Das muss man sich erst mal vorstellen

Georg Anastasiadis: „Bescherung“; Kommentar 22. Dezember

In seinem Kommentar trifft Georg Anastasiadis mal wieder genau den Punkt. In seltener Eindringlichkeit hat er mit wenigen Worten die Problematik des nächsten Euro-Rettungskandidaten Zypern herausgearbeitet. Hier wollen jetzt die russischen Oligarchen, die als Kreditgeber für die sparunwilligen Zyprioten eingesprungen sind, ihr Geld samt Zinsen zurück. Wie immer bei den Club-Med-Staaten, die über ihre Verhältnisse gelebt haben, vom kleinen Mann in Nordeuropa, der noch brav seine Steuern zahlt. Kein Wunder auch, dass der Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker, der als luxemburgischer Ministerpräsident versäumt hat, seine Banken und Hedgefonds in Luxemburg durch entsprechende Gesetze an die Kandare zu nehmen, strikt gegen einen Schuldenschnitt ist, weil ein allgemeiner Schuldenschnitt auch seine Banken in Luxemburg in Schieflage bringen würde. Es war im Übrigen schon ein Fall von besonderer Chuzpe, wenn der griechische Premierminister Papandreou, dessen Familie laut Pressemeldungen 500 Millionen Euro privates Geld auf nordeuropäische Banken überwiesen hat, um sie in Sicherheit zu bringen, zu Frau Dr. Merkel nach Deutschland kam und mitleidheischend um europäische Solidarität bat beim Abbau der Schulden seines Landes mit Hilfe des deutschen Steuerzahlers. Das muss man sich erst mal vorstellen! Und woher hat seine Familie eigentlich so viel Geld? Das generelle Problem besteht darin, dass es weltweit einen riesigen Überschuss an Kapital in Banken, Investmentbanken und Hedgefonds gibt, aber wegen eines weltweiten Innovationsstaus kaum lukrative Anlagemöglichkeiten, zumal diese Institute noch im Wettbewerb stehen mit den führenden Notenbanken, die mit Niedrigzinspolitik Unmengen Geld in die Wirtschaft pumpen. Nach dem Wirtschaftswissenschaftler Schumpeter haben umwälzende Neuerungen großen Kapitalbedarf und langanhaltende Wirtschaftsaufschwünge zur Folge. Aber einen Bill Gates und einen Steve Jobs gibt es nicht alle Tage. Und so müssen die Geldgeber statt in die Wirtschaft in Staatsanleihen investieren. Aber auch bei uns in Deutschland haben wir früher in der Nachkriegszeit Kernkraftwerke sozusagen aus dem Stand entwickelt, das Elektronenmikroskop, die Sonografie, die Kernspintomografie usw. – alles Großinnovationen, die weltweit zum Einsatz kamen. Heute können wir nicht einmal mehr ICE-Züge – inzwischen weitgehend konventionelle Technik – rechtzeitig liefern.

Detlef Wilkens Wolfratshausen

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