Nach dem Diesel-Gipfel

Martin Prem: Die Zeugnisverteilung; Kommentar, Was Autofahrer jetzt wissen sollten; Wirtschaft 4. August

Dieselbetrug hin oder her, allein die Tatsache, dass man spekulieren, diskutieren und letztlich recherchieren muss, ob nun das Wasser noch trinkbar ist, Glyphosat lässt grüßen, Nahrungsmittel noch genießbar sind, Eierskandale und Massentierquälerei, und die Luft noch atembar ist, man beachte den abwegigen Vergleich mit dem Rattenverhalten, fragt man sich schon, wie naturentwöhnt und krank unsere Gesellschaft ist. Heinrich Heine um 1844 wird es mir verzeihen: Denke ich an unsere Welt in der Nacht, sehe ich Gier, Neid und Macht und bin um den Schlaf gebracht. 

Friedrich Drechsler Grafing

Dieselschande? Muss man unsere Politikerentscheidungen verstehen? Wir wollen immer die Ersten und die Besten sein und unsere Politiker treffen dadurch Entscheidungen, die nur sehr schlecht nachvollziehbar sind. Wir wollen nur sauberen Strom, daher schalten wir unsere sicheren und sauberen Atommeiler ab und kaufen lieber unseren Strom von den Nachbarstaaten mit den lebensgefährlichen Meiler. Wir haben die saubersten Dieselmotoren, verteufeln aber diese. Unsere Politiker interessiert aber nicht, mit welchen Dreckschleudern andere Nationen auf unseren Straßen sich bewegen und unsere Luft wirklich verpesten. Weil wir haben ja alles getan, was möglich ist, auch wenn wir durch solche Entscheidungen einen Teil unserer Wirtschaft verunglimpfen und kaputt machen. Ganz abgesehen davon, wer kann sich denn sofort ein neues Auto kaufen? Vor allem welches, bzw. mit welchem Motor. Auto mit Akkuantrieb haben zwar keine Abgase, aber die Herstellung der Batterien ist sehr kostspielig und die Entsorgung der dann anfallenden Massen an Batterien noch gar nicht gewährleistet, bzw. sehr teuer. Wir Deutschen haben es ja und jeder von uns kann sich jederzeit ein Stromauto (ab 30 000 Euro) vor die Haustüre stellen. Also bleibt mal endlich auf dem Teppich und in der Realität. 

Josef Schulz Olching

Man kann Herrn Prem nur zustimmen, wenn er das ganze Theater um den Diesel als deutsche Selbstzerfleischung zur Freude all unserer Konkurrenten bezeichnet. In einem muss man ihm aber widersprechen: Bei der „Zeugnisverteilung“ waren nicht fünf deutsche Spitzenpolitiker aktiv. Spitzenpolitiker im Sinne von Qualifikation für ihr jeweiliges Amt haben wir schon lange kaum noch, jedenfalls bestimmt nicht die, die bei diesem beschämenden Dieselgipfel das Wort führten. Dobrindt, Hendricks und Genossen wollen doch gar nicht sachbezogen, sondern nur ideologisch und populistisch argumentieren. Sie verletzen ihren Amtseid, indem sie gegen wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse diesen Unsinn von der Gesundheitsgefährdung durch den Diesel fabulieren. 

Dr. Claus Helbig München

Das war wirklich der Gipfel! Warum bremsen weder die Politik noch die Staatsanwaltschaft die Auto-Bosse? Es hätte für diese doch eine Frage der Ehre sein müssen, den vorsätzlich betrogenen Autobesitzern die bestmögliche Abgas-Reinigung anzubieten. Das ist die technisch machbare Hardware-Lösung mit Ad-Blue-Zusatztank für 1500 €. Für die Betroffenen natürlich kostenlos. Man kann doch nicht ernsthaft den Leuten Autos verkaufen, die sie vielleicht vom ersten Tag an in Ihrer Stadt nicht benutzen dürfen! Und dann den oberdreisten Vorschlag machen, die Kunden sollten sich einen emissionsfreien Neuwagen kaufen! Die Sicherung von Arbeitsplätzen kann doch nicht Freibrief für gigantischen Betrug sein! Übrigens wäre das Geld für die Hardware-Lösung da, wenn die zu erwartenden Kartell-Strafen hierfür eingesetzt würden. Warum soll die Politik für ihre Kumpanei mit dieser Lügenbranche noch durch Einnahme von Bußgeldern belohnt werden? 

Andreas Weitkamp Neubiberg

Es ist unverständlich, dass Dieselfahrzeuge verteufelt werden, während Luftverschmutzung durch Flug- und Schiffsverkehr offensichtlich toleriert wird. Handwerker und Pendler sind auf effiziente Dieselfahrzeuge angewiesen. Diese sollten nicht die Leidtragenden der Manipulation der Schadstoffwerte durch die Automobilindustrie sein. Man beachte aber im Vergleich den enormen CO2-Ausstoß der Flugzeuge. Des Weiteren erfolgt unverständlicherweise keine Versteuerung des Kerosins und Billigflüge werden auf Kosten der Steuerzahler subventioniert. Schiffe fahren zudem mit extrem umweltfeindlichem Schweröl. In der Vergangenheit wurde massivst versäumt, einen Großteil des Personen- und Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene zu verlegen (folglich volle Autobahnen durch Lkw sowie Dauerstörungen und Überfüllung der S-Bahn im Großraum München). 

Theresa Rottenfußer Markt Indersdorf

Wer denn glaubte, dass bei diesem Gipfel und der Zusammensetzung des Gipfels mit oder ohne Merkel irgendetwas bzw. etwas Konkretes für die betrogenen, ach was, beschissenen Dieselfahrer heraus kommt, glaubt auch noch an den Osterhasen. Das Verwirrspiel mit den endlosen Zahlen um CO2 und Stickoxyden von Benzinern und Diesel ist gewollt und wirklich auskennen tun sich kaum welche. Das CO2 der Benziner schade der Umwelt und dem Klima, da ist der Diesel besser und sauberer. Der macht aber wieder Stickoxyde, egal, dafür können wir eine dritte Startbahn bauen und noch ein paar neue Flieger und Großstinker hinstellen. Den Schaden durch die Wertverluste und Kosten für Großkotz-Projekte zahlt sowieso der blöde Wähler und Steuerzahler. Der Schwindel mit der E-Technologie zugunsten der Umwelt ist doch was für Leichtgläubige und noch lange nicht ausgereift, genau wie die überhastete Energiewende. Da saßen welche beieinander, auf einer Seite die Abgas-Betrüger im feinen Zwirn, die den Milliardenschaden verursachten und gegenüber unseren Lobbyisten, die dringend vor den Wahlen noch irgendetwas vorweisen müssen. Als Erstes schon mal ein bisschen Angst machen mit Wegfall von zigtausend Arbeitsplätzen, nicht mehr so hohe Partei-Spenden oder gar keine, falls die Politik zu pampig werden sollte. Da sitzen unsere Volksvertreter in der Klemme und bekommen hohnlächelnd ein bisschen neue Software versprochen, aber nur versprochen, zulasten der Herstellerfirmen natürlich und nicht von ihren Boni. Die Tausender Euro (drei)/Tag braucht man schon selber. Schaut her liebe Wähler, was wir für Euch erkämpft haben. Zum großen Glück für unsere sog. demokratischen Volksvertreter demontiert sich die AfD immer wieder regelmäßig selber, weil auch da nur profilierungssüchtige Kompetenzsimulanten am Werke sind. 

Franz Bauer Freising

Der vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales beauftragte Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) hat in der TRGS 900 die maximale Arbeitsplatzkonzentration (MAK-Wert) für NO2 in Innenräumen auf 950 µg/m³ festgelegt. Diese Festlegung scheint seit vielen Jahren unproblematisch zu sein und wurde auch bei der letzten Überarbeitung am 08.06.2017 weiter als Grenzwert bestätigt. Die Berufsgenossenschaften hätten sonst bei einer Zunahme von NO2-bedingten Erkrankungen diesen Grenzwert schon längst anpassen lassen. Der Arbeitsplatzgrenzwert liegt übrigens bei der übergeordneten EU-Richtlinie 2017/167/EU mit 960 µg/m³ sogar geringfügig höher. Im Jahr 2008 hat die Europäische Union die Richtlinie 2008/50/EG verabschiedet und darin einen max. Jahresmittelwert für NO2 in der Luft im Freien von 40µg/m³ fixiert. In nationales Recht wurde dies in der 39. BImSchV von 2010 umgesetzt. Seitdem gilt für die Luft am Arbeitsplatz ein mehr als zwanzigfach höherer Grenzwert als für die Luft im Freien! Innerhalb 24h verteilen sich die 960µg/m³ zwar wieder auf durchschnittlich 40µg/m³. Aber ob eine stündliche Aufnahme 120µg/m³ während eines Arbeitstages zuträglich ist, bezweifle ich doch etwas. Auf der Seite des Umweltbundesamtes ist nachzulesen, dass je nach Lage der Messstation Jahresmittelwerte von 30-60 µg/m³ gemessen werden. Somit gemäß TRGS 900 kein Problem, gemäß 39. BImSchV schon. Sieht denn hier niemand einen eklatanten Widerspruch? Kann man das bitte erst mal klären, statt im wilden Aktionismus gleich Fahrverbote zu verhängen und Diesel zu verteufeln? Übereifrige grüne Politiker, Umweltverbände und Medien ignorieren diese diskussionswürdige Tatsache und beharren in Panik und Hysterie auf der Einhaltung der 40µg und argumentieren mit angeblichen zehntausenden Todesfällen, durch zu stark belastete Luft. Die Berufsempörer sollten sich mal den Schaum vom Mund abwischen und dann sachlich nach Fakten recherchieren, die mit ein wenig Mühe recht einfach zu finden sind. Aber offenbar ist es heutzutage für einen Teil der Gesellschaft einfacher, demjenigen ungeprüft zu glauben, der am lautesten plärrt und sei der Blödsinn noch so groß. 

Erwin Strotzer Isen

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