Skepsis gegenüber einer Abwrackprämie

Martin Prem: Kompletter Unfug; Kommentar, Manuela Dollinger: Die Umstiegsprämien der Autobauer; Wirtschaft 9. August

Warum kompletter Unfug? Die ausgelobte Verschrottungsprämie der Autoindustrie ist wenigstens der Versuch zur einer (wieder) vertrauensbildenden Maßnahme für ihre Kunden. Was wäre stattdessen die Alternative gewesen? Ohne diese Maßnahme wären die Diesel-PKWs mit der Abgasnorm 1 bis 4 von heute auf morgen wegen eines möglichen Fahrverbots wertlos geworden. Und nicht nur diese. Auch die mit Norm 5 bis 6 würden massiv an Wert verlieren. Niemand könnte sie mehr zu einem angemessenen Preis verkaufen; viele Existenzen wären ernsthaft bedroht. Gleichlautend würde die Herstellung von Dieselfahrzeugen extrem einbrechen. Im Kontext gingen Tausende von Arbeitsplätzen verloren. Immerhin hängt rd. jeder 12 Arbeitsplatz in Deutschland von der Automobilindustrie ab (Quelle: Internet Wirtschafts Woche). Die jetzt vorgesehene Regelung ist unter Umweltgesichtspunkten zwar nicht das Gelbe vom Ei; aber allemal besser zu ertragen, als ein gewaltiges Chaos in der Automobilindustrie. Natürlich stellt die Verschrottung und Produktion von PKWs eine Umweltbelastung dar. Aber gilt dies allein für die Dieselfahrzeuge? Nur zur Erinnerung: auch E-Fahrzeuge müssen irgendwann verschrottet werden!

 Helmut Schmidt Baldham

Sehr geehrter Herr Prem, wieder besten Dank für Ihren großen Einsatz um Aufklärung! Man gewinnt leider den schrecklichen Eindruck, dass Sie ein Einzelkämpfer in der Wüste Deutschland / Europa sind. Jedem einzelnen Satz in Ihrem Kommentar stimme ich zu, besonders: „zu wenig Wissen und zu viel Glauben für einen Eingriff in Grundrechte“ und Ihrer Erwähnung der riesigen Umweltbelastung durch die Verschrottungsorgie. Zu ergänzen ist jedoch unbedingt die absolute Fehlanzeige der sozialen Gerechtigkeit dabei, von der unter anderem Martin Schulz immer redet, ohne sie zu wollen, und die eigentlich von allen Parteien missachtet wird. Wie soll den ein kleiner Betrieb, eine Privatperson/Pendler, ein(e) Rentner(in) sich einen Neuwagen leisten – egal wie hoch der Zuschuss ist? 

Andrea von Beaulieu Marconnay Petershausen

Es gab einmal eine Fernsehserie mit dem Namen Nepper, Schlepper, Bauernfänger. In dieser Sendung wurde vor Betrügern und deren Tricks gewarnt und zu dieser Sendung würde das Thema Umstiegsprämie passen. Wenn schon der ADAC vom Kauf neuer Dieselautos bis auf Weiteres abrät, dann sollte die Umstiegsprämie Autofahrer nicht dazu verleiten, einen dreckigen EURO-6-Diesel mit seinem viel zu kleinen Harnstofftank zu kaufen. „Wer sich heute für einen Euro-6-Diesel entscheidet, kauft die Katze im Sack“, kommentierte Institutsleiter Ferdinand Dudenhöffer die Testergebnisse des Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen. Es stellt sich sowieso die Frage, ob der Diesel jemals sauber zu bekommen ist? Woran erkennt man, dass ein Diesel-Auto eine Dreckschleuder ist? Nicht am Auspuff, sondern an den vorgeschriebenen Grenzwerten. Verkehrsbedingte Stickoxid-Emissionen sind in den vergangenen 25 Jahren in Deutschland um siebzig Prozent zurückgegangen. Doch noch schneller als die Schadstoffe sanken die maximal erlaubten Verschmutzungsmengen, weshalb der Ingenieur säubern kann, wie und was er will: Sein Diesel bleibt immer eine Dreckschleuder, sollte der technische Fortschritt auch noch so überwältigend sein. Und ob der von der Bundesregierung weichgespülte Standard Euro-6-Diesel kurzfristig Abhilfe schaffen wird, ist bei der Kungelei mit den Autobauern und deren Tricks mehr als zweifelhaft. Wie viel ist uns unsere Gesundheit wert? Genau 2000 bis 10 000 Euro je Dreckschleuder!

 Peter Mühlberger München

Diese Überschrift hat mich wirklich geärgert. Selbstverständlich muss man den Dieselfahrern entgegenkommen, wenn gegen Gesetze verstoßen wurde. Aber: Bezahlen tun wir das alle als Steuerzahler. Den Pfusch hat die Autoindustrie bewusst gemacht und dann muss sie auch dafür geradestehen. Dass man es anders machen kann, hat die Konkurrenz (Ford und wohl etliche Ausländer) gezeigt. 

Karlheinz Winter Vaterstetten

Der Vorgang Austausch Altdiesel (noch brauchbar) gegen Neudiesel (vermutlich besser bezüglich Abgase) ist bestenfalls in Bezug auf Umweltverschmutzung ein Nullsummenspiel und eher negativ bezüglich Materialverbrauch, Energie- und Umweltverschmutzung. Nur Politiker beruhigt das und einige, welche die verlockende Prämie annehmen, haben Vorteile. Abwracken im motorisierten Kreislauf (also weg mit Fahrzeugen die eigentlich noch brauchbar sind und ihre Dienste tun) ist Vernichtung von Volksvermögen, ist Energieverbrauch und damit Umweltverschmutzung und vorgezogene Vermehrung von Schrott aller Arten. Das gilt auch für die Neuherstellung des Austausch-Wagens in voller Breite. Jede Produktion geht einher mit Umweltverschmutzung. Das alles sollte einmal wissenschaftlich aufgearbeitet werden, statt momentan in einer Abwrackprämie die Lösung des Problems der Abgas-Umweltbelastung zusehen. 

Otto Böhm Starnberg

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