Stimmen zur Türkei

Erdogan und die nützlichen „Nazi-Hunde“; Politik, Antidemokratisches Verhalten der Türkei; Leserbriefe 14. März, Marcus Mäckler: In Erdogans Falle; Kommentar 13. März

Es entspricht keinesfalls internationalen Gepflogenheiten und gewohnten Standards, staatsinterne Wahl- und Machtkämpfe in verbündeten Nato-Staaten, also auf fremden Boden, auszutragen. Falls Herr Erdogan mit der Aufklärung über seine präsidialen Alleinvertretungsansprüche die türkischstämmigen Mitbürger in Deutschland direkt ansprechen möchte, kann er sie unbenommen zum Gespräch in die Türkei einladen. Im Übrigen halte ich das türkische Volk insgesamt durchaus für fähig und auch willens, Herrn Erdogan und seine engeren Gefolgsleute für ihre politischen Alleingänge abzuwählen - und einer neutralen Gerichtsbarkeit zu überantworten, um weiteren Schaden am türkischen Volk und sein internationales Ansehen abzuwenden. 

Günter Schäftlein Mittelstetten

Angesichts der Lage in Deutschland, fallen mir die Worte einer älteren Dame ein, die mir 1982 in Toronto gesagt hat: „Mach mit deiner kleinen Familie rüber nach Kanada, in 10 bis 30 Jahren kommt dies und das auf euch in Deutschland zu und eines Tages wird es dir in deinem eigenen Land nicht mehr gefallen.“ Die gute Frau hat schon damals den Nagel auf dem Kopf getroffen. Wer bestimmt in unserem Land, Türkei-Wahlkampf auch in Bayern, was spielt sich in unserem kleinen Deutschland alles ab?

 Karlheinz Dettweiler Haimhausen

Die Spannungen mit der Türkei sollten endlich ein Anlass sein, die Beitrittsverhandlungen für eine EU-Vollmitgliedschaft nicht nur einzufrieren, sondern offiziell zu beenden. Schon seit längerer Zeit wird diese notwendige Maßnahme von unabhängigen Experten mit überzeugenden Argumenten begründet, unter anderem damit, dass 97 % des türkischen Territoriums asiatisch ist. Die Türkei wäre jedoch weiterhin ein privilegierter Partner in der Europäischen Nachbarschaftspolitik (ENP) als Alternative zum EU-Beitritt mit einer engen wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit. 

Dr. Rudolf Mittendorfer München 

Wie wäre es, wenn man diesen Despoten Erdogan einfach für eine gewisse Zeit ignorierte? Der spinnt sich am ehesten wieder aus, wenn niemand auf seine Hetzereien reagiert. Solchen Menschen tut es am meisten weh wenn man sie links liegen lässt.

 Georg Berwanger Großpienzenau

Tatsache ist doch, dass der Tourismus, von dem die Türkei hauptsächlich lebt, um 60 % eingebrochen ist. Im Hinblick auf die jetzige Situation und auf die verbalen Entgleisungen von diversen türkischen Politikern, wird dieser Rückgang noch erheblich steigen. Damit wird die wirtschaftliche Lage dieses Landes zum Desaster. Es ist mir unerklärlich, dass das Erdogan wohl ziemlich egal ist. Mir imponieren die Niederländer mit Ihrem Mut. Aber es heizt die ganze Situation noch mehr an, es könnte sein, dass es zum europaweiten Flächenbrand kommt. Deshalb stellt sich mir die Frage, ob es nicht zweckmäßig wäre, den Türken in der ARD oder ZDF eine kleine Sendezeit von zweimal 15 Minuten pro Woche, und zwar erst ab 23 Uhr, einzuräumen und im Gegenzug keine öffentlichen politischen Versammlungen mehr bei uns zuzulassen. So erreichen die Redner viel mehr Landsleute als bisher. Damit müssten doch die 3,5 Millionen in Deutschland lebenden Türken zufrieden sein und deren Regierung auch. 

Klaus Hilleprandt Garmisch-Partenkirchen

Ein eindeutiges Nein zum nicht hinnehmbaren Verhalten der türkischen Regierung. Und ein klares Ja für die Niederlande, die sich von Erdogan und seinen Leuten nicht einschüchtern ließ. Das Wochenende hat gezeigt, dass die Türkei ein erpresserisches und gewalttätiges Land ist. Das versucht seine Diktatur nach Europa zu bringen und Länder und Leute zu erpressen und zu bedrohen. Ein klares Nein zu Propaganda-Auftritten in Deutschland! Wir sind nicht die Leibeigenen von Erdogan. An Frau Merkel und Co.: Ihr habt allesamt eine Verpflichtung gegenüber der deutschen Bevölkerung und nicht gegenüber Erdogan. Die Türkei ist niemandes Freund, sondern eine diktatorische und gefährdende Macht. Auch wir Deutsche haben unseren Stolz und lassen uns nicht beleidigen und drohen. Frau Merkel, wissen sie noch, als Erdogan deutsche Politiker nicht nach Incirlik ließ? Und da regt sich Erdogan auf über Deutschland und die Niederlande. Lächerlich! 

Petra Pandel München

Es ist erschreckend, dass niemand bemerkt, dass das Verhalten des Herrn Erdogan auch unseren Bundestagswahlkampf beeinflussen wird. Die Diskussion um die Vorgehensweise der Regierung macht viele Bürger nachdenklich. Pro und Contra halten sich die Waage, aber es ist keine Grenze sichtbar, die diesem Herrn Erdogan zeigt, bis hierher und nicht weiter. Für viele Bürger ist die Grenze überschritten. Es genügt nicht zu sagen „Wir wollen das nicht“. Unsere klare Rechtsauffassung sollte der Türkischen Regierung offiziell mitgeteilt werden. Multikulti ist gescheitert. Viele Türken fühlen sich nicht integriert, weil sie sich nicht integrieren wollen. Sie können Moscheen bauen, für das Kopftuch klagen und unsere Kultur verachten. Das ist der Preis unserer Demokratie und für viele Bürger entsteht der Eindruck, im eigenen Land ihre Kultur und Gewohnheiten opfern zu müssen. Es ist schwer zu begreifen, dass unsere türkischen Mitbürger durch ihren Doppelpass alle demokratischen Vorzüge genießen, im gleichen Atemzug aber für einen Despoten demonstrieren. Allen demokratischen Parteien passieren Fehler, aber man muss sie rechtzeitig erkennen, um sie zu beheben, ansonsten werden wir bei der kommenden Bundestagswahl mit einem Kater aufwachen. Es ist ein Glück, dass wir Europa haben, trotzdem es derzeit schwierig ist. Es ist aber eine Garantie, dass nicht noch mal ein Nazi an die Macht kommt, obwohl es laut Erdogan in Holland und Deutschland genügend gibt. 

Friedrich Kraus München

All jene, die jetzt so aufgebracht wegen der vermeintlich zu laschen Reaktion Angela Merkels auf Erdogans weit überzogene Hasstiraden sind, sollten bedenken, welchen Konflikt ein radikaleres Verhalten unserer Regierung mit Blick auf die fanatischen türkisch-stämmigen Bürger in unserem Land hervorrufen könnte. Dadurch, dass wir Deutsche uns als Folge unseres wirtschaftlichen Aufschwungs in den 60er Jahren zu fein für die Verrichtung von einfachen Arbeiten waren, holten wir uns mit den türkischen Gastarbeitern möglicherweise ein trojanisches Pferd ins Land. Noch harren sie in dessen Bauch aus, dies könnte sich, wenn ihr Führer sie zum Kampf aufruft, jedoch schnell ändern. Schon deshalb sollten wir bedenken, wie den vielen liebenswerten und demokratisch denkenden türkischen Landsleuten angesichts des Fiaskos zumute sein muss. Um ihnen ein friedliches und angstfreies Leben in unserem Land zu ermöglichen, dürfen wir uns nicht hinreißen lassen, drastische Retourkutschen nach Istanbul zu schicken. Vielmehr heißt es jetzt, Erdogans Attacken durch Nichtbeachtung ins Leere laufen zu lassen. Immerhin können dann die hier lebenden Türken uns nicht – es sei denn sie sind total verblendet – vorwerfen, die Eskalation vorangetrieben zu haben. 

Annemarie Fischer Wielenbach

Wollte man das derzeitige weltpolitische Geschehen kommentieren, könnte man wohl das Adjektiv „dramatisch“ bemühen. So zum Beispiel resümiert Herr Erdogan im ungezügelten Verbalismus über Deutschland, Niederlande und EU. Erpressung, den unglücklichen Zuwanderungs-Deal zu Fall zu bringen, ist an der Tagesordnung. Kaum verständlich ist das vielfältige Verhalten der hier wohnenden türkischen Landsleute; ich betone Landsleute! Jubelorgien in deutschen Hallen! Man muss sich schon die Frage stellen, ob sie mit unserem weltoffenen demokratischen System nicht zufrieden sind und deshalb für das türkische Präsidialsystem stimmen wollen, also ihr Land als das gelobte Land sehen. Weiter stellt sich die Frage, ob viele türkische Landsleute Angst haben vor Repressalien und deshalb bei der Wahl im April für Herrn Erdogans Willen stimmen? Haben Sie kein Vertrauen zu ihrem Nachbarn und haben Angst vor Denunziation? Das wäre fatal und beängstigend. Was ist aus der schönen Türkei geworden? Man kann nur hoffen, dass sich dieses Desaster im April vielleicht doch erledigt. Sicher wird es eine diplomatische Kraftanstrengung, diesen türkischen Scherbenhaufen zu bereinigen. Wir dürfen uns aber nicht mehr erpressen und schon gar nicht unsere Wertegesellschaft verunglimpfen lassen. 

Margot Fürst München

Langsam überschreitet Erdogan, wenn auch bisher nur verbal, alle roten Linien und die EU täte gut daran die auf ihn zugeschnittene Verfassungsreform mit allen gebotenen Mitteln zu vereiteln. Eine entdemokratisierte Türkei mit praktizierter Todesstrafe wäre nicht nur gleichbedeutend das endgültige Ende jedweder Beitrittsverhandlungen und zudem eine weitere Nato-Mitgliedschaft mehr als obsolet. 

Thomas Prohn Erding

In der aktuellen Auseinandersetzung zwischen der Türkei und Europa höre ich eine Person laut lachen, nämlich Putin. Erst der Brexit und jetzt diese, von Emotionen getriebenen, unkalkulierbaren Anwürfe der Türkei gegen Europa. Der Vertrag von Montreux vom 20. Juli 1936 gab der Türkei die volle Souveränität über die Dardanellen, das Marmarameer und den Bosporus zurück. Er ist noch heute in Kraft und regelt den freien Schiffsverkehr durch diese Gewässer. Das heißt, das Nato-Land Türkei und seine Verbündeten haben im Ernstfall eine militärische Kontrolle, wer vom Schwarzen Meer ins Mittelmeer fährt. Das galt insbesondere für die Schwarzmeerflotte der ehemaligen Sowjetunion, deren Durchfahrt hier hätte gestoppt werden können. Und Putin hat sich die Krim wieder einverleibt, doch auch wegen des Zugangs der russischen Flotte aus dem Schwarzen Meer ins Mittelmeer, diese Option des Zugangs seiner Marine in diesen Teil der Weltmeere war immer ein russischer Traum. Und beide Staaten verfolgen den Weg der gelenkten Demokratie, wie Putin das nennt; das sind doch keine Zufälle. Wir sollten jetzt ganz ruhig bleiben, auch wenn man geschürten Emotionen nur schwer mit sachlichen Argumenten entgegentreten kann, aber in der Ruhe liegt die Kraft. Nazi-Vergleiche, gerade gegenüber den Niederlanden, die als neutrales Land von Deutschland überfallen wurden, disqualifizieren die Absender. Diese Parolen von geschichtlichen Ignoranten wird Europa aushalten, so stark sind wir. Nur in Zukunft, bitte in aller Ruhe, gilt es, sich von illusorischen Vorstellungen zu verabschieden, wie Mitgliedschaft der islamischen Türkei in der EU, der doppelten Staatsbürgerschaft für Türken, keine EU-Gelder mehr nach Ankara und kein Tourismus mehr in die Türkei. Ich wünsche mir, dass wir Deutsche und Europäer das Rückgrat besitzen, jetzt nicht wegen eines billigen All-inclusive-Angebotes in die Türkei zu reisen. Mit Vernunft, aber auch konsequenter Vertretung unserer Standpunkte, wir sind keine Nazis mehr in Deutschland nach 70 Jahren, werden wir in Deutschland und Europa Erdogan entlarven. Im Internet habe ich gelesen, dass sein Geschichtslehrer verzweifelt, Erdogan habe gerade beim Kapitel des Nationalsozialismus immer geschlafen. „Er hat nichts verstanden“, so das Fazit seines ehemaligen Lehrers. Was soll man dazu noch sagen? Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir? 

Wolfgang Hohmann Weilheim

Erdogan und seinen politischen Freunden mangelt es an echtem, wirklichem Selbstwertgefühl und innerer Gelassenheit. Er kommt sich unverstanden und nicht ernst genommen vor. Er will nicht als schwach wahrgenommen werden, was er menschlich und als Persönlichkeit in Wirklichkeit ist. Er ist das Gegenteil von souverän und staatsmännisch. Dabei wirkt er wie ein rechthaberischer, trotziger, pubertierender Halbwüchsiger der unbedingte Aufmerksamkeit will. Dies erklärt sein flegelhaftes und rüpelhaftes Benehmen. Wie geht man mit einem Jugendlichen um, der solch ein Verhalten an den Tag legt? Wortgefechte sind sinnlos. Auf jeden Fall gibt man ihm nicht die Aufmerksamkeit, die er fordert. Ich würde sagen, man streicht ihm sein Taschengeld (EU-Milliarden) und lässt ihn schmollen – bis er wieder verträglicher ist. Wenn er gewalttätig und rachelüstern wird, muss man ihm mit härten Maßnahmen Grenzen setzen. Man fragt sich unweigerlich, was ist mit den Türken los? Warum ein Großteil den Verlockungen des starken Mannes nicht widerstehen kann? Da war doch was? Wir Deutschen haben auch einmal dem großen starken Führer zugejubelt, weil wir nach dem verlorenen 1. Weltkrieg als Nation und Gesellschaft am Boden lagen und mit unserer damaligen Situation unzufrieden waren. Ein Volk schreit nach einem starken Führer, wenn es selbst schwach ist. Unsere freiheitliche, demokratische, liberale, deutsche Gesellschaft zu der wir nach dem 2. Weltkrieg geworden sind, sollte mit so etwas umgehen können. Ich denke die Kanzlerin kann das, aber wir müssen sie dabei unterstützen. Unsere deutsch-türkischen Nachbarn werde ich nicht verdammen, aber Diskussionen sind nötig. Standpunkte werden ausgetauscht, teils leidenschaftlich, aber immer mit dem gebotenen Respekt vor einander. Die türkische Nation hat solch einen Führer nicht verdient, deshalb müssen sie sich kritisch mit ihm auseinander setzen. Trotzdem plädiere ich an die deutsche Politik endlich diese unselige, doppelte Staatsangehörigkeit abzuschaffen. Wer sich zu Deutschland und Europa bekennt, braucht keinen weiteren Pass. Dann wäre auch Schluss mit diesen türkischen Wahlkämpfen auf deutschem Boden. Also ihr Parteien – traut euch! 

Rudolf Brandl Erding

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