Debatte um Sexualdelikte

Debatte um Sexualdelikte

Claudia Möllers:Das Unbehagen wächst;Kommentar 21. September,Sophia Heyland:Aufsichtsbehörde in derKritik; Bayern 19. September

Im Prinzip ist es sehr gut, dass endlich über die Verschärfung des Sexualstrafrechtes gesprochen wird und es ist auch gut, dass sogar ein Minister bemerkt, dass wohl etwas schief läuft bei den nun „so hohen“ Zahlen von Vergewaltigungen. Wer dafür dann aber keine Erklärungen hat, hat sich offensichtlich noch nie wirklich mit dem Thema auseinandergesetzt. Genau hier liegt das Problem! Momentan wird es den Herren – und auch Damen – sehr einfach gemacht, über sexuelle Grenzverletzungen und Vergewaltigungen zu sprechen. Schließlich ist das Problem – so wirkt es zumindest in der Debatte! – ein „importiertes“: Die Asylbewerber sind schuld! Stellt einfach Polizei vor Asylbewerberunterkünfte und schon gibt es keine Vergewaltigungen mehr in Deutschland! Schiebt einfach alle ab, die sich an Frauen vergehen und schon sind unsere Kinder wieder sicher! Das ist extreme Heuchelei.

Warum entsteht eine gesamtgesellschaftliche Diskussion über Vergewaltigung immer dann so leicht, wenn Ausländer unsere Gesetze brechen? Es ist einfach für unsere Gesellschaft, dieses unangenehme Thema jemand anderem zuschieben zu können. Diese Vergewaltigungen und sexuellen Belästigungen haben ja schließlich nichts mit uns zu tun!

Der deutsche Alltag sieht aber ganz anders aus: In einer durchschnittlichen Grundschulklasse ist jedes 3. Kind Opfer sexueller Gewalt! In den überwiegenden Fällen sexuellen Missbrauchs sind die Täter in der Familie des Opfers zu suchen. Darüber hinaus sind die Täter und Täterinnen im näheren sozialen Umfeld zu finden: LehrerInnen, TrainerInnen etc. Nur sehr selten sind sie Unbekannte.

Wir rühmen uns immer, so fortgeschritten mit der Emanzipation zu sein. Sexuelle Gewalt ist Machtausübung! Völlig egal, aus welcher Kultur man stammt. Im Jahre 2010 wurden 14 407 Fälle sexuellen Missbrauchs an Kindern erfasst. 1473 dieser von der Polizei aufgedeckten Fälle wurden nur verurteilt. Nicht mal ein Sechstel! Und natürlich sind die Fälle, die nicht zur Anzeige gebracht werden, noch um ein vielfaches höher. Man fühlt sich als Opfer völlig alleingelassen, wenn man schon vorab weiß, dass die Wahrscheinlichkeit, dass der Peiniger verurteilt wird, bei unter zehn Prozent liegt.

Es freut mich als Sozialarbeiterin, die täglich mit den Ausmaßen sexueller Ausbeutung in unserem Land konfrontiert wird, sehr, dass Politiker dieses Thema derzeit so ernst nehmen. Schön wäre es aber, wenn es weniger Wahlkampf wäre – vor allem für die AfD – dafür ist es einfach zu wichtig. Sondern wenn ein ernsthaftes Bemühen entstehen würde, das Thema wirklich anzugehen. Sich mit unbequemen Wahrheiten auseinander zu setzen, um dann mit einem realistischen Blick die schwarzen Flecken in unserer Gesellschaft anzugehen. Das würde für PolitikerInnen bedeuten, dass man Gesetze schafft, die die Würde des Opfers im Blick haben. Und es würde für die Gesellschaft bedeuten, dass man auch genau hinsehen muss! Unabhängig von der Hautfarbe.

Christina Spohr
Reichersbeuern


Ich stimme absolut zu, dass die Geflüchteten Arbeit, Perspektive und Aufnahme in die Bevölkerung finden müssen – das ist die beste Prävention vor Gewalt, Kriminalität oder sozialem Unfrieden. Es ist doch klar, dass die reine Anzahl der Delikte steigt, wenn mehr Delikte überhaupt angezeigt werden können und strafbar sind. Alle Delikte als Vergewaltigung zu bezeichnen, ist hochgradig unseriös und schürt subtile Ängste.

Damit will ich das Leid der betroffenen Opfer keineswegs relativieren! Es ist nämlich sehr zu begrüßen, dass es endlich mehr Sensibilität für sexualisierte Gewalt gibt und sich das auch im Anzeigeverhalten widerspiegelt. Man sollte in Betracht ziehen, dass sich mehr Frauen trauen, Anzeige zu erstatten, und dass Polizisten solche Anzeigen nicht mehr abwimmeln.

Es ist aber wirklich erbärmlich, dass ein Innenminister derart unseriös Ängste schürt, um sich dann als Retter der Frauen darzustellen, der das „dramatische“ Sicherheitsrisiko Flüchtlinge in den Griff bekommt. Sein Sieben-Punkte-Plan zielt nur auf Flüchtlinge ab, dabei ist sexualisierte Gewalt kein Ausländerproblem, sondern ein herkunftsübergreifendes Männerproblem! Es ist eine Sauerei, Frauen und Vergewaltigungsopfer zu instrumentalisieren, um einseitig rassistische Ressentiments zu befeuern. Es wird Zeit, dass endlich alle Männer, egal woher, so viel Angst und Scham vor einem Outing bekommen, wie bislang ihre Opfer. Da nützt es aber überhaupt nichts, wenn als Problem ausschließlich eine Tätergruppe auserkoren wird.

Edith Thorma
Wolfersdorf


Auf Wunsch der Caritas sollte der Mann in eine andere Unterkunft verlegt werden. Sehr geehrte Frau Caritas-Kreisgeschäftsführerin, was soll eine Verlegung eines Straftäters in eine andere Unterkunft bringen? Wie soll mit dieser Maßnahme ein offensichtlich vorhandenes Gewaltpotenzial vermieden werden? Umzug und alle sind plötzlich friedlich? Höhenkirchens Bürgermeisterin (CSU): „Der Unruhestifter“, auf den die Caritas mehrfach hingewiesen hat, „wird verlegt“. In eine andere Unterkunft, ein Gefängnis oder doch mal abgeschoben?

Ich hoffe täglich, dass Politik und Justiz endlich die richtigen und konsequenten Entscheidungen treffen. Aber mit Umzugsplänen für Täter in die nächste Asylunterkunft ist das Gewaltpotenzial sicher nicht gelöst. Bis 2015 hat man von solchen „Umzugs-Strafmaßnahmen“ für Gewalttäter noch nie etwas gelesen. Wird das demnächst auch für Bankräuber umgesetzt? Darf man dann einen Anteil des „erworbenen“ Geldes behalten, wenn man freiwillig umzieht? Für den Strafvollzug, also die Gefängnisse sicher eine schöne Einsparung. Für die Gefährdungslage der Menschen und das Gewaltpotenzial der Straftäter keine Frage.

Sebastian Holzner
Wolfersdorf


Ich weiß nicht genau, was sich in Höhenkirchen-Siegertsbrunn zugetragen hat. Einige Ungereimtheiten in Bezug auf das Mädchen bleiben für mich durchaus bestehen. Wenn allerdings eine Frau sagt „Nein“, hat das ein jeder Mann zu akzeptieren – und zwar egal, ob aus dem deutschen oder dem nicht-deutschen Raum! Schön, wenn Securitys eingesetzt werden und die Polizeipräsenz vor Ort verstärkt wird. Das hilft zumindest dem subjektiven Sicherheitsempfinden. 

Dass sich aber ein mehrfach auffällig gewordener Asylbewerber noch immer bei uns aufhalten darf und dass er mehrfach verlegt wird, ist ein Skandal! Eine Verschiebung von Problemfällen von Ort zu Ort verschiebt die Probleme, löst sie jedoch nicht. Es ist schlimm genug, dass solche Taten immer wieder mit psychotraumatischen Erlebnissen der Täter gerechtfertigt werden. Ich glaube, spätestens wenn jemand selbst zum Opfer wird, denkt er anders. 

Wer die Chance, sich hier ein neues Leben aufzubauen, nicht nutzt, gehört hier nicht her. Straftäter und Vergewaltiger gehören abgeschoben und eingesperrt und zwar ohne Wenn und Aber. Auch deshalb, damit die tatsächlich integrationswilligen Asylsuchenden nicht pauschal mit diesen Verbrechern über einen Kamm geschoren werden dürfen. 

Ramona Weiß
Puchheim

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Friede miteinander
Georg Anastasiadis: Etwas stimmt nicht; Kommentar 19. April
Friede miteinander
Auf Kosten der Amateure
Uli Kellner: Schluss mit der Nadelstichpolitik; Sport 18. April
Auf Kosten der Amateure
Die CSU versündigt sich an den geflüchteten Menschen
Katrin Woitsch: Unfaire Abrechnung; Kommentar, Popularklage gegen „Mietwucher“; Bayern 17. April
Die CSU versündigt sich an den geflüchteten Menschen
Die größte Schweiz der Welt
Georg Anastasiadis: Ohne Einfluss; Kommentar 17. April
Die größte Schweiz der Welt

Kommentare