Debatte um Diesel-Autos

Martin Prem: Genau hinsehen; Kommentar 28. Februar, Dirk Ippen: Keine Angst vor dem Diesel; Kolumne Politik 24./25. Februar

Mit Ihrem Zeitungs-Artikel treffen Sie den Nagel wieder einmal auf den Kopf. Die Brüsseler Bürokratie ist mit ihrer erlassenen Luftqualitätsrichtlinie (2008/EG) in ihrer blinden Regelungswut weit über das Ziel hinausgeschossen. Und unsere deutschen Landesregierungen und Behörden nehmen in bekannter Political Correctness und Unterwürfigkeit diese Strangulierung ohne Nachprüfung bereitwilligst an. Die Konsequenzen haben unter anderem jetzt Millionen Diesel-Pkw-Besitzer als trottelige Buhmänner zu ertragen. Ich rege an, sich eine Vorstellung zu machen von der Dimension der viel besprochenen 40 Mikrogramm NO2. Um einen Begriff von dieser winzigen Gift-Menge zu bekommen, sollte man anstelle von NO2 einmal einen giftigeren, chemischen Verwandten Salpetersäure HNO3 als 40 Mikrogramm-Tröpfchen auf einem Tröpfchen Wasser auf die Zunge nehmen und auch schlucken. Man würde gleich und auch später überhaupt nichts merken. Wir werden leider von inkompetenten, wichtigtuenden, panischen Politikern total verunsichert und verdummt nebst der Verursachung von horrendem wirtschaftlichem Schaden für alle Diesel-Pkw-Fahrer. 

Gerd Höglinger Rosenheim

Ich verstehe die Hysterie der Politik und Medien über den Gerichtsbeschluss von Leipzig über das Fahrverbot nur zum Teil. Das Problem ließe sich rasch und einfach lösen, wenn Frau Merkel und ihr Gefolge öffentlich zugeben würden, dass sie seit 2008 der Kfz-Industrie zu viel Freiraum gelassen hatten! Selbst hier 2013 den heimischen Autofahrern zu versprechen, dass der CO2-Ausstoß krass reduziert werde, eine Woche später aber in der EU dagegen zu stimmen, hat mich wirklich verärgert. Spätestens jetzt aber müsste sich Frau Merkel errötend eingestehen und öffentlich bekennen, einen Fehler gemacht zu haben, allen Mut zu zeigen und der Kfz-Industrie als betrügerischer Verursacher das Diktat aufdrücken, die Dieselmotoren Klasse 5 und 6 sofort mit der neuen Technologie auf eigene Kosten nachzurüsten. Binnen eines halben Jahres wäre mit dieser Maßnahme das Dilemma erledigt, anstatt einen Stufenplan zur Reduzierung der Stickoxide zu empfehlen. Auf der Strecke jedoch blieben die ärmeren Verkehrsteilnehmer, die ältere Dieselwagen fahren. 

Jörg Hager Rottach-Egern

Unter dem Motto „immer höher, schneller, weiter“ wurden prestigeträchtige Firmenansiedlungen und Projekte bei einer allein auf Wirtschaftswachstum ausgerichteten Regierung gefördert. Die Verkehrsinfrastruktur bleibt auf der Strecke, weil das die Angelegenheit der Kommunen ist, die die finanziellen Mittel dafür nicht locker machen können (es sei denn, sie stimmen für die Startbahn 3), aber damit den Schwarzen Peter in Händen haben. Schaffen es unsere beratungsresistenten Politiker noch zu einer Kehrtwende und setzen ihre Schaffenskraft auf die Förderung strukturschwacher Gebiete, um Abwanderungen in ohnehin übersiedelte, teure, luftverschmutzte und gesundheitsgefährdende Ballungsgebiete zu vermeiden? Die Hoffnung auf eine göttliche Eingebung stirbt zuletzt. Fahrverbote sind jetzt wohl das letzte Mittel der Justiz, den Politikern und deren einseitige Verkehrs- und Wirtschaftspolitik der letzten Jahre Grenzen des Wachstums aufzuzeigen. Man stelle sich vor, die Startbahn 3 wird gebaut und keiner kann Fliegen, da die Luftverschmutzung so groß geworden ist, dass wegen Überschreitung von Grenzwerten der EU weder Fahrzeuge vom und zum Flughafen bewegt noch Flugzeuge starten und landen dürfen. Aber bis das eintritt, werden die Entscheider nicht mehr im Großraum München leben, sondern dort, wo die Luft noch sauber ist. Die Entscheider dieser verfehlten Politik können sich das leisten, da es kaum arme Politiker gibt. Nur die bis dahin verarmte und von Hartz IV lebende Bevölkerung, die mit der Aussicht auf gut bezahlte Jobs in den Großraum München gelockt wurden, nicht. Sie bekommen, wenn überhaupt, ein Sauerstoffgerät von der Kasse (gegen Aufpreis mit frischer Luft). Wie naiv ist unser vermeintlich künftiger (hoffentlich bis dahin kurzzeitiger) Ministerpräsident, wenn er meint, die Wähler würden diese Frage im anstehenden Wahlkampf vergessen? Wähler vergessen nicht! Die Klatsche kommt: CSU unter 30 %! Wetten, dass...? 

Franz Senger Freising

Sehr geehrter Herr Dr. Ippen, besten Dank für diese Kolumne, mit der Sie sehr vielen Bürgern aus der Seele sprechen, indem Sie die Tatsachen deutlich machen. Sie sehen diese Zustimmung ja auch an den Zuschriften – es sind gewiss sehr viele. Sehr zu bedauern ist allerdings, dass die Verwaltungsrichter nicht – wie Sie gehofft hatten – den Fall an EU-Gerichte verwiesen, sondern ein für uns Bürger sehr ungutes Urteil gefällt haben. Wieder einmal wird hier Arm und Reich sauber getrennt: Die einen können sich ein neues Auto kaufen, es von den Steuern absetzen zulasten der Armen, ebenso wie die Spritkosten - die anderen werden kaum wissen, was sie in der kommenden Zeit tun sollen. Ausnahmeregelungen helfen weder Rentnern noch Vertretern, die ihre Warenbücher mitführen müssen, noch den Pendlern, die mit dem MVV die doppelte Zeit brauchen. Handwerkerkosten werden noch steigen, wenn man überhaupt noch einen bekommt. Niemand kann heute noch sagen, dass ein Diesel derart stinkt, wie dies früher der Fall war. Aber weil Deutschlands Automobilindustrie der Vater des Diesels ist, wie Sie richtig schreiben, bemüht sich die japanische Konkurrenz mithilfe der „Deutschen Umwelthilfe“, diese erfolgreiche Technik kaputtzumachen. Und einige Parteien und eine bestimmte Klientel, die nicht stolz auf unser Vaterland sein möchten, freuen sich über eine weitere Möglichkeit, unsere Wirtschaft zu zerstören. Weitsicht ist ihnen fremd. 

Andrea von Beaulieu Marconnay Petershausen

Luft zum Atmen brauchen wir alle, reine Luft wäre ein Stück Lebensqualität. Unerreichbar? Nun, man kann dazu beitragen und nicht nur durch ein Fahrverbot der Dieselautos. Wie wäre es, wenn man eine neue Autobenutzungsregelung für die Innenräume der Städte anordnen würde? Zum Beispiel an geraden Tagen des Monats, also mit der Endzahl 2./4./6./8. usw. dürfen nur die Autos mit einer geraden Endzahl ihrer Autonummer, also ebenso 2/4/6/8 benutzt werden und an ungeraden Tagen des Monats, also die Endzahl 3,5,7,9 nur die Autos mit der Endzahl 3,5,7,9. Die Null am Ende der Autonummer könnte einem bestimmten Wochentag zugeordnet werden. Und das sollte für alle Autos gelten, nicht nur für Diesel betriebene. Und einen Sonntag im Monat ganz ohne Autos – gab’s das nicht schon mal? 

Marlisa Thumm München

Drei Hauptkomponenten für Feinstaub: Reifenabrieb, Bremsbelagabrieb, Kraftstoff-Restemission. Alle drei sind gewichtsabhängig. Insgesamt spielt die Kraftstoffart im Straßenverkehr keine dominierende Rolle, weil der Flugverkehr gewaltig mitmischt. Beim Kraftstoff anzusetzen, ist wie üblich reiner Aktivismus. Nur eine Gewichtsreduktion der bewegten Massen hilft nachhaltig. Ferdinand Piëch hatte es kapiert. Die Betonköpfe des „schneller, höher, weiter, mehr“ haben auch hier den Karren in den Dreck gefahren. Fahrgeräte mit 2,5 Tonnen, um einen Hintern von A nach B zu bewegen, sind einfach kriminell dumm. Aber hier müsste man ja umdenken. Und wer tut das schon gern? 

Bernd Hausmaninger München

Bayern will keine Fahrverbote. Kunststück, im Herbst sind ja Wahlen, und bis dahin will man es sich mit dem Wähler nicht verscherzen! Aber dann! Unsere Autoindustrie produziert Dreckschleudern, verkauft sie für teures Geld und exportiert diese auch noch straffrei. Der deutsche Autokäufer hat für diese Karren sein sauer erarbeitetes Geld hingeblättert und kann bei einem Fahrverbot zusehen, wie er von A nach B kommt. Bekommt er dann, nachdem das staatlich verordnete Fahrverbot angeordnet ist, auch seine Kfz-Steuern zurück? Bestimmt nicht! Was lassen wir Deutschen uns noch alles gefallen? Wir kleben gelbe und grüne Plaketten an die Windschutzscheibe, jetzt kommt noch eine blaue dazu. Dafür braucht man bestimmt wieder ein eigenes Ministerium und tausende von Beamten zur Überwachung. Die blaue Plakette muss beantragt werden, und das bestimmt jedes Jahr aufs Neue. Bezahlen dürfen wir sowieso, und die Autoindustrie und Aktionäre lachen sich ins Fäustchen. Dann sammeln wir noch den von der Industrie erzeugten Dreck, bezahlen diesen beim Einkauf, schleppen ihn nach Hause, und entsorgen ihn in grauen, braunen, blauen oder gelben Tonnen und zahlen noch mal. Vielleicht kommt demnächst einer auf die Idee, dass wir rote, blaue, und grüne Pappnasen tragen müssen. Für zuhause gibt’s dann gelbe? Und wenn es an der Türe klingelt, vor den Öffnen die gelbe Pappnase aufsetzen, denn es könnte ja ein staatlicher Kontrolleur dastehen, und dann zahlen sie wieder! Da fehlt’s doch im Oberstübchen! 

Edeltraud Hartl Puchheim

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