Die größte Schweiz der Welt

Georg Anastasiadis: Ohne Einfluss; Kommentar 17. April

Herr Anastasiadis hat wie so oft wieder einmal völlig Recht, wenn er über den Trümmerhaufen Bundeswehr schreibt. Ich habe im Stab des II. Deutschen Korps in Ulm 30 Jahre als Reserveoffizier gedient, wobei wir immer den gleichen Krieg geübt haben, eben den Kalten Krieg gegen den Warschauer Pakt. Die Bundeswehr war damals ein sehr anerkannter Verbündeter, kampfstark und auch hoch motiviert, um das Vaterland, zusammen mit der Nato zu verteidigen. Was ist davon übrig geblieben? Fast gar nichts mehr. Leute wie Kanzlerin Merkel und davor schon Kohl, haben begonnen, die Bundeswehr kaputt zu sparen, da man sie aus ihrer Sicht eigentlich gar nicht mehr brauchte, da nach Ende des Kalten Krieges 1989 der unendliche Friede ohne Militär in Ost und West bevorstand, notfalls hatte man ja die Amerikaner, die das schon irgendwie auf ihre eigenen Kosten richten werden, wenn mal einer ein bisschen aus dem Ruder läuft. Es würde allemal reichen, wenn Deutschland sich als größte Schweiz der Welt, ohne jegliches militärisches Abschreckungspotenzial darstellt und allenfalls den Nato-Partnern gute Ratschläge erteilt, wie man den Weltfrieden auch ohne militärisches Potenzial wahren kann und niemand, schon gar nicht unser neuer Freund Putin würde dagegen aufmucken.

Welch katastrophaler Fehlschluss auf der Basis von Nazi-Schuldgefühlen und der Unwilligkeit weltpolitische Gefahrenherde mit zu managen. Man muss nur die Hand vor die Augen halten, wie ein kleines Kind, das Dinge nicht sehen will, die ihm nicht gefallen und dann sind sie ja auch schon gar nicht mehr da, oder? Ja wer wird denn auf der politischen Weltbühne erst genommen? Jeder Schüler weiß, dass auf dem Schulhof nur der ernst genommen wird, der Mucki hat, also mit eigener Kraft was durchsetzen kann. Leider kann man den Darwinismus nicht mit Schönrederei ersetzen. Natürlich wird auf der Weltbühne nur der ernst genommen, dessen militärisches Potenzial auch wirklich vorhanden ist, um in kritischen Situationen auch effektiv wirken zu können, ansonsten steht man abseits und wird zur Krisenbewältigung in Europa, Orient, Afrika oder sonst wo auf der Welt gar nicht erst eingeladen um militärisch potent mit zu machen (Angsthase, Pfeffernase!). Der ehemalige US Präsident Ronald Reagan hat einstmals den Deutschen das Angebot: „Partnership in Leadership“ in der Welt angeboten, nur leider wollte es kein deutscher Politiker aufgreifen. Man hat diese einmalige Chance mit großer politischer Unfähigkeit mit dem bekannten deutschen Minderwertigkeitskomplex bei Übernahme weltpolitischer Verantwortlichkeiten, verspielt, traurig, aber wahr.

Donald Trump, man kann über ihn denken, wie man will, und auch Emmanuel Macron haben unseren politischen Unwillen zum ernsthaften Mitwirken in der Weltpolitik längst erkannt und so bleiben wir auch auf Dauer die größte Schweiz der Welt, ohne jeden politischen und militärischen Einfluss. Schade um das mögliche Potenzial unserer Streitkräfte, die mit ihrer Motivation und ihrer Professionalität nach wie vor sehr geschätzt werden. Im Ernstfall können sie allerdings kein militärisch potenter Partner sein, gute Moral allein hilft da nicht. „Der Geist der Truppe ist ihre Stärke“ war das allzeit gültige Motto des Königlich Bayerischen Infanterie-Leib-Regiments; aber gutes Material braucht die Truppe natürlich auch, um erfolgreich wirken zu können, ansonsten soll sie lieber zuhause bleiben, bevor sie sich blamiert! 

Alexander Neuser Oberstleutnant der Reserve, Aßling

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