Leserbrief

Zweifacher Ausstieg ist kombinierter Unsinn

Mike Schier/Christian Deutschländer: Aiwanger fordert eine Energiewende 2.0; Politik 13. Dezember

Herr Hubert Aiwanger ist zwar kein Experte für Stromversorgung und Stromnetze, aber er ist nun einmal bayerischer Wirtschaftsminister und muss dieses wichtige Problem anpacken. Da der Atomausstieg beschlossen wurde, und jetzt auch noch der Kohleausstieg gefordert wird (diesen kombinierten Unsinn macht kein Land der Erde), fehlen in Bälde wichtige, absolut zuverlässige Kraftwerke. Also was tun? Auch Herr Aiwanger weiß, dass mit Sonne (in Bayern gut) und mit Windkraft (in Bayern unwirtschaftlich, da die Windgeschwindigkeit und die Windhäufigkeit zu gering ist) keine zuverlässige Stromerzeugung möglich ist. Nun könnte der manchmal vorhandene Überschuss-Strom aus Windkraft vom Nord- nach Süddeutschland transportiert werden, aber es fehlen die Stromtrassen insbesondere nach Bayern. Diese hat Aiwanger noch im Wahlkampf vehement abgelehnt. Deshalb erhalten die Windkraftbetreiber, für ein Produkt, das nicht absetzbar ist, eine wahnsinnig hohe Entschädigung von fast 700 Millionen Euro pro Jahr. Auch Stromspeicher sind in absehbarer Zeit aufgrund der notwendigen gewaltigen Größe, noch dazu bei dem weiteren forciertem Ausbau der volatilen Erzeuger, weder ressourcenmäßig (Lithium, Kobalt, seltene Erden usw.) noch kostenmäßig nicht zu realisieren. Die 10H Regelung muss aus Rücksicht auf Landschaft, Mensch und Tiere (Greifvögel) unbedingt erhalten bleiben. Und wer macht schon Urlaub in einer durch Windräder verspargelten Landschaft? Aiwangers niederbayerische Wähler wären auch entzückt, wenn man ihnen sagen würde: Wir verschonen die Urlaubsgebiete und bauen halt dutzende „Windparks“ ins flache Land. Wälder müssten auch für diesen Wahnsinn tabu sein! Technisch richtig liegt Aiwanger bei der Forderung nach Gaskraftwerken: aber der Haken ist: Wir haben schon die weltbesten GUD-Anlagen in Irsching und auch mehrere Gasblöcke (450 und 330 MW). Wegen unserer technischen, kosten- und vergütungsmäßigen chaotischen Energiepolitik stehen aber diese Anlagen meistens rund um die Uhr still, sind nur in Reserve oder „eingemottet“. Was nun Herr Aiwanger? Hoffentlich haben sie nicht nur ideologisch einseitige Berater, sondern auch Spitzenkenner einer stabilen und kostengünstigen Energieversorgung. Es geht nicht nur um Strom. Die gesamte Bandbreite der Primärenergieversorgung steht auf dem Prüfstand! Wie viel sollte dezentral und zentral gebaut werden? Welchen Sinn macht es, bei uns Wälder abzuholzen, um darauf Windräder zu errichten, während in den Tropen jährlich Millionen Quadratkilometer Regenwälder vernichtet werden? Es gibt noch viel zu tun.

Karl Schlicht

Dipl. Ing., Anzing

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