Leserbriefe

Weltwirtschaftsforum in Davos

Georg Anastasiadis: Klima-Signale aus Davos; Kommentar 22. Januar

Beim Lesen des Münchner Merkur wird dem Leser täglich, immer und immer wieder deutlichst vor Augen geführt: Weshalb sich Politiker aller Couleur – parteiübergreifend – ob ihrer Politik und deren Früchte, ihren finanz-, wirtschafts-, energie-, verkehrs- und steuerpolitischen sowie sonstigen Fantasien und Hirngespinsten sich plötzlich folgerichtig und begründeterweise Sorgen um ihr eigen Leib und Leben machen.

Hans Haslauer

Otterfing

Sehr geehrter Herr Anastasiadis, nur die Staaten können das Klima retten. Solange durch Umweltzerstörung mittels Kohle, Erdöl, Erdgas, Fungizide, Pestizide, Herbizide usw. kurzfristig Gewinne erzielt werden, beschränken sich Konzerne wohl kaum freiwillig, selbst wenn es den eigenen Untergang bedeutet. Weder die Marktwirtschaft noch deren Überwindung wird das Klima retten. Da braucht es schon eindeutig definierte Ziele und Regelungen.

Max G. Maier

Emmering

Halten Sie die Signale aus Davos wirklich für ermutigend?? Siemens will die Vorstandsbezüge an das Erreichen der CO2-Ziele knüpfen, na toll! Auf der ersten Seite steht, dass das schätzungsweise mit 2 bis 3 % des Gehalts ins Gewicht fallen würde. Wen soll das denn dazu bringen, klimaschützende Entscheidungen zu treffen, wenn auf der anderen Seite einer steht, der Verlust von Arbeitsplätzen oder Reputation wegen Nichteinhaltung von Vorverträgen etc. anmahnt. Dass ich nicht lache! Bei der Höhe dieser Gehälter fallen 2 bis 3 % weniger doch nicht ins Gewicht. Das einzige, was ich als ermutigendes Signal aus Davos werten kann, ist die Tatsache, dass die jungen Aktivisten um Greta den Schneid haben, sich dort den Mächtigen der Welt zu stellen und nicht müde werden, sie aufzurütteln. Hoffentlich lassen sie sich nicht „umdrehen“, denn sie sind die Manager von morgen, die dann zeigen können, was sie drauf haben!

Evelyn Küppers

Egmating

Lieber Herr Anastasiadis, genau so ist es. Ich bin ein absoluter Verfechter der Sozialen Marktwirtschaft, auch wenn sie aus meiner Sicht neu gedacht werden muss (Schere arm/reich). Greta hat sicher Ihren Anteil, dass Unternehmen / die Finanzwelt nun reagiert. Allerdings ist es jetzt auch gut mit dem ewigen Geplärre, wenn sie nicht ihre Aktion selbst töten will. In Davos hat man gesehen, dass sie mittlerweile mehr Mitleid als Aufmerksamkeit / Anerkennung bekommt. Zu Herrn Habeck möchte ich mich erst gar nicht äußern. Die Grünen werden noch rechtzeitig sehen, wo Ihr Übermut hinführt. Bei Frau von der Leyen warte ich nur noch auf den ersten „Wünsch-Dir-was-Stuhlkreis“. Ihre unnachahmlichen blumigen Reden werden nach meiner festen Überzeugung jedenfalls nicht die Lösung sein (Sprachgewandtheit allein reicht nicht). Politik / EU muss die Rahmenbedingungen (Gesetze, Steuern, Anreize, etc.) schaffen und widriges Verhalten endlich mal entsprechend streng kontrollieren / sanktionieren. Das war’s dann auch. Ich bin sicher, wenn die Rahmenbedingungen - was ich als Hauptproblem für die „Probleme der letzten Jahre“ sehe - wirklich stimmen, machen das unsere Unternehmen schon. Und das vielleicht sogar auch unter 2 Billionen.

Franz Knossalla

Obersöchering

Verbote retten das Klima nicht. Georg Anastasiadis hat wieder mal Recht. Die Erderwärmung kann man nicht mit Verboten und Vorwürfen aufhalten, sondern nur mit wirksamen neuen Technologien. Die überzogenen Horrorszenarien von Greta Thunberg und unseren Grünen bewirken mittlerweile das Gegenteil. Und auch EU-Chefin Ursula von der Leyen setzt aufs falsche Pferd. Nur mit Billionen von Euro und kaum einzuhaltenden Vorschriften ist das Klima nicht zu retten.

Wirksame CO2-Einsparungen sind nur marktwirtschaftlich zu erreichen. Wir brauchen einen totalen Wandel in der Energieerzeugung und bei den Kraftstoffen. Aus den fossilen Energieträgern können wir aber erst aussteigen, wenn neue Energieformen in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Aus CO2 und Wasserstoff erzeugtes Methanol wäre im Verkehrssektor ein guter Weg, wobei die Wasserstoff-Gewinnung mit Wind- oder Solarstrom Voraussetzung ist (Grünes Methanol). Damit könnten die bisherigen Verbrennungsmotoren weiter genutzt und die batteriebetriebenen E-Autos größtenteils vermieden werden.

Es ist Aufgabe der Regierung, zusammen mit der Wirtschaft an einem Strang zu ziehen und die Entwicklung neuer Energieträger zu fördern. Kernspaltung aber auch Kernfusion sind neu zu überdenken. Mit kleinkariertem Verzicht auf einen Teil unseres Lebensstandards und mit der Gefährdung unseres Wirtschaftsstandorts lösen wir die Probleme auf jeden Fall nicht. Die Industriemanager haben das erkannt und richten ihr Handeln danach aus. Hoffentlich tun das die Politiker auch.

Peter Blüml

Schongau

Erdöl, Erdgas und Kohle verteuern, verknappen und verbieten hätte vor mehr als 30 Jahren erfolgen müssen, als bekannt war, was zusätzliches fossiles CO2 langfristig anrichtet (IPCC). Damals gab’s noch wesentlich weniger Auto-, Flug- und Schiffsverkehr. Mit Spritverteuerung finanzierte massive Investitionen in erneuerbare Energien, Wasserstoffproduktion, dessen Methanisierung (PtG) etc. hätten folgen müssen. Das Asbestverbot erfolgte seinerzeit konsequent. Bei den fossilen Energieträgern verführt, bedrängt (Schiedsgerichtsverfahren) und steuert die Industrie die Politik und wir machen alle fleißig weiter mit, denn Konzerngewinne, Mineralöl- und Verbrauchssteuern sprudeln auf Kosten unserer Erde. Neben einer progressiv ansteigenden unaufhaltsamen Klimaerwärmung heizen wir auch die Meere bis zum Kollaps auf, Kipppunkte wurden längst weit überschritten. Dieses Jahrzehnt wird zeigen, ob der Mensch mit seinem ständigen Kriegs-, Ausbeutungs-, Besitz- und Rechthabereidrang (Gier) überlebensfähig ist.

Rainer Wild

Wunsiedel

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