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Ideen über die EU

Zwischen Aufbruch und Protest; Politik 27. März

Trotz des Sieges von Emmanuel Macron in der französischen Präsidentenwahl am 7. Mai dieses Jahres befindet sich die EU mehr als je zuvor in Gefahr. Im Zusammenhang mit dem 60. Jubiläum der EU im März und vor der französischen Präsidentenwahl habe ich ausführlich die Debatte über die EU in internationalen Medien verfolgt. Wie üblich bei Diskussionen und Analysen zur EU begrenzen sich die Kommentatoren häufig auf die typischen „langweiligen“ wirtschaftlichen und sozialen Fragen. Dies sind außerdem die typischen politischen Fragen für die professionellen Eurokraten in Brüssel. Leider hat sich die EU hauptsächlich zu einem bürokratischen, technologischen und wirtschaftlichen Handelskoloss entwickelt, auf den es nach Ansicht vieler EU-Bürger schwer ist, Einfluss zu nehmen. Daher wird die Europäische Union für viele uninteressant. Warum kann man nicht wenigstens einmal in neuen Bahnen denken? Mit Ausnahme des Eurovision Song Contests, an dem auch Nicht-EU-Länder teilnehmen, gibt es keinen richtigen Austausch im Bereich der Unterhaltung, der die Länder in der Europäischen Union leichter miteinander verbinden könnte. Bereits in den 1980er Jahren bezeichnete der damalige französische Kulturminister Jack Lang den amerikanischen Kultureinfluss in Europa als „Kulturimperialismus“. Was meinte er damit? Ja, bereits damals war der kulturelle und politische Einfluss der USA in Europa groß. Dies betraf sowohl die Hochkultur als auch die Massenkultur. Dieser Einfluss der USA ist indessen im Verlaufe der Jahre noch gewachsen. In den verschiedenen EU-Ländern sind einem heute die amerikanischen Verhältnisse erheblich gegenwärtiger als die europäischen und man besitzt auch mehr Kenntnisse über die USA als über die EU. Dies betrifft alle Bereiche von Politik über Unterhaltung bis zu „Prominenten“. Schweden und Deutschland sind zwar EU-Mitglieder, aber gleichzeitig erhalten wir erheblich umfassendere Informationen über amerikanische Politik, Kultur und Lebensstil als dies für Europa der Fall ist - und dies nicht zuletzt in der Unterhaltungsbranche! Wir besitzen fast das Monopol für amerikanische Produktionen in Radio/Fernsehen und in der Computerbranche. In den anderen EU-Ländern sieht es im Großen und Ganzen ähnlich aus. Es gibt kaum eine Art „innereuropäische“, grenzüberschreitende Kulturgemeinschaft. Hier muss bald eine Veränderung erfolgen. Wir müssen mehr europäische Nachrichten und europäische Unterhaltung geboten bekommen. Die EU-Länder müssen Zugang zu erheblich mehr europäischen Fernsehproduktionen und Filmen der Kultur- und Unterhaltungsbranche als heute erhalten. Wir müssen ganz einfach europäische Prominente aus den Bereichen Film und Musik besser kennen. Oder vielleicht einen europäischen „Promikoch“? Warum lässt man die EU-Bürger nicht auch noch eine weitere europäische Sprache lernen, wie beispielsweise eine der drei größeren und bedeutsameren EU-Sprachen Französisch, Italienisch oder Deutsch? Dies sind außerdem die Gründersprachen der EWG/EU. Darüber hinaus müssen die Europäer, nicht zuletzt die jüngere Generation, sich wesentlich bessere Kenntnisse über Geografie, Geschichte, Literatur und Kultur der EU-Länder aneignen. Und wie wäre es mit der Bildung einer gemeinsamen ständigen EU-Fußballmannschaft? Eine Mannschaft mit den Spielern aus den verschiedenen EU-Ländern. Dies kann natürlich auch für Handball- und Eishockey-Mannschaften gelten. Dann bekommen wir vielleicht eine gemeinsame Mannschaft, die wir anfeuern können. Die EU-Mannschaft könnte dann parallel zu den Nationalmannschaften spielen und gegen Mannschaften anderer Kontinente antreten. Über eine europäische Unterhaltung könnte man, wie ich meine, in gewisser Weise wieder das Interesse für die Europäische Union wecken. Ansonsten läuft die EU Gefahr, schließlich wie ein Kartenhaus in sich zusammenzufallen. Wir können uns nicht nur auf Euro-Krisen und andere schwere wirtschaftliche und soziale Probleme in der Union konzentrieren. Dies ist ganz sicher dem EU-Geist nicht förderlich. Zum Abschluss: Wir müssen für eine gemeinsame europäische Identität kämpfen! 

Carl-Gustav Pernbring Helsingborg, Schweden

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