Kampfzone zwischen Gut und Böse

Dirk Ippen: Viel Lob für deutsche Flüchtlingspolitik; Kolumne Politik 24./25. September

Recht hat Dr. Ippen mit dem Wunsch nach Politikern mit Rückgrat. Recht hat er mit der Verteidigung eines als richtig erkannten Standpunktes. Aber: Gilt dieser Standpunkt immer für alle Betroffenen? Hat nicht jeder Mensch und jedes Ding oft zwei und mehrere Seiten? Kommt es nicht auf die Seite an, von welcher aus man die als notwendig erkannten Maßnahmen sieht? Die Beispiele der Kolumne jedenfalls sind denkbar ungeeignet: 1. Dr. Ippen lobt die bisherige Flüchtlingspolitik der Kanzlerin. 40 000 unserer Neubürger beginnen bereite zu lernen oder zu arbeiten. Die Mehrheit der Kriegsflüchtlinge kommt ja aus der bürgerlichen Mittelschicht. Die Arbeitgeber freuen sich sicher über die vorerst noch bescheidenen neuen Facharbeiter. Ob die restlichen 900 000 Flüchtlinge und die mit diesen in der Zukunft konkurrierenden einheimischen Durchschnittsbürger das auch so sehen? 2. Dr. Ippen lobt Kanzler Helmut Schmidt für den Nato-Doppelbeschluss und den darauffolgenden Zerfall der Sowjetunion. Ob die Opfer der dadurch entstandenen Kriege von Tschetschenien über Aserbaidschan bis zur Ukraine dies auch so sehen? Die seither emporgekommen Oligarchen (auch der Ukraine-Präsident war plötzlich Milliardär) dürften sich aber über diese Entwicklung freuen. 3. Dr. Ippen lobt Kanzler Schröder für seine Hartz-IV-Gesetze. Für das Gros der Arbeitnehmer aber begann die Zeit der Leiharbeit der Zeitarbeitsfirmen, der Streichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Und aus der 35- wurde wieder eine 45-Stunden-Woche, bei gleichem Lohn natürlich. Auch der dadurch entstandene Wirtschaftsaufschwung scheint bei den meisten nicht angekommen zu sein: Die Kaufkraft wurde halbiert, die Renten gesenkt, die Arbeitslosigkeit nur durch Herausrechnen der Hilfs-Empfänger stabilisiert. Bei drei Millionen, Welch ein Erfolg! Die Börsen von London bis Tokio und auch die Briefkästen der Malediven haben den von Dr. Ippen festgestellten Wirtschaftsaufschwung aber sicher wohlwollend registriert. Alles richtig erkannte Standpunkte? Auf den Platz an der Tafel des Geschehens kommt es eben an. Früher gab es noch die Brosamen vom Tisch der Reichen. Mittlerweile scheinen auch diese gestrichen. Als Humanist ist Dr. Ippen bei der Auslegung von Sokrates, Aristoteles bis zu den Denkern der Neuzeit sicher unschlagbar. Die Kampfzone zwischen Gut und Böse, zwischen Oben und Unten und zwischen Arm und Reich ist aber wohl nicht seine Welt. 

Hans-Peter Haimerl München

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