Alternative Stromgewinnung

Dirk Walter: „Defizite der Energiewende“; Kommentar, Dirk Walter und Andreas Steppan: „Jochberg- Kraftwerk auf Eis gelegt“; Bayern 2./3. Oktober

Wie sinnvoll dieser Schritt des Stadtwerke-Bündnis ist, brachte der Wasserkraftfachmann Dipl. Ing. (FH) Helmut Ferrari, aus der Geschäftsführung des Ingenieurbüros EDR GmbH, München, auf den Punkt: „Zur Zeit ein Pumpspeicherwerk zu bauen, ist wirtschaftlicher Selbstmord!“ Diese Feststellung traf er anlässlich einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „Best-Practice Wasserkraft“ des Bayerischen Werkbundes im Oskar-von-Miller Forum (München) am 1. Oktober 2013. Auf Nachfrage erläuterte er, dass die Planungs- und Bauphase mindestens zehn Jahre dauert. Ganz wichtig sei auch die Höhe der Investitionen. Welcher Preis ist in zehn Jahren für das Pumpen zu bezahlen? Was erbringt der Spitzenstrom in zehn Jahren? Schon heute ist er nicht mehr so gefragt wie früher; mittags und spätnachmittags wird er an den Sonnentagen von der Solarenergie gedeckt. Neben den Bau-Investitionen und der unsicheren Zukunft kommen auf die Betreiber am Jochberg weitere noch nicht quantifizierbare Belastungen zu: Welche Ausgleichsmaßnahmen fordert der Naturschutz für den immensen Eingriff in die Berglandschaft? Und wie hoch wird der Ausfall für den Tourismus in der Jachenau beziffert, bei mindestens fünf Jahren Bauzeit? Dabei ist noch überhaupt nicht die Belastung des Baustellenverkehrs auf der Straße Jachenau-Wegscheid berücksichtigt. Erst ab der Bretonenbrücke südlich von Lenggries können die Bau- und Lieferfahrzeuge die Bundesstraße 13 benutzen. Die B 11 wäre auf viel kürzeren Weg zu erreichen. Allerdings müsste hierfür die Mautstraße am Südufer des Walchensees zwischen Niedernach und Einsiedel so ausgebaut werden, dass sich Lkw begegnen können. Gegen diesen Ausbau werden der Naturschutz und Tourismus Sturm laufen. Anders sieht es nach Meinung von Herrn Ferrari aus, wenn Subventionen für diese Speichertechnik bezahlt würden. Meint die Energieallianz Bayern Subventionen, wenn sie Rückendeckung der Politik einfordert?

Franz Speer Lenggries

Sehr geehrter Herr Walter, Ihre Meinung zu den Windrädern kann ich so nicht stehen lassen. Die Planungsunsicherheit ist doch nur entstanden, da man jetzt extrem kurzfristig eine Energiewende herbeiführen will. Die Windräder sollen den Bürgern direkt vor die Nase gestellt werden. Die angeblich mit den Anliegern abgestimmten Windradpläne sind vielmehr ein Hirngespinst als die drohende Verspargelung Bayerns. Natürlich trifft es nicht alle gleich, aber dieser Eingriff in die Natur ist zu gravierend. Sie können sich auch gerne einen Film im Internet unter http://windradkessel-etterschlag.de ansehen, in dem an einem Beispiel (Inning) die sichtbaren Auswirkungen gezeigt werden. Selbst aus 2000 m Entfernung sind das noch „Riesenspargel“. Möchten Sie neben so einem Ding wohnen? Oder Ihre Freizeit verbringen? Oder Urlaub machen? Vorangetrieben werden muss die Entwicklung von alternativen Speichersystemen und ein deutlich verbessertes Stromnetz, damit der Strom, der irgendwo in Deutschland produziert wird, dorthin gebracht werden kann, wo er verbraucht wird. Derzeit wird bei Wind bzw. starker Sonneneinstrahlung unser Strom ja verschenkt. Hier sind die wahren Defizite der Energiewende. Erst wenn diese Voraussetzungen für ein vernünftiges Strommanagement erfüllt sind, sollte man überhaupt an ein zusätzliches Erzeugen und damit einem eventuellen Verschandeln unserer einzigartigen Kulturlandschaft denken.

Ulrich Weist Wörthsee-Etterschlag

Strom aus Überproduktion muss billiger werden! Alle Neubaupläne für Pumpspeicher sollten eingestampft und nicht nur auf Eis gelegt werden. Solche Anlagen sichern vorrangig die Auslastung konventioneller Atom- und Kohlekraftwerke, indem sie deren Überproduktion aus der Nacht zu Billigstpreisen abnehmen – bei jedem Wetter. Anstatt unsere schöne Bergwelt mit Betonwannen zu verbauen, wird es Zeit, dass Strom aus Erneuerbaren Energien auch für uns Verbraucher billiger wird, wenn zu viel davon vorhanden ist. Dann wird schon bald die Industrie zum Beispiel Kühl- und Gefriergeräte anbieten, die zu solchen Zeiten um ein Grad tiefer kühlen (Kältespeicher) und so die Zeit des teureren Stroms überbrücken. Da hätten wir alle was davon und der Strom wird dann verbraucht, wenn zu viel davon da ist. Dieses Signal sollte die Politik setzen anstatt die Netzkosten von Pumpspeicherwerken uns Verbrauchern zusätzlich aufzubürden. Wenn dann noch Strom übrig bleibt, so gehört dieser in umweltfreundliche Langzeitspeicher (Wasserstoff, Methan, Redox-Flow-Batterie). Sinnvoll wäre auch die zeitweise Versorgung von Skandinavien. Wir bekommen dafür den Strom aus dessen riesigen Speicherseen (ohne Pumpbetrieb) wenn wir gerade eine Unterdeckung haben. Zum Ausgleich von kurzzeitigen lokalen Netzschwankungen sind Akku-Lösungen, wie z.B. mittels Redox-Flow-Batterien sinnvoll. Für alle diese Alternativen brauchen wir nicht über 10 Jahre zu warten. Das kann alles schon viel früher zur Verfügung stehen - es muss nur der politische Wille dafür da sein.

Albert Orterer Wackersberg

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