Weitere Stimmen zur Geldpolitik der Europäischen Zentralbank

Georg Anastasiadis: „Europas Rache an Merkel“; Kommentar, „Draghi holt zum großen Schlag aus“; Wirtschaft 23. Januar, „Deutschland profitiert vom Euro“; Leserbriefe 26. Januar

Herr Draghi lässt auf Mord und Press Euro drucken, und wo geht das Geld hin? Mein Sparbüchlein wird immer dünner, die Kröten verschwinden im Styx. Politik – auch Geldpolitik soll doch den Menschen dienen! Hier dient sie der Hochfinanz, den Spekulanten und den Betrügern. Und der Euro verschwindet in den Wolken. Jeder niederbayerische Viehhändler hat mehr Chuzpe als unsere blassblauen Politiker, die den deutschen Musterschüler machen und ihre Noch-Wähler im Regen stehen lassen.

Johanna Bruckmayer Dachau

Spitzenpolitiker haben nur die nächste Wahl im Auge. Dazu brauchen sie gute Medienberichte. Welche Folgen harmonische Entscheidungen in 10 oder 20 Jahren haben, ist für den nächsten Wahlkampf egal. Währungspolitisch gesehen hat sich Deutschland vor Jahren Beifall heischend mit etlichen Nichtschwimmern in ein Boot gesetzt, um damit aufs Meer zu fahren. Ein vernünftiger Mensch würde das nicht machen. Bei jetzt lediglich mittlerem Wellengang treten die voraussehbaren Probleme zutage. Die politischen Weichensteller haben nichts zu befürchten. Sie sitzen mit üppigen Pensionen in ihren Villen und können von dort amüsiert zuschauen, wie andere die Suppe auslöffeln, die sie eingebrockt haben.

Dieter Gauggel Haar

Das neben der gerechtfertigten allgemeinen Kritik zur EZB-Entscheidung dazukommt: Durch die Einführung der neuen Liquiditätsvorschriften nach Basel III sind alle Kreditinstitute in Europa zu Lasten der eigenen Zinserträge gezwungen, Staatsanleihen im Depot A zu halten. Diese fallen zur Berechnung der Liquiditätskennzahlen deutlich stärker ins Gewicht als normale Unternehmensanleihen oder eben ausgegebene Kredite, die der Wirtschaftsförderung dienen. Auch südeuropäische Banken bevorzugten bisher bei der Zinsstrukturkurve eher langfristige Anlagen und mieden generell rendite-schwache Staatsanleihen. Die Geldflut wird somit konträr zum offiziellen EZB-Ziel nicht zur Förderung der mittelständigen Unternehmen eingesetzt werden, sondern eben zur Unterstützung der erneuten Schuldenaufnahme europäischer Länder. Der Vorwurf der reinen inflationsgesteuerte Entschuldung unserer Staaten liegt nahe.

Daniel Maier Isen

Die Banken haben bereits bei der aufkeimenden Aktienkultur in Deutschland zur Jahrtausendwende keinen Weitblick bewiesen. Letztendlich haben die Banken aus Gewinnstreben dem kommenden Desaster zugeschaut und anschließend die betroffenen Kunden als profitgierig tituliert. Die aktuelle Aktienquote der Privathaushalte spricht diesbezüglich Bände und zeigt, dass sich die Banken mit ihrem Handeln in der Vergangenheit einer Expansion dieses Geschäftsfeldes beraubt haben. Einzig bezüglich der Auswirkungen des Terroranschlages am 11. September 2001 können die Banken ihre Hände in Unschuld waschen. Wo aber war die Expertise der Bankenelite beim Ankauf der amerikanischen Kreditverschreibungen? Wie Schulbuben hat die Finanzelite anschließend die Politik angebettelt, damit ihre Finanzinstitute von der Allgemeinheit – sprich den Steuerzahlern – vor dem Ruin gerettet werden. Eine Umverteilung von unten nach oben in einem gigantischen Ausmaß. Und was war mit der Expertise der Bankenelite beim Kauf griechischer Anleihen? Die Banken haben sich seinerzeit gar keine Gedanken darüber gemacht, ob Griechenland seine Schulden jemals zurückzahlen kann. Heute ist Allgemeingut, dass Griechenland ein korruptes Staatswesen und kein funktionierendes Steuersystem hatte. Soll der Steuerzahler annehmen, dass die Banken das damals nicht gewusst haben? Oder kann der Steuerzahler davon ausgehen, dass die Banken letztendlich mit der Hilfe der Allgemeinheit rechneten und sich auf eine erneute Umverteilungslawine von unten nach oben – sprich Bankenrettung 2.0 – verlassen haben. Von daher werde ich sehr skeptisch, wenn Bankenvertreter uns glaubhaft machen wollten, sie wüssten, was zu tun ist und welcher Weg für die Zukunft der richtige ist. Exzesse verhindern kann nur die Politik, die Finanzwelt hat nachweislich bewiesen, dass sie es nicht will oder kann. Dem Steuerzahler bzw. dem Bürger muss klar sein, dass er nur dann ein sorgenfreies Alter zu erwarten hat, wenn er entweder einerseits der Generation der Erben angehört oder andererseits bezüglich Altersvorsorge anhand eines strukturierten Investitions- bzw. Vermögensaufbauplanes handelt. Banksparpläne und Kapitallebensversicherungen lösen das Problem drohender Altersarmut nicht. Der Themenkreis Kapitalanlagen gehört folglich in die Schule. Engagierte Lehrer müssen unseren Kindern die Finanzwelt näherbringen und die Themen Sachwerte und Wertpapiere kompetent erklären.

Otto Noack Oberschleißheim

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