Das eigene Volk nicht vergessen

Mike Schier: „Flüchtlingszüge aus Ungarn: Wo ist Europa?“; Kommentar 2. September, „Flüchtlinge: Alle Stimmen anhören“; Leserbriefe 3. September, „Ungarn hält Flüchtlinge fest“; Politik 4. September

In seinem Kommentar beklagt Mike Schier das „kopflose Wesen“ der Europäischen Union. Nun verfügt die EU eben über kein gewähltes und damit demokratisch legitimiertes Oberhaupt. Sie besteht aus eigenständigen Nationalstaaten, deren Regierungen ihrem Volk gegenüber ihr Tun rechtfertigen müssen. Bei der Euro-Rettung hatten alle Euro-Staaten ein Interesse an der Griechenland-Rettung. Dagegen sind die Ansichten zur Völkerwanderung der Völker Nordafrikas und des Nahen und Mittleren Ostens nach Europa in den einzelnen EU-Staaten höchst unterschiedlich. So bestehen in Osteuropa starke Einwände gegen eine Islamisierung. Frankreich spürt im eigenen Land (in den Vorstädten und im Süden) nur zu bitter, welche Folgen die ungezügelte Zuwanderung aus Afrika haben kann. Großbritannien hat ebenfalls Angst vor Überfremdung. Häufig besteht Angst vor wirtschaftlichem und sozialem Niedergang: Der Zuzug, der durch den Familiennachzug noch vervielfacht wird, kann bei qualifizierter Zuwanderung im günstigen Fall die Wirtschaftskraft eines Landes erhöhen. Möglicherweise steigt aber dennoch die Arbeitslosigkeit, gerade auch bei den leistungsschwächeren Inländern. Allerdings dürften viele Ortsansässige bei der Suche nach einer billigen Wohnung nun den Kürzeren ziehen, auch droht die Gesundheitsversorgung der gesetzlichen/staatlichen Kassen stark eingeschränkt zu werden. Offensichtlich ist auch, dass in den staatlichen Schulen die Integration der jugendlichen Migranten zu Lasten der „normalen“ Schüler geht. Angesichts der praktisch unendlich hohen Zahl potentieller Migranten vermutet man den völligen Zusammenbruch der Sozialsysteme. In vielen EU-Staaten werden diese Themen durch rechtspopulistische Parteien im Parlament ziemlich erfolgreich vertreten, in Deutschland eben nicht. Daher diese Dissonanz in der EU. Nimmt Deutschland weiter alle Flüchtlinge alleine auf und käme es hier zum Kollaps, stünden auf einmal wieder Großbritannien und Frankreich und deren Repräsentanten im Sonnenlicht. Das Agieren der Regierungen ist absolut nachvollziehbar.
Armin Seemann
Freising

Sehr geehrter Herr Fischer, herzlichen Dank für Ihren Leserbrief. Er spricht die Stimme des Volkes. Leider gewährt die Politik dem eigenen Volk gegenüber keinerlei Toleranz, die Sorgen des Volkes werden ignoriert. Sorgen wegen Überfremdung, Gewalt, innerer Unruhe und finanzieller Art werden einfach ausgeblendet. Hatten wir jemals so tatenlose Politiker? Unsere Politiker haben eine Verantwortung ihrem Volk gegenüber, das vergessen die Herrschaften anscheinend. Immer nur nachträglich „Pflaster auf die Wunden“ zu kleben oder über Ausschreitungen, welche durch fehlerhafte Politik verursacht wurden, den „Finger zu heben“ ist zu wenig, Vorbeugung ist jetzt dringend angesagt. Dies rettet Menschenleben, sichert Frieden, gibt Ruhe und Sicherheit für die Bevölkerung. Auf geht’s Politiker, handelt endlich verantwortungsvoll und fair, allen Beteiligten gegenüber. Gabriele Doll
Egling

In einer entsolidarisierten Welt fordern nun zögerliche bis untätige bzw. scheinbar konzeptlose Politiker ein Miteinander mit Asylbewerbern, welches nicht einmal mehr unter der eigenen Bevölkerung vorhanden ist. Besser sollten die Probleme in den Herkunftsstaaten der Asylbewerber gelöst werden, aber mit Geld allein ist dies wohl nicht zu bewerkstelligen. Korruption, Globalinteressen und Überbevölkerung in Staaten, welche eine schnell wachsende Bevölkerung nicht im Ansatz zu ernähren in der Lage sind, stehen diesem vermeintlichen Bemühen entgegen. Es ist klar zu erkennen, dass diese Eigendynamiken nicht mehr lösbar erscheinen, dass da jeder auf seine ureigenen Interessen schaut, ist wohl geradezu folgerichtig und damit auch der Zulauf der Bürger zu extremen Strömungen. Jeder, der sich nicht im politischen Meinungsbild vertreten fühlt, schließt sich jenen an, welche am ehesten seine jeweilige Meinung widerspiegeln. „Liebe“ Politiker, nehmt euch der Probleme an oder gebt zumindest das Gefühl, dass ihr versucht, diese zu lösen, dann gibt es auch eine Akzeptanz gegenüber denjenigen, welche unsere Hilfe brauchen, diese dankbar annehmen sowie unsere Werte und Kultur achten. Einem Zusammenleben in gegenseitiger Achtung stünde dann wohl kaum etwas entgegen, ich glaube, dass dies im Einzelfall schon hervorragend funktioniert. Überzogene „politische Korrektheit“ ist für Teile unserer Bevölkerung, welche sich unfreiwillig nicht mehr unserem Solidarsystem zugehörig fühlen, nicht nachvollziehbar – siehe Armutsbericht der Sozialverbände. Also Politik: Handeln, statt auf zum Teil „hausgemachte“ Folgeprobleme zu zeigen! Tilo Gubsch
Seehausen

Einfach großartige hilfs- und geschenkbereite Menschen in München am 1. September: Beamte/Behörden, Vereine/Organisationen, private freiwillige Helfer. Sie haben Tausenden einen unvergleichlich geglückten Empfang bereitet. Vergessen wir jedoch dabei nicht, dass bei aller Herzlichkeit und der von Frau Merkel verspätet angemahnten Willkommenskultur für Syrer, Iraker, Eritreer, Somalier, Afghanen und Pakistani auch deutsche Staatsbürger – Ältere, Arbeitslose, Alleinerziehende mit Kindern – millionenfach noch im Abseits stehen: Knapp im oder unter einem Existenzminimum, geprägt durch Altersarmut, unverzichtbare wöchentliche Tafelbesuche und ausgeschlossen von der Teilhabe am sonstigen sozialen Leben. Die Mutmaßungen und Vergleiche mit der geglückten Integration von zwei Millionen Vertriebenen aus dem Sudetenland und Schlesien in Bayern nach Kriegsende mit den heutigen Optionen für die sprach- und berufsunkundigen Flüchtlinge aus Vorderasien und Westafrika in Deutschland sind entbehrliches Geschwätz. Die damals Vertriebenen sprachen unsere Muttersprache, waren wahrhaftig nicht hochwillkommen, bewiesen aber Tüchtigkeit und Fleiß als Arbeiter, Handwerker und Kleinunternehmer in Landwirtschaft, Industrie und Gewerbe. Die ehemaligen Sudetendeutschen und Schlesier halfen mit ihren Nachgeborenen, den vormaligen Agrarstandort Bayern zum heutigen technologischen Höchststand mitzuentwickeln. Das macht den Unterschied zur noch zu bewältigenden, nicht absehbaren Flüchtlingswelle mit ihren größtenteils falschen Vorstellungen und Erwartungen, was Geld, wohnliche Bleibe und Arbeit betrifft. Das kürzliche „Wir werden es schaffen!“ der Bundeskanzlerin ist eine vollmundige Ermunterung mit ungewissem Ausgang. Genauso wie Griechenland und seine Schulden. Das restliche Europa – gerade im Osten – wird uns in der Lösung der anstehenden Integrationsprobleme kein Verbündeter sein. „Mutti“ als wichtigste Frau im politischen Fegefeuer dieser Erde wird sich noch wundern…
Günter Schäftlein Mittelstetten

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