Diskussion um „Ehe für alle“

Diskussion um „Ehe für alle“

Keine „Ehe für alle“!; Leserforum 29. Juni, Christian Deutschländer: Der Bundestag und die „Ehe für alle“: Im Kern konservativ; Kommentar und „Ehe für alle“ kommt im Eiltempo; Titelseite 28. Juni

Mit Erstaunen lese ich seit zwei Tagen die fast durchwegs negativen Leserbriefe gegen die „Ehe für alle“. An der Berichterstattung der Zeitung kann es nicht liegen, die war wie immer sachlich und offen, wofür ich sie sehr schätze.

Schaut man genauer hin, fallen drei Dinge auf: Es schreiben hauptsächlich Männer, die Beiträge kommen aus dem eher ländlichen Bereich, wo man sich mit solchen Kommentaren leichter profilieren kann, und fast alle beklagen den Verlust der christlichen Werte. Letzteres ist eine unglaublich arrogante Scheinheiligkeit, werden doch zwei Drittel der Bevölkerung (Evangelische, Bekenntnislose, die mit dem Thema kein Problem haben) einfach vereinnahmt. Dass es bei uns zu Recht eine Trennung von Kirche und Staat (Sakrament und Gesetz) gibt, wird einfach ignoriert, ebenso, dass es wissenschaftliche Nachweise gibt, dass das Kindeswohl in gleichgeschlechtlichen Familien keineswegs leidet.

Und dann gibt es noch die katholischen Christen, die wissen, dass der Vatikan einer der wenigen Staaten ist, die die Menschenrechtscharta nicht unterschrieben haben. Christen, die sich am historischen Jesus orientieren (der gerade zu den Ausgestoßenen ging), und nicht an den Pharisäern, die in ihrer Selbstgefälligkeit sogar den Tod des Gottessohnes verlangten. Da konnte auch Pilatus nicht mehr helfen. Heute wären das die letzten sechs Urteile des Bundesverfassungsgerichts zum Thema „Homo-Ehe“, die von diesen herz- und gedankenlosen Hetzern völlig unbeachtet bleiben.

Besonders unverschämt finde ich, der Kanzlerin ihre Kinderlosigkeit vorzuwerfen, bei ihrer Entscheidung, die Abstimmung freizustellen.

Dietmar Holzapfel
München


Schon atemberaubend, was da alles an Leserbriefen kam: Einige sehen wichtigere Probleme, wie z.B. die Rente. Stimmt. Aber Schwule und Lesben sind ganz bestimmt nicht daran schuld, dass diese Probleme von der Ober-Anästhesistin Merkel seit Jahren ausgesessen werden.

Andere fragen nach der Haltung der Kirche. Da kann ich angesichts der bekanntgewordenen Missbrauchsskandale nur fragen, ob da wohl der Bock zum Gärtner gemacht werden soll.

Einer vergleicht „aus profunder eigener Erfahrung“ Kinder in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mit solchen in von Frauen geführten Kinderheimen. Kinder, die hernach „Psychiater und die Rechtspflege“ beschäftigen. Frage: Hat er Prügel von Nonnen oder von verpartnerten Lesben bekommen? Zu einem Vergleich braucht es wohl die „profunde“ Kenntnis beider Seiten.

Einer behauptet, (Hetero-) Ehen seien „weit überwiegend eben nicht zerrüttet“. Falsch. 2015 waren 34,7 % aller Ehen in Deutschland nach 25 Jahren geschieden. Und dass sie bis zum Tag vor der Rechtskraft des Urteils glücklich waren, glaubt wohl nicht mal er selbst. Abgesehen von den Ehen, die zwar nicht offiziell geschieden, aber dennoch kaputt sind.

Aber den Vogel schießt Herr K. ab mit seiner Vision, die Menschheit stürbe in 100 Jahren aus, gäbe es nur mehr Homo-Ehen. Doppelt falsch! Erstens wird die 90- oder 95-Prozentmehrheit der Heteros dieses absurde Szenario gottlob zu verhindern wissen. Und zweitens soll angeblich auch ohne Trauschein schon miteinander geschlafen worden sein. Kurzum: Ein bisserl mehr Entspannung, Herrschaften. Euch nimmt doch keiner was weg. Und statt Bankenrettung, Auslandseinsätzen usw. kostet uns alle das keine müde Mark!

Michael Schrottenloher
München


Ich habe mich mit dem Thema Ehe für alle noch nicht sonderlich beschäftigt und frage mich, ob Befürworter wie Gegner dies auch ausreichend getan haben. Es wird allgemein auf wissenschaftliche Studien über die (Un-)Schädlichkeit von Homo-Ehen verwiesen, jedoch werden Ross und Reiter nicht genannt, noch die sich scheinbar widersprechenden Ergebnisse dargestellt.

Die Gegner fürchten um das Kindeswohl. Konkret bedeutet dies, dass sie befürchten, dass Kinder in Homo-Ehen homosexuell, kriminell oder psychisch gestört werden. Grundsätzlich ist die Frage zu stellen, woher sexuelle Orientierung kommt. Wird man homosexuell wegen der genetischen Erbanlagen oder wegen gesellschaftlicher Einflüsse? Seltsamerweise gehen ja Konservative von Ersterem aus – dies würde aber umgekehrt bedeuten, dass gesellschaftliche Einflüsse wie die Eltern (damit eine Homo-Ehe), Freunde oder Sexualerziehung in der Schule keinen Einfluss auf die sexuelle Orientierung hätten und es daher egal wäre. Dann müsste man ja zeigen können, dass Kinder von Homopaaren in größerem Durchschnitt homosexuell werden als bei Normalfamilien. Ist dem so, abgesehen von der Frage, ob man Homosexualität für naturwidrig oder was immer halten würde?

Die Gegner sollten auch erklären, warum sie befürchten, dass Kinder von homosexuellen Paaren krimineller werden sollten als von der normalen Ehe. Psychische Störungen könnten theoretisch wegen des fehlenden Rollenvorbilds sowie einer Diskriminierung durch die Umwelt kommen. Während ersteres noch ein Argument sein könnte, hängt letzteres doch mit der Homophobie einer Gesellschaft zusammen. Von daher wäre erst einmal zu raten, die wissenschaftlichen Erkenntnisse darzustellen.

Ralf Ostner
Murnau


Tja, da hat sich die CDU wohl jetzt endgültig von ihrer christlichen Wählerschaft verabschiedet. Das C können Sie jetzt wohl getrost streichen – die christliche Politik vertritt diese Partei schon lange nicht mehr, sie ist jetzt dort angelangt, wo die Linke vor 20 Jahren war.

Magnus Waibl
Stötten am Auerberg


Mit einer Kehrtwende zum Thema „Ehe für alle“ wird unsere Bundeskanzlerin Frau Merkel auch eine Kehrtwende ihrer bis dahin wohlgesonnenen Wähler hervorrufen. Aus christlichem Standpunkt ist nun mal die Ehe zwischen Mann und Frau die von Gott gewollte Entscheidung und die Basis zur Geburt von Kindern.

Hannelore Gärtner
Königsdorf


Mei, geht’s uns noch gut! Kein größeres Problem als die Lesben- und Schwulenehe. In allen Nachrichten an erster Stelle wird das gesendet. Ich kann es nicht mehr hören! Mir ist es vollkommen egal, wie ein Mensch gepolt ist, aber muss es sein, dass das scheinbar das Allerallerwichtigste auf der Welt ist?

Erich Maier
Weilheim

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