Sachlich berichten

Noch ist der Diesel im Spiel; Politik 23. FebruarMünchen Klaus Vick: Teuer – und kaum kontrollierbar; München 22. Februar

Im o.a. Artikel berichten Sie über die Verhandlung vor dem obersten Verwaltungsgericht in Leipzig und zitieren eine Erklärung des Bundesumweltministeriums vom Vortag: „Erst einen Tag vorher gibt das Umweltbundesamt bekannt: Rund 6000 Menschen in Deutschland sterben laut einer Studie pro Jahr vorzeitig an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die von Stickoxiden ausgelöst werden. Diesel sind die Hauptursache.“ Diese Aussage steht in krassem Gegensatz zur Meinung des Herrn Professors Hans Drexler, den Sie in Ihrem Artikel vom 14.02.2018, Seite 6, unter der Überschrift „Fahrverbote medizinisch nicht begründbar“ dankenswerterweise im Interview zu Wort kommen lassen: „Hans Drexler gehört zu denen, die Stickoxid-Grenzwerte für Arbeitsplätze in Deutschland festlegen. Der Erlangener Professor ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Arbeits- und Umweltmedizin, Deutschlands oberster Umweltmediziner sozusagen. ...“ mit der zentralen Aussage in diesem Artikel: Die Deutsche Umwelthilfe (Kläger im o.a. Verfahren, Anmerkung meinerseits) sagt, in Deutschland verursache NO2 jährlich 12 860 vorzeitige Todesfälle. Die Messstation mit dem höchsten Wert ist heute in München am Mittleren Ring, mit 78 Mikrogramm. Müssen Anwohner fürchten, krank zu werden und früher zu sterben? Tote, da entsteht Angst. Man sollte schon seriös bleiben. Zum einen, was heißt vorzeitige Todesfälle? Geht es um Jahre, Tage oder um Minuten verlorene Lebenszeit? Zum anderen halte ich diese Zahlen nicht für wissenschaftlich gut begründet. Durch Berechnungen von NOx auf Tote zu schließen, ist wissenschaftlich unseriös. Feinstaub ist ein Killer, das bleibt in den Zellen hängen, schadet der Lunge, verursacht Herzinfarkte. Aber NO2 ist kein Vorläufer von Feinstaub. Stickoxide kann man dem Diesel anlasten - Feinstaub nicht.“ Hoffentlich wird Herr Prof. Drexler vom Gericht als Sachverständiger gehört! Und hoffentlich berichtet der Münchner Merkur weiterhin so sachlich darüber! 

Dr.-Ing. Bernd F. Müller 

In der seit Monaten geführten heftigen Debatte um das Verbot von Dieselfahrzeugen in Stadtvierteln, deren Luft stark mit Stickoxiden belastet ist, spielt eine Frage, und zwar die wichtigste, so gut wie keine Rolle: Auf welche Weise und wie stark schädigt Stickoxid die Gesundheit? Aus den wenigen Andeutungen in der Diskussion scheint hervorzugehen, dass vor allem die Atemwege betroffen sind. Hier erhebt sich zunächst die Frage: An welchen Symptomen erkennt man eine Stickoxidvergiftung? Sind darunter Symptome, die für keine andere Erkrankung typisch sind (z.B. im Blutbild), sodass eine NO? - Vergiftung medizinisch eindeutig diagnostiziert werden kann? Sollte dies der Fall sein, folgt daraus die Frage: Tauchen diese typischen Symptome statistisch nachweisbar gehäuft in Wohngebieten mit besonders hoher Stickoxidbelastung auf, in München etwa an der Landshuter Allee? Dringend muss die Frage geklärt werden, worauf sich die Behauptung stützt, dass in Deutschland jährlich 6000 Todesfälle auf NO? - Vergiftung zurückzuführen seien. Liegen dafür ärztliche Zeugnisse vor? Wird in der offiziellen Statistik der Todesursachen NO? - Vergiftung überhaupt aufgeführt? Ferner ist unbekannt, ob die Brüsseler Behörde den Grenzwert von 40 Mikrogramm NO? pro Kubikmeter Luft nach medizinisch - wissenschaftlichen Gesichtspunkten unter Mitwirkung von Ärzten festgelegt hat. Das scheint sehr zweifelhaft, wenn man bedenkt, dass die deutsche Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin eine Konzentration von bis zu 950 Mikrogramm NO? pro Kubikmeter am Arbeitsplatz für ungefährlich hält, also etwa das 24 - fache des Brüsseler Wertes. Es drängt sich der Eindruck auf, dass die jetzige Dieseldebatte auf äußerst dürftigen und unsicheren wissenschaftlichen Grundlagen geführt wird. Dabei ist es für unsere Politiker und Richter entscheidend, ob sie auf die erwähnten Fragen die zutreffenden Antworten kennen. Nur so können sie den anstehenden Problemen gerecht werden. 

Fritz Egger München

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