die Nachfolge.“ Da wäre die Einberufung eines Beraterteams der langgedienten Erfahrenen (Stamm, Stoiber, Waigel) sinnvoll gewesen mit dem Ziel eines möglichst spannungsfreien Übergangs; denn es war in der Geschichte des demokratischen Deutschlands keinem Spitzenpolitiker vergönnt, seine Nachfolge selbst zu bestimmen. Doch jetzt empfindet man das als Mätzchen, welches das Basis- und Wahlvolk der CSU für dumm verkauft. Und Markus Söder? Er muss endlich mit seinen vor Ungeduld strotzenden Aktionen aufhören. Es läuft doch im positiven Sinne längst fast alles auf ihn zu. Die Junge Union stellt sich demonstrativ hinter ihn, und in der gesamten CSU hat er viele wohlwollende Befürworter; er sollte jetzt aber darauf achten, dass die nicht weniger werden. Natürlich hat er auch eine Menge Gegner; doch das ist bei einer markanten Persönlichkeit, wie er sie darstellt, normal. Statt das Versprechen einzuhalten, dass „bis Donnerstag alles klar ist“, hat Horst Seehofer für neues Misstrauen und neuen Ungeist der Spaltung gesorgt. Nichts ist klar! Es bleibt einem schlichten CSU-Mitglied nur übrig zu hoffen, dass es diesem Beraterteam aus Barbara Stamm, Edmund Stoiber und Theo Waigel gelingt, wieder etwas Besonnenheit und Ruhe in die CSU zurückzubringen. Der CSU-Parteitag im Dezember dürfte zwangsläufig das allerletzte Entscheidungsgremium sein. Das ist keine gute Perspektive! Die legendäre Geschlossenheit der CSU sieht anders aus! Es bleibt zu hoffen, dass der CSU-Parteitag nicht zum Kriegsschauplatz wird. Und an das Ergebnis der Landtagswahl mag ich heute nicht denken. 

Hanns Peter Wagner Sauerlach

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