Deutschland profitiert vom Euro

So wie es bei jeder Fußballweltmeisterschaft mindestens 50 Millionen Bundestrainer gibt, so gibt es nach der EZB- Entscheidung genau so viele Wirtschaftsexperten.

Das Wirtschaftsgeflecht in einer globalisierten Welt ist so schwer zu durchschauen, dass sich selbst anerkannte Experten schwer tun. Niemand kann garantieren, dass bei der Bewegung einer Stellschraube das gewünschte Ergebnis entsteht. Die EZB hat sich trotzdem zum Handeln entschlossen und sofort sehen selbsternannte Experten mit hellseherischen Fähigkeiten, dass das schief geht. In der englischen Sprache gibt es dafür schon einen festen Begriff: „German Angst“. Wir leben in Frieden, sind Reiseweltmeister, Exportweltmeister, haben eine extrem niedrige Arbeitslosigkeit, ein funktionierendes Sozialsystem und einen der höchsten Lebensstandards der Welt. Trotzdem sehen viele Bürger mit pessimistisch-prophetischer Veranlagung den wirtschaftlichen und politischen Supergau vor sich. Ist das eine deutsche Untugend? Unsere europäischen Nachbarn können sich da nur wundern. Toni Walters Grafing bei München Alle, (auch die in Ihrer Redaktion) geben – natürlich auch zu Recht – der Merkel die Schuld. Aber die Alternative Rot, Rot-Grün oder Ähnliches wäre sicherlich, günstigstenfalls, ebenso trostlos. Also Jammern aufhören!

Manfred Stockenhuber München

Georg Anastasiadis hat mit seinem Kommentar wieder einmal treffend den neuesten Stand der Eurokrise dargestellt. Zu seinen Ausführungen über die nur scheinbare Sicherheit der Anleihekäufe der jeweils eigenen Staatsanleihen, zum Beispiel deutsche durch die Bundesbank, möchte ich aber noch auf ein weiteres Gefahrenpotenzial für die BRD-Bürger hinweisen, nämlich die von Prof. Sinn seit 2012 thematisierte sogenannte Target-Falle. Über das Target-System können, verkürzt gesagt, ausländische Euro-Banken die Bundesbank anzapfen, weswegen dann das Geld der Bundesbank, hinter dem ja der deutsche Steuerzahler steht, in fiskalpolitisch nicht reformierte, wettbewerbsunfähige Länder fließen kann. Dabei sind die Target-Forderungen der Bundesbank an die pleitebedrohten Staaten jetzt schon in astronomischen Höhen und ohne eine in absehbarer Zeit realistische Chance auf Rückzahlung an die BRD-Notenbank. Es existiert damit die Gefahr eines zweiten finanziellen Desasters für die BRD, deren Existenz anzusprechen Regierungskreise wohlweislich vermeiden. Frau Merkel, die jetzt plötzlich die Hände in Unschuld waschen will, ist aber an der fatalen Entwicklung genauso ursächlich beteiligt wie ihre Vorgänger Kohl, Waigel, Schröder, Eichel und Mitstreiter Schäuble.

Dr. Wolfgang Bayrle Weßling

Was helfen Herrn Anastasiadis Worte wider den Wind, denn Merkel will nicht lesen! Das Diktat der Mehrheit – und die haben die klammen Länder – bringt nun Eurobonds durch die Hintertür, also Teilhabe am Erfolg der Deutschen. Folglich sind uns weitere Freundlichkeiten wie TTIP und TISA sicher.

 Max Wagner Lenggries

Georg Anastasiadis: „Europas Rache an Merkel“; Kommentar, „Draghi holt zum großen Schlag aus“ und Martin Prem: „Staatsschulden werden zu Eurobonds“, Interview mit Hans-Werner Sinn; Wirtschaft 23. Januar

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