Reaktionen auf das Türkei-Referendum

Georg Anastasiadis: Ein Scherbenhaufen; Kommentar 19. April, Deutsch-Türken klar für Erdogan; Titelseite, Mike Schier: Türkisches Drama; Can Merey: Erdogans Sieg spaltet die Türkei; Im Blickpunkt 18. April

Wie können wir uns von einem Land, mit etwa der Wirtschaftskraft von unserem Bundesland NRW so demütigen lassen? Wie können wir uns von türkischen Bürgern, denen es in unserem Land nicht gefällt, die jedoch hier leben und Geschäfte machen, als undemokratisch titulieren lassen? Respekt bedeutet doch, den anderen zu akzeptieren und dessen Kultur zu respektieren? Machen das unsere zugewanderten türkischen Mitbürger? Ich finde, wir sollten auch mehr Selbstbewusstsein zeigen. Wir sind ein gastfreundliches, weltoffenes Land und wollen auch so geachtet werden, oder? 

Siegfried Wüst Mauern

Die einzig richtige Reaktion kommt aus dem Kreml: „Das ist eine souveräne Angelegenheit der Republik Türkei.“ Das türkische Volk hat entschieden, wir sollten und müssen das respektieren. Wo bleibt die Reaktion von einem geeinten und souveränen Europa? 

Gerhard Fichtner München

Zugegeben, der Wahlkampf war nicht fair. Und wie viele Deutsch-Türken abgestimmt haben – ernüchternd! Und jetzt? Empören wir uns über die Türken, die die falsche Wahlentscheidung getroffen haben? Erheben wir uns wieder mit aufreizender deutscher Arroganz? Zeigen den demokratischen Zeigefinger? Grenzen die Falschwähler aus? Beschwören unsere demokratischen Werte? Ramstein? Auslandseinsätze? Die Demontage der Rente? Alters- und Kinderarmut? Obdachlosigkeit? Überwachung? Lügen über den Krieg? Geschönte Arbeitslosenzahlen? Prekäre Jobs? Zensierte Armutsberichte? Bankenrettungen? Autobahnprivatisierung? Marode Schulen? Und wählen im September wieder Merkel? Was sind wir aber auch vorbildlich! 

Rainer Forster Kirchberg

Eins verstehe ich am Wahlverhalten der deutschen Türken nicht: Wenn es zu Hause in der Türkei so toll ist und mein von mir gewählter und mit besonderen Vollmachten ausgestatteter Präsident für genügend Arbeit und ein sauberes Umfeld sorgt – was will ich als Türke hier in Deutschland? Dann schnüre ich doch mein Ränzel und mach mich auf nach zu Hause! Und überhaupt, was braucht man dann einen Doppelpass? Als Türke durch und durch genügt mir dann doch einer: der türkische! Recht verstanden: Der Mensch türkischer Abstammung, der sich als Deutscher fühlt und sich integrieren will, sei uns willkommen! Ihm genügt dann auch ein Pass, nämlich der deutsche! Alle anderen Türken sind unsere Gäste, sollen so behandelt werden und sich aber auch so benehmen. 

Dr. Gerhard Hieber Erding

Es ist erschütternd, wie die Türken mit deutschen Pass bei uns für Erdogan abgestimmt haben. Ich frage mich, warum leben sie in Deutschland und nicht in der Türkei? Viele sind sicher Harz IV- und Kindergeldempfänger, was wir Steuerzahler bezahlen müssen. Unsere Vorteile nutzen und ihre Landsleute in der Türkei in eine Diktatur stürzen – wissen sie denn nicht was sie tun? Und daran, dass der Wahlkampf unfair war, besteht doch kein Zweifel. Der größte Fehler ist die Einführung des Doppelpasses, weil dieselben Menschen unsere Politik mitbestimmen können. Wie soll das gehen? 

Karin Hörnig Kirchheim

Die Deutschtürken, vor allem die aus dem ländlichen Raum, sind konservative, bodenständige, ehrliche, arbeitsame Leute. Sie beobachten den in Deutschland die Politik dominierenden Linksliberalismus, der sie abstößt. Mache Lebensarten und Verhaltensweisen bei uns, sehen sie als dekadent. Verbrechen zum Beispiel, werden wenn überhaupt, nicht wirklich bestraft. Sie sehen in Deutschland einen schwachen, dekadenten Staat mit einer wirren und nicht überschaubaren politischen Landschaft . So etwas wollen sie nicht für ihr Land die Türkei, an dem ihr Herz für immer hängt, und nicht an Deutschland. Das heißt nicht, dass ein deutscher Pass, da praktisch, deshalb nicht mitgenommen wird. Die einfachen Leute unter den Türken wollen einen politischen Führer, zu dem sie aufschauen können, und der ihnen aus dem Herzen spricht – und das ist Erdogan. 

Walter Herzog Otterfing 

Mir fällt auf, dass der Kanzlerkandidat der SPD Herr Schulz kein einziges Wort hören lässt zum Votum der türkischen Bevölkerung in Deutschland und der Türkei. Das ist, so glaube ich, auch kein Wunder, den bis vor Kurzem, als er noch in der EU Parlamentspräsident war, ist er ein großer Befürworter für den Beitritt der Türkei in die EU gewesen. Oder ist er dies vielleicht noch immer? Anders kann ich mir sein verhalten nicht vorstellen. Man könnte doch von jemandem, der ein so verantwortliches Amt übernehmen will, erwarten, dass er seine Meinung sagt, oder ist er immer noch ein Befürworter und traut es sich nicht zu sagen, da ihm sonst seine eigenen Genossen davon laufen. 

Michael Isemann München

Weniger als 50 % der türkischen Wähler in Deutschland haben gewählt und diese haben bis zu 75 % mit Ja für Erdogan gestimmt, mindestens aber mit leicht über 50 %. Özdemir und andere meinen, es läge an der mangelnden Integration der Türken. Wer hat gewählt? Wohl überwiegend einfachere Türken. Viele stammen aus ländlichen Gebieten, sie kamen mit geringer Schulbildung. Sie verstehen auch nach Jahren nur bruchstückhaft Deutsch. Ich sehe das bei meiner Nachhilfe für türkische Kinder, die auch heute noch zu Hause wenig schulische Unterstützung erhalten. Diese Menschen werden in der Regel sehr stark beeinflusst durch den türkischen Staat, gesteuerte Imame in den Moscheen, das von Erdogan gesteuerte türkische Fernsehen, das die meisten als einziges Informationsmittel nutzen. Die meisten dieser Menschen leben zudem in preislich noch annehmbaren selbst gewählten Ghettos, wie der Schwanthaler Höhe, wo sie meist unter sich sind und Türkisch zur Verständigung reicht und damit die Integration behindert. Die Integration erfolgt hier bewusst nur in die türkische Gemeinde. Was sollen/können wir Deutschen dann zur Integration beitragen? Wer hat nicht gewählt? Leider wahrscheinlich in der Mehrheit die hier besser integrierten Türken, doch das ist die große Frage! Hätten sie ebenfalls gewählt, wäre Erdogans Referendum vielleicht gescheitert. Ob die deutschen Türken bei ihrer jeweiligen Entscheidung auch an die Brüder in der Türkei dachten ? Erdogan und die AKP haben das Land zwar wirtschaftlich hochgebracht. Ob das jetzt aber so weitergeht? Im stärksten türkischen Wirtschaftszweig, dem Tourismus, leiden mittlerweile viele Türken sehr – in diesem Wissen haben sie in den Regionen am Mittelmeer entsprechend auch überwiegend mit Nein gestimmt. Drohende Ein-Mann-Herrschaft, angekündigte Todesstrafe, Zehntausende Erdogan nicht genehme Türken hinter Gittern! Dass diese Zahl noch steigen wird, ist zu erwarten. Geht es den deutschen Türken hier tatsächlich nicht wesentlich besser? Warum handeln/entscheiden sie dann anders? Warum gehen die Ja-Sager nicht zurück in die in ihren Augen bessere Türkei? Wie viele davon leben hier von Hartz IV oder anderen Sozialhilfen, die sie zuhause wohl nicht so erhalten würden? Bleibt abzuwarten, wie es weitergeht. 

Frank Lesser München

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