Leserbriefe

Auch das Kerosin muss besteuert werden

Dirk Walter: Einenotwendige Diskussion;Kommentar, MarcusMäckler und Mike Schier:Am Fliegen scheiden sich die Geister; Politik 9./10. MärzMike Schier: „Die Lust-Vielfliegerei eindämmen“,Interview mit Dieter Janecek; Politik 8. März

Die Grünen sollten den Vorschlag ihres Bundestagsabgeordneten Janecek zunächst als Modellversuch in ihrer Partei umsetzen: ein Budget von drei internationalen Flugpaaren pro Parteimitglied. Das müsste natürlich überprüfbar sein und wer schummelt und heimlich öfter fliegt, sollte aus der Partei ausgeschlossen werden.

Siegfried Schwarz

Lenggries

Wieder einmal ein typischer Vorstoß eines Grünen-Politikers: Verbote für Bürger! Natürlich ist die Belastung der Atmosphäre und die Klima-Erwärmung ein drängendes Problem, wobei er aber selbst erkannt hat, wir müssten die Klimabelastung bei einer steigenden Weltbevölkerung senken, aber zu einer Forderung nach wirksamen Maßnahmen zur Bekämpfung des unkontrollierten Bevölkerungszuwachses in der 3. Welt kann sich ein GrünenPolitiker wohl nicht aufraffen; das wäre halt politisch unkorrekt, wenn auch die einzig sinnvolle Strategie!

Volker Schmitgen

Weilheim

Ihre Forderung nach einer Besteuerung des Flugbenzins ist aus meiner Sicht absolut richtig - seit Jahren fordere ich dies in „einschlägigen“ Diskussionen. Und ich verstehe nicht, warum aus dem grünen Lager dies nicht vehement gefordert wird - das wäre nämlich richtig, um hier auch die verschiedenen Verkehrsmittel „gleichmäßiger“ zu belasten. Dafür wird ein solcher - sorry - Schwachsinn gefordert wie gehört. Das sind Leute, die keine Vorstellung haben von organisatorischen Abläufen. Und es zeigt, dass aus dem grünen Lager die „Bevormundung“ ein Riesenthema ist. Ich bin gespannt, wenn die Forderung kommt, den Wohnraum pro Bürger zu begrenzen. Wäre ja auch ökologisch sinnvoll…. Die Steigerung des Flugverkehrs ist auch insbesondere darauf zurückzuführen, dass Fliegen teilweise so günstig geworden ist. Und das nützen insbesondere Privatleute. Geschäftsreisende fliegen in der Regel nur, wenn es unbedingt nötig ist. Das habe ich auch immer so gehalten und kenne viele Leute, die hier ebenso denken. Gerade innerdeutsch wird schon viel die Bahn genutzt, weil es vielfach sogar schneller geht, von Innenstadt zu Innenstadt zu kommen. Allerdings müsste die Kerosinsteuer jedenfalls in der gesamten EU kommen. Ansonsten haben Sie ganz sicher „riesige Ausweichbewegungen“ (Tanken im Ausland/Flugverlagerungen interkontinental). Und daran wird es scheitern, weil steuerpolitisch in der EU keine Einheitlichkeit erreichbar ist. Hier will jeder sein eigenes Süppchen kochen.

Volkmar Döring

Unterwössen

Die Grünen haben schon Recht, zum Teil wenigstens. Warum aber, soll nur die Vielfliegerei teurer werden? Und dann schon wieder so kompliziert geregelt, dass eine Umsetzung in die Praxis ohne erheblichen Verwaltungsaufwand (wie leider überall) gar nicht möglich wäre! Warum nicht die gesamte Fliegerei in der zivilen Luftfahrt verteuern? Und zwar kräftig! Einst, in den Anfängen, eine Besonderheit für einige Wenige, ein absoluter Luxus, den sich kaum ein normalverdienender Bürger leisten konnte, aber auch nicht zwingend brauchte. Mittlerweile, ein gigantischer Wirtschaftszweig, der für jeden Geldbeutel, ob notwendig oder nicht, weltweit schier unzählige Ziele bereithält. Während die Politik permanent auf den Auto-sprich Dieselfahrer draufhaut, ist es ihr im Feinstaubnebel hervorragend gelungen, die Fliegerei aus Allem herauszuhalten! In unserer Regierungspolitik genießt sie nämlich höchstes Ansehen. Hier stört es auch nicht, dass Flugzeuge (sowie Schiffe), zu den größten Dreckschleudern gehören, die menschliche Ingenieurskunst jemals hervorgebracht hat. Die Fliegerei steht auch nicht in der Feinstaubdiskussion, hierfür gibt es ja den Diesel-Fahrer. Von Elektro-Flugzeugen habe ich auch noch nie etwas gehört, ach ja, umrüsten soll nur der Autofahrer. Die Liebe zur Fliegerei geht sogar so weit, dass unsere Regierung auf die Besteuerung von Flugbenzin (Kerosin) völlig verzichtet, während der Autofahrer mit über 70 % Steueranteil auf Benzin und Diesel kräftigst zur Kasse gebeten wird! Ministerpräsident Söder sogar, nennt „Luftfahrttaxis das Verkehrsmittel der Zukunft“, ja geht´s denn noch? Während Bus und Bahn, dank des Letzten und derzeitigen Verkehrsministers, weiterhin ums Überleben kämpfen müssen, kann sich mittlerweile Otto Normalverbraucher, noch dazu viel günstiger als bei der Konkurrenz, ins Flugzeug setzen. Ob notwendig oder nicht! Muss das wirklich sein? Und unsere Politiker finden das ganz toll. Wie soll das bloß weitergehen? Muss wirklich alles geflogen werden? Noch dazu supergünstig? Nicht nur im Passagierbereich, gerade bei den Frachtflügen wird der Superwahnsinn besonders deutlich, ist bloß weit weniger bekannt! Wenn Kokosnüsse, Mangos, Papayas oder Bananen, kurz Exoten, die bei „UNS“ nicht wachsen, um die halbe Welt geflogen werden, dann kann man dafür ja noch Verständnis haben. Wenn aber, wie tagtäglich hundertfach z.B. Kartoffeln aus Ägypten, Zwiebeln und Äpfel aus Neuseeland, Schnittlauch und Weißkraut aus Südafrika, oder zur Weihnachtszeit frischer Spargel aus Peru, die Obst- und Gemüsetheken deutscher Supermärkte zieren, die eigentlich mit viel Liebe zum Lebensmittel und Hang zur Regionalität für sich Werbung machen, dann stimmt etwas nicht mehr bei uns. Hinzu kommt, dass der Transport der Ware ab Flughafen mittlerweile fast ausschließlich per LKW erfolgt. Wenn dann auch noch die, um die halbe Welt geflogenen Produkte, günstiger als die hiesigen Erzeugnisse sind, dann sollte nicht nur die deutsche Hausfrau ins Grübeln kommen, bloß wer denkt schon beim Einkauf nach?

Frank Alesch

Hohenfurch

Nach Dieter Janecek von den Grünen soll der Flugpreis ab dem vierten internationalen Flug um 50% angehoben werden. Eine wohlmeinende, aber an der Realität vorbeigehende Idee: Damit würde die Lust-Fliegerei der Deutschen doch eher angekurbelt werden. Um wirklich etwas zu erreichen, wäre eine individuelle CO2-Steuer nötig, die alle Bereiche (Verkehr, Wohnung, Ernährung) umfasst und die bis 2050 die Pro-Kopf-Emissionen von jetzt 9 Tonnen in Deutschland bzw. von 7 t in Bayern (zum Vgl. Katar 30 t, USA 15 t, China 7 t, Italien 5 t, Indien 2 t) schrittweise auf 2 t (weltweit) zu reduzieren hilft. Gleichzeitig könnten Bürger, die z.B. wenig mobil sind, finanziell entlastet werden. Allerdings wäre für eine solche - auch von Ludwig Hartmann (Grüne) formulierte Idee - eine Komplettüberwachung der Bürger nach chinesischem Vorbild in Art eines Punktesystems erforderlich, was unserer Gesellschaft hoffentlich noch lange erspart bleibt. Damit es weltweit nicht auf Grund von Klimafolgen tatsächlich mal so weit kommt, bleibt nur der Appell an die verantwortliche Politik (CDU/CSU/SPD), endlich (!) entsprechend zu handeln (Förderung des ÖPNVs und der Bahn, Verbot von kurzen Inlandflügen, höhere Besteuerung des Kerosins, Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen etc.). Gleichzeitig sollte sich die hiesige Bevölkerung besinnen und sich bei Flug- und Schiffsreisen entsprechend zurückhalten (1-2 x im Jahr genügt eigentlich, Dienstreisen sind ausgenommen). Bei den Freitagsdemos der Schüler bleibt übrigens der Verdacht, dass das Wochenende freigehalten werden soll, um mit dem Familien-SUV gemeinsam ins Grüne fahren zu können. Ob die Belobigungen für die Schüleraktionen ausgerechnet von Seiten der früheren Klimakanzlerin und der amtierenden kohlefreundlichen Umweltministerin nicht ihr eigenes Scheitern dokumentieren, sei dahingestellt. Grundsätzlich sind Probleme beim Klima und in der Umwelt inzwischen so dringlich, dass sie nur im Konsens der Parteien (und international) gelöst werden können.

Dr. Manfred Kirchner

Iffeldorf

Die Verbotspartei Nummer eins schlägt mal wieder zu. Erstaunlicherweise mit einem Protagonisten Dieter Janecek der, ähnlich wie die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bayerischen Landtag Katharina Schulze, eher der Vielfliegerfraktion zuzuordnen ist, wie man den sozialen Kanälen der beiden Berufspolitiker entnehmen kann. Zudem berichtete kürzlich der Münchener Merkur, dass es auch die grüne Stadtratsfraktion in München ähnlich hält und auf Rekordniveau fliegt. Wer auf die offensichtliche Differenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit im Verhalten dieser Moralapostel hinweist, wird schnell diffamiert. Würden alle Bayern so viel fliegen wie unsere grünen Umweltschützer, würde der Flughafen München nicht nur eine dritte, sondern sogar eine vierte Start- und Landebahn benötigen, um den Andrang zu bewältigen. Jetzt will Hr. Janecek mit einer an Lebensmittelkarten erinnernden Gängelei den Luftverkehr um 30 bis 50 Prozent verteuern. Das wirkt weit hergeholt, werben doch gerade grüne Vielflieger damit, per Kompensation z. B. bei Atmosfair, sozusagen „klimaneutral“ zu fliegen. Der dort zu entrichtende Obolus liegt jedoch weit unter den gewünschten 50 Prozent Aufschlag des Herrn Janecek. Unverständlich wirkt sein Ansinnen, wenn man in Rechnung stellt, dass sich die weltweit operierenden Fluggesellschaften und Flugzeughersteller als erste globale Industrie mit dem Abkommen „CORSIA“ verbindliche Ziele zur deutlichen Reduzierung der entsprechenden CO2 Emissionen gesetzt haben. Noch fliegen Flugzeuge vorwiegend mit Kerosin, einem fossilen Energieträger, aber die Verwendung von Bio-Treibstoffen ist auf dem Vormarsch. Beim Luftverkehr hat sich, im Gegensatz zu bodengebundenen Verkehrsträgern, das Verkehrswachstum (+240% seit 1990) und der Treibstoffverbrauch (+90% seit 1990) weitgehend entkoppelt, und das schon beim heutigen Stand der Technik. Herrn Janecek mag seine Forderung vielleicht auch deshalb leichter von der Hand gehen, weil für seine Reisen ja im Regelfall der Steuerzahler aufkommt.

Thomas Höfer

München

Das ist ja mal wieder ein Vorschlag so recht nach dem Geschmack grüner Fundamentalisten: Es begann mit dem sauren Regen, dem Waldsterben, dann „Atomkraft, nein danke!“, und nun eben Vergiftung durch Stickoxide, Fahrverbote für Diesel und die CO2-Klima-Neurose. Der Markenkern der Grünen ist nun einmal die Apokalypse. Politik ohne das Szenario eines drohenden Weltuntergangs ist für sie offenkundig nicht vorstellbar. Da ist die Forderung nach der Beschränkung auf maximal 2 Flüge pro Jahr ja eher eine Randnotiz. Trotzdem, das werden weder das hippe Jugendpublikum, das gerne einmal den Billigflug nach London, New York, Barcelona, Mallorca oder auch eine Fernreise nach Südostasien bucht, noch die SUV-fahrenden und aus lauter schlechtem Gewissen die Grünen wählenden gut betuchten Städter nicht so gerne hören. Immerhin, Letztere können es sich trotzdem leisten und werden dann halt die Flug-Zertifikate kaufen. Kein Flug weniger, aber eben teurer, dafür lieber etwas weiter, es soll sich ja lohnen. - Was für eine herrlich bürokratische Idee! Das schafft sicher auch Arbeitsplätze: Vielleicht sollte man sowieso eine Behörde einführen, die den CO2-Fußabdruck eines jeden einzelnen akribisch überwacht. Die Urlaubsfahrt mit dem Auto muss man sich dann erst einmal genehmigen lassen. Und wenn das Jahreskontingent erschöpft ist, kommt man auf die Warteliste. Urlaub zuhause ist am effizientesten, fast klimaneutral, jedenfalls müssen wir über kurz oder lang aufs Fliegen und aufs Autofahren ganz verzichten. Und das Atmen werden sie uns sicher auch noch abgewöhnen. Das ist vielleicht auch nötig, denn immerhin fast 4% der CO2-Emissionen in Deutschland stammen aus der Atemluft: mehr als 30 Mio. t. Weltweit sind es sogar 10%, fast 3 Milliarden Tonnen CO2 nur durch Ausatmen! Luftanhalten ist demnach aktiver Klimaschutz. Wer also das Klima retten will, sollte in Erwägung ziehen, das Atmen einzustellen. In diesem Sinne würde ich es begrüßen, wenn zunächst einmal die Grünen mit gutem Beispiel vorangingen.

Dr. Hieronymus Fischer

Krailling

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