Zur Not der Flüchtlinge

Eine erschreckende Erkenntnis: Europa gibt es als eine Union auf wirtschaftlicher und politischer Ebene.

Wenn es aber angesichts solch einer Tragödie das ureigenste menschliche Gebot der Hilfeleistung bei Lebensgefahr gleich vor seiner Haustür missachtet, dann wird es sich niemals als eine Wertegemeinschaft mit seinen weltweit geachteten humanistischen Wurzeln seit der Antike verstehen. Ein Umdenken in der Flüchtlingspolitik hat höchste Priorität, um einem endgültigen Gesichtsverlust zuvorzukommen.

Josef Kerscher Geltendorf

Deutschland kann nicht den Rest der Welt retten – auch wenn es zu schön wäre! Ich hätte nun einen Vorschlag, um die Bevölkerung im Land zu halten: Ist es möglich, in den betroffenen Ländern die ausreisewilligen Leute über die Medien (Radio, Fernsehen, Annoncen in Zeitungen) darüber aufzuklären, was sie erwartet, besonders, wenn diese beträchtliche Summen an Schleuser bezahlen. Einer muss doch Klartext reden und die armen Menschen vor Ort darüber aufklären, dass sie auf diese Art und Weise von ihren eigenen Leuten nur betrogen werden. Ich denke da an die Zeiten, als es noch den Eisernen Vorhang gab und der AFN die Beatles, die Rolling Stones und auch andere westliche Neuigkeiten per Radio in die angrenzenden Ostländer brachte. Man sollte diese alte Idee ruhig wieder aufnehmen und vielleicht feste Sendezeiten belegen. So könnte man auch motivieren, dass die Menschen zur Schule gehen oder etwas lernen. Vielleicht wird ja was draus?

Monika Rose Gmund am Tegernsee

Zur Ausgabe Dienstag, Seiten 4 und 5, Münchner Merkur hätte ich folgenden Leserbrief: Wer die Seiten nebeneinander vor sich legt, sollte wütend werden oder zumindest weinen: „Hilfeschrei aus Lampedusa“ – „Tolles Jahr für die Superreichen“. Hat uns unser Herrgott wegen unserer Dummheit, Gier und Selbstsüchtigkeit uns selbst überlassen? Hat er uns aufgegeben? Ich hoffe nicht, könnte es ihm aber nicht verdenken.

Ali Klühspies Peißenberg

Das Schiffsunglück mit den Flüchtlingen aus Eritrea ist natürlich ein Ereignis, welches an sich höchst bedauerlich und traurig ist. Aber nun sagen viele und auch der Bundespräsident, dass man den Leuten helfen müsse, also ihnen die Flucht erleichtern müsse. Aber es kann ja nicht darum gehen, dass wir die Bürger dieses Staates und auch aller anderen Staaten aufnehmen, aus denen Menschen flüchten wollen, sondern es müssen in Eritrea die Zustände geändert werden, damit kein Anlass besteht, das Land zu verlassen. Was dort eigentlich los ist, weiß aber wohl auch keiner so richtig. Ich habe jedenfalls bisher nichts darüber erfahren können. Öl haben sie wohl keines, sonst hätten sich die Amerikaner schon tatkräftig darum gekümmert. Aber vielleicht könnten wir etwas von dem gebrauchen, was dort wächst oder hergestellt wird. Doch mit allzu kurzsichtigen Bemerkungen zu diesem Problem sollte man uns verschonen. Es wird nämlich schon sehr viel getan, wenn es um wirklich Notleidende geht.

Lothar Bretschneider München

Der Leserbriefschreiber Thomas Friedrich, der seit 15 Jahren in Marokko lebt, kann die Sachlage wohl sehr gut beurteilen. Nordafrika hatte in den letzten 20 Jahren einen 2 bis 3 Mal stärkeren Bevölkerungszuwachs als in Europa, also viele junge Menschen, es sind Millionen, die ein anderes Leben wollen, leider können viele kaum lesen und schreiben und haben kaum Ausbildung und so auch keine Zukunft in Nordafrika und Europa, der arabische Frühling brachte auch keine Wende. Machtkämpfe sind die Regel, Neuorientierung und Strukturverbesserung eher die Ausnahme und eine zarte Pflanze, die davon betroffen ist. Eine Lösung ist schwierig, langwierig und unvorstellbar kostenintensiv. Den Schlepperorganisationen, die damit viel Geld verdienen und reich werden und arme Menschen mit Nussschalen übers Meer auf Leben und Tod ins gelobte Europa bringen, hier muss man ansetzen und denen das Handwerk legen. Eine Veränderung in der Struktur in Nordafrika kann Europa kaum bewältigen, es sind enorme Landflächen, Millionen von Menschen und andere Mentalitäten, deswegen haben die Politiker keine Lösung auch nicht mittelfristig.

Erich Müller Peiting

Lorenz von Stackelberg: „Tropfen auf den heißen Stein“; Kommentar, Julius Müller-Meiningen: „Hilfeschrei aus Lampedusa“; Politik, „Menschen vor der Flucht bewahren“; Leserbriefe 8. Oktober

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