Deutschland profitiert in ungeheurem Maße vom Euro

Die ewige Kritik an der EZB und an Mario Draghi, die sich ja schon lange unter der Gürtellinie bewegt, ist kaum mehr zu ertragen.

Dabei hat mich insbesondere der Kommentar von Georg Anastasiadis - dessen Meinungsäußerungen ich in aller Regel sehr schätze - dabei geradezu erschreckt, begibt er sich doch passagenweise fast auf ein Niveau mit Kommentatoren in Internetforen, die nur noch ihren Hass auf alle Politiker, die Südländer und natürlich den Euro verspritzen. Schon die Auswahl der Reaktionen auf Seite 5 ist ja vorsichtig gesagt etwas tendenziös. Herrn Gauweilers Eurohass ist nicht mehr zu ertragen und Herr Erdland muss ja die Belange der zugegebenermaßen gebeutelten Lebensversicherer vertreten. Aber selbst Hans-Werner Sinn, seit Jahren der Vorzeigeökonom gegen EZB-Politik beschreibt die Situation einigermaßen sachlich und spricht von positiven konjunkturellen Impulsen. Die Inflation die er seit 2009 immer wieder vorhersagt gab es in den letzten fünf Jahren nicht und es wird sie auch in den nächsten fünf oder zehn Jahren nicht geben. Jedenfalls wird sie weit unter den bis zu sieben Prozent von 1973 bleiben und auch unter vier oder fünf Prozent, die zu DM-Zeiten ganz normal waren. Deutschland profitiert in ungeheurem Maße vom Euro, es profitiert wie niemand sonst von der Niedrigzinsphase und es profitiert quantitativ am meisten von den Anleihenkäufen. Hören wir doch endlich einmal auf, immer nur alles schlecht zu reden. Übrigens: Als die ersten Euroscheine in Umlauf gingen mussten wir für einen US-Dollar 1,20 Euro zahlen, heute trotz Euroschwäche 90 Cent.

Herwig Bahner Volkswirt, Fürstenfeldbruck

 

Dem Kommentar von Herrn Anastasiadis muss ich leider voll zustimmen. Solange die Rache Europas nicht schmerzhafter für Frau Merkel wird, wird sich zugunsten Deutschlands auch nichts ändern. Unsere Mutti hat wie immer reagiert: Sie hat begriffen, dass sie endlich zu Draghi etwas sagen muss. Sie hat sich wie immer in ihrer unnachahmlichen Art geäußert: nicht zusagen, nicht absagen, auf Eis legen und warm halten. Obwohl sie vermutlich die schmerzhaften Konsequenzen für die meisten Bundesbürger erkannt hat. Wann wird endlich einmal jemand aus der deutschen Politik bei der EZB auf den Tisch hauen und darauf hinweisen, dass die BRD mit fast 28 % der mit Abstand größte Anteilseigner ist und damit durchaus ab und zu einmal seine Meinung sagen darf. Allerdings muss ich zugeben, dass ich auch nicht weiß, wer das machen soll. Wie bereits gesagt, unserer Bundeskanzlerin liegt so eine klare Aussage überhaupt nicht, unser Finanzminister, Herr Schäuble, wird bestimmt nicht reklamieren, da er bei höheren Zinsen sein für ihn selbst wichtigstes Ziel, die schwarze Null, nicht erreichen würde. Die früheren deutschen Repräsentanten die Herren Stark und Axel Weber haben längst das Feld geräumt, nachdem sie erkannt haben, wie sinnlos es ist für deutsche Werte zu kämpfen. Unsere derzeitige Vertreterin, Frau Lautenschläger hätte nur eine Chance wenn Sie unter den 19 Euro-Partnern viel mehr gleichgesinnte finden würde. Die können selbstverständlich nur aus Nordeuropa kommen, da die Südeuropäer ihren Geistesverwandten an der Spitze der EZB nicht enttäuschen dürfen. Bleibt uns armen deutschen Sparern nur ein Ausweg: Die nächste Bundestagswahl!

Horst Bauer Tutzing

 

 

Eigentlich kann ich dem sehr deutlichen (und vermutlich leider auch treffenden) Kommentar („die EZB plündert uns aus“) von Ihrem Herrn Anastasiadis zur großzügigsten Geldverschwendung der EZB veranlasst durch den (wo auch immer geschätzten) Herrn Draghi kaum noch was hinzugefügt werden. Ich fürchte Schlimmes. Wer könnte dem Wahnsinn denn noch Einhalt gebieten? Einen Kommentar dazu von unserer Frau Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel (Was ist denn nun mit der ursprünglichen Ablehnung der endlosen Geldspenden?) vermisst man wieder einmal, wie auch bei anderen wichtigen Themen, es wäre wohl auch zu peinlich. Obwohl man aber auch den Eindruck haben könnte, dass das nun auch schon egal ist. Ob auch diese Wahnsinnssummen (nun sind es schon Billionen, wo doch schon Milliarden unfassbare Zahlen sind) noch in einer Inflation versenkt werden können? Auf jeden Fall sind die Ersparnisse und Altersrücklagen nun noch wesentlich mehr dem Verfall preisgegeben. Wo ist die Vernunft geblieben? Leider stimmt wohl wieder einmal mehr der Spruch: Der Klügere gibt nach, also wird dann eben wieder einmal mehr das gemacht was der Dümmere will.

Günter Fries Ebersberg

 

 

Dem Kommentator ist voll zuzustimmen. Diese Großzockerei einer EZB stellt einen klaren Rechtsbruch dar. Darüber hinaus wird das letzte Vertrauen der Bürger in Deutschland in die gemeinsame Währung aufgebraucht. Noch nachhaltiger dürften allerdings die Auswirkungen auf das Vertrauen in Politik und Demokratie und ihre Institutionen wie die Parlamente und das Bundesverfassungsgericht sein. Die Bundesregierung hat dem absehbaren Schritt der EZB entspannt zugesehen, um kurz vorher in einem Staatstheater auf Draghi zu zeigen und die Hände in Unschuld zu waschen. Da die Rechnung bereits jetzt vom kleinen Bürger bezahlt wird, werden auch die Volksparteien nachhaltig geschädigt. Die CDU/CSU durch einen absichtlich untätigen Bundesfinanzminister, die SPD als selbsternannter Anwalt der kleinen Leute ebenso, da sie dem Schritt sogar zustimmte, also wissentlich in Kauf nahm, dass die Kleinsparer und Rentner in ihrer Vorsorge für das Alter umfassend geschädigt werden. Die Politikverdrossenheit wird sich maßgeblich steigern – Pediga lässt grüßen – und keiner will‘s gewesen sein!

Walter Schmitz Eching am Ammersee

 

 

Herrn Anastasiadis kann man nur zustimmen, wenn er den Ankauf von Staatsschulden und anderen ausfallgefährdeter Wertpapieren Höhe von 1,14 Billionen Euro durch die EZB, mit hierfür frischgedruckten Papiergeld, als Staatsstreich mit der Notenpresse bezeichnet. Die angebliche Absicht, zur Bekämpfung von Deflationsgefahren den Banken in der Eurozone durch den Ankauf ihrer toxischen Papiere die Möglichkeit zu geben, die in einer Rezession verharrenden Wirtschaften der Südländer durch neue Kredite zu stimulieren, erscheint den meisten Finanzexperten hierzulande als höchst unwahrscheinlich. Sicher und durchaus beabsichtigt, dürfte dagegen die weitere Abwertung des Euro und eine bald eintretende Inflation sein. Sparer in der Eurozone, werden dann, nach dem Verlust ihrer Einkommen auf Sparanlagen, auch ihr schon angespartes Kapital schwinden sehen mit entsprechender Auswirkung auf ihre Altersversorgung. Der EZB-Präsident hat auch erreicht, dass die bei der EZB auflaufenden Staatsschulden verallgemeinert und zu Eurobonds werden. Sollten Euroländer Pleite gehen, werden die dann noch solventen Länder, für die Rückzahlung der Eurobonds verantwortlich sein. Das würde hauptsächlich Deutschland treffen wobei sich die Frage stellt, ob Deutschland selbst dann noch solvent genug sein wird, mit dem vorhersehbar riesigen Schuldenberg fertig zu werden. Es bleibt die Frage, warum die Bundespolitik, der diese Entwicklung bekannt gewesen sein muss, nicht schon längst etwas gegen Mario Draghi wegen Missachtung seines Mandats unternommen hat. Die Warnung des EZB-Chefs durch die Kanzlerin vor ein Aufkauf von Anleihen zwei Tage vor der EZB-Sitzung kam viel zu spät.

Peter Hütz Krailling

 

Georg Anastasiadis: „Europas Rache an Merkel“; Kommentar, „Draghi holt zum großen Schlag aus“ und Martin Prem: „Staatsschulden werden zu Eurobonds“, Interview mit Hans-Werner Sinn; Wirtschaft 23. Januar

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