Rufer in der Irrationalitätswüste

Dirk Ippen; Keine Angst vor dem Diesel; Kolumne Politik 24./25. Februar

Mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel gelesen. Auch ich habe in August einen neuen Diesel Euro 6 gekauft, weil ich eigentlich nicht glauben wollte, dass so viele deutsche Politiker keine brauchbaren Argumente haben. Ich habe viele Jahre in Italien gelebt und dort ist man sich dessen bewusst, dass aus der Politik nicht mehr als dumme Redereien und Entscheidungen kommen, welche einzig und allein der eigenen Partei nützlich sind. Wenn ich richtig informiert bin, hat VW in Amerika 24 Milliarden bezahlen müssen. Eine Umrüstung der in Frage kommenden Dieselfahrzeuge würde in Deutschland auch 24 Milliarden kosten. Mein Vorschlag wäre diese Kosten auf drei Beteiligte aufzuteilen. Das heißt Politik, Industrie und Fahrzeughalter. Rein logisch müssten viele Fahrzeughalter auch Interesse an einer Umrüstung haben (800–1000 Euro), zumal sie mit wenig Geld vermeiden würden, wesentlich teurere Anschaffungen zu finanzieren. Das Interesse von Politik und Industrie dürfte klar sein. Allerdings verstehe ich nicht warum man vonseiten der Politiker solange brauchen würde (man spricht von 2 Jahren) bis geeignete Gesetze für eine schnelle Umrüstung verabschiedet werden könnten. 

Hans Palzenberger München

Herzlichen Glückwunsch zu diesem bestens recherchierten und sachlich gut verständlichen Beitrag. Als ein von einem etwaigen Dieselfahrverbot nicht betroffener gebürtigen Münchner (und das seit vielen Generationen) verstehe ich die Verantwortlichen der hiesigen Politik nicht, die sich trotz besseren Wissens einfach über die in diesem Beitrag genannten Tatsachen hinwegsetzen und gebetsmühlenartig ihr Schreckensszenario über die Luftverpestung immer wieder wiederholen und nochmals wiederholen, solange bis sie es selbst glauben. Sicher ist die Verkehrsbelastung hier in München und speziell an der Landshuter Allee sehr groß; viele Wohnungen dort wurden aber erst dann gebaut, als es diesen Verkehrssammler schon gab. Und wenn die von uns gewählten Vertreter im Stadtrat der Verantwortung gerecht würden, die Ihnen von ihren Wählern auferlegt worden ist, dann müssten die sich zuerst um die hier schon bestehenden Probleme intensiv kümmern und München in seinen nicht mehr erweiterbaren Grenzen zum Schaden der heute hier lebenden Bevölkerung nicht immer noch mehr mit Verdichtung und neuen Wohngebieten und Zuzug aufblähen und damit zusätzlichen Verkehr mit den entsprechenden Belastungen schaffen. 

Karlheinz Wildenrother München 

Dieselmotoren hat man nun als Umweltsünder ausgemacht. Aber stimmt das wirklich? Diese Motorenart verbraucht deutlich weniger Sprit und hat geringe CO2-Emissionen. Pauschale Fahrverbote in manche Innenstädte drohen. Aber ist das jeden Tag so, auch wenn es windig ist? Als Nächstes wird man vielleicht den schädlichen Gummiabrieb der Autoreifen ins Visier nehmen? Da gibt es ferner die militanten Tierschützer, die Pferde und Kühe von ihrer eingezäunten Weide „befreien“. Diese Tiere verenden dann oft jämmerlich. Die selbst ernannten Baumschützer sehen tatenlos zu, wenn zum Beispiel Biber, wie am Staffelsee, 3000 Bäume schädigen. Wenn aber für eine Straße 10 Bäume gefällt werden müssen, dann gibt es Protestaktionen. Ebenso gibt es Protestaktionen, wenn kriminelle Asylsuchende wieder in ihre Heimat abgeschoben werden. Wer von den Protestierern geht denn auf die Straße, wenn es um körperverletzende Angriffe gegen Nothelfer und Polizisten geht? Ich könnte noch mehr Beispiele aufzeigen, die nachdenklich stimmen. 

Michael W. Wolf Gauting

Mit Ihrem kritischen, aber ausgewogenen Beitrag haben Sie vielen unserer Landsleute – es könnte auch heißen, „wie wir es sehen“ – aus der Seele gesprochen. Dazu muss man kein Auto-Fan sein oder der Auto-Lobby angehören. Der gesundheitliche Gesamtaspekt ist bisher bei der Betrachtung der Emissionen von Dieselfahrzeugen zu kurz gekommen. Zu Recht haben Sie - abgesehen von dem geringeren Ausstoß von Kohlendioxid bei Dieselautos - auf den vergleichsweise hohen, festgelegten Grenzwert von Stickoxid am Arbeitsplatz verwiesen. Ich habe allerdings meine Zweifel, ob im zu erwartenden Urteil des Bundesverwaltungsgerichts dies ausreichend berücksichtigt wird. Vielleicht wäre eine Entscheidung am Europäischen Gerichtshof doch die bessere Lösung. Es muss hier doch eine europäische Lösung gefunden werden. Das Problem der Emissionen stellt sich europaweit in allen Ballungsgebieten. Es berührt seltsam, dass wir darüber in der Presse so gut wie nichts hören. Vielleicht wird dort weniger oder gar nicht gemessen oder unsere Nachbarländer sehen das Ganze viel pragmatischer. Ist es nicht bezeichnend für unsere Nation, dass bei der Festlegung von europäischen Gesetzen bzw. Richtlinien Deutschland fast durchweg den Vorreiter spielt? 

Dr. Rüdiger Arnold München

Vielen Dank für Ihre Samstagskolumne! Leider sind Sie ein einsamer Rufer in der Irrationalitätswüste. Man regt sich lieber über ungefährliche Affen- und (freiwillige) Studenten-Experimente auf, als einmal zu hinterfragen, wie dieser völlig unbegründete Brüsseler Grenzwert von 40µg/Kubikmeter wohl zustande kam. Schon der Vergleich mit dem deutschen Bürogrenzwert spricht ja Bände. Dass ein moderner Diesel 30 % weniger CO2 ausstößt als ein Benziner gleicher Leistung ist auf einmal egal, NOx ist das neue Maß allen Umweltschutzes. Und Frau Merkel (und ihre GroKo) schweigt dazu und nimmt den lächerlichen Brüsseler NOx-Grenzwert einfach hin, obwohl Sie doch die Klimaschutzkanzlerin sein wollte und will: Energiewende! Promotion in Physik und spätere Amnesie sollen ja leider vorkommen. 

Dr. Peter Jochum Herrsching-Breitbrunn

Hervorragende Samstagskolumne! Nur – liest das die Mehrzahl und versteht das auch jeder, dass nur von dieser DUH, 250 Mitglieder, von japanischen Autoherstellern finanziert, dieser Aufstand verursacht wurde? Darf ich in Zukunft auch nicht mehr bremsen – Abrieb! Mein Kachelofen – um Himmelswillen! Meine Ölheizung! Wie steht es mit den uralten Diesellokomotiven, die täglich nach München fahren? Kein Kommentar! Kreuzfahrtschiffe – die größten Dreckschleudern – kein Kommentar! Die Vielzahl der Baumaschinen in der Stadt, alle ohne Kat - kein Kommentar. Die ausländischen Pkw interessiert unser Hype nicht. Und bestimmt haben alle polnischen, bulgarischen und lettischen Lkw die entsprechenden Filter, besonders aber die kleineren rumänischen Transporter (keine rassistische Bemerkung). Auch ich habe mir vor knapp einem Jahr einen neuen Diesel, Euro 6 von einem bayerischen Hersteller gekauft. Ich habe kein schlechtes Gewissen deshalb. Außerdem fahre ich als Rentner fast nur über Land, solange auch das noch erlaubt ist, wer weiß! 

Günter Vogel Rott/Inn

Ihre Ausführungen treffen voll ins Schwarze. Es wird Zeit, dass wir solche Themen auf Basis der technischen und physikalischen Fakten diskutieren. Aber die Rolle unserer Autoindustrie sehe ich - als sonst „Marktwirtschaftler“ - deutlich kritischer: Sie hat in schändlicher Weise agiert und das Vertrauen der Leute in die Wirtschaft massiv zerstört. Unsere zuständigen staatlichen Stellen haben bei der Festsetzung von Messmethoden zur Abgasmessung vollständig versagt und damit niemals Praxisbedingungen zugrunde gelegt. Wenn jetzt allerdings deutsche Technik-Professoren interviewt werden und entsprechende Erklärungen abgeben, dann stellt sich schon die Frage: Warum wird eine doch hoffentlich vorhandene und auch vom Staat bezahlte Kompetenz nicht dazu hergenommen, realistische Grenzwerte festzusetzen und auch entsprechende Kontrollmechanismen festzulegen? Jedenfalls haben unsere Autofirmen jahrelang die bereits vorhandene Technik nicht genutzt und Autos abgastechnisch nur auf eine Vorschrift hin getrimmt, die niemals dem Praxiseinsatz entspricht, jederzeit zulässt, dass die Abgasreinigung abgeschaltet wird, wenn der Autohersteller dies möchte (zum Beispiel, wenn er den Motor in Gefahr sieht) Mit diesen Rahmenbedingungen wurde u.a. erreicht, dass nicht so viel Ad Blue wie nötig für eine gute Abgasreinigung beim Diesel eingesetzt wird, sondern nur so viel, dass zwischen den Serviceterminen das umständliche Ad Blue-Nachfüllen nicht notwendig wird. So konnte man auf kleinere Ad Blue Vorratsbehälter im Auto zurückgreifen. 

Volkmar Döring Unterwössen

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