Reformbedarf

Alexander Weber: „Ende der Geduld“; Kommentar 23. September

Die Schwierigkeiten, in denen die französische Wirtschaft sich seit Jahren befindet, dürften zu einem wesentlichen Teil dem Euro geschuldet sein, mit dessen Einführung vor zwölf Jahren die Währungen aller Mitgliedsländer zu einem festen Kurs in Euro umgewandelt und damit für immer festgeschrieben wurden. Den völlig verschiedenen Schulden- und Finanzverhältnissen der Euroländer glaubten die Gründungsväter der Einheitswährung keine Beachtung schenken zu müssen. Der Euro würde Europa einigen, Währungsschwankungen der Eurowährungen gegeneinander würden ebenso der Vergangenheit angehören wie die hohen Zinsen, die die abwertungsverdächtigen Länder für Kredite hatten zahlen müssen. Frankreich hatte sich seit Ende des zweiten Weltkriegs an eine relativ hohe Inflation, entsprechend hohe Zinsen und gelegentliche Abwertungen des Franc gewöhnt und damit die Konkurrenzfähigkeit seiner Wirtschaft im internationalen Vergleich erhalten. Nun hat Frankreich wegen seiner relativ stark steigenden Preisen innerhalb des Euroraums de facto aufgewertet, während Deutschland bei stabilen Preisen de facto abgewertet hat. Frankreichs Wunsch nach einer Abwertung des Euro hat EZB Chef Mario Draghi entsprochen und den Euro prompt um > 10 % nach unten geprügelt. Da Frankreichs größte Handelspartner Euro-Mitglieder sind, hat für sie die Euro-Abwertung kaum einen Effekt. Es bleibt für Frankreich unabdingbar, Strukturreformen durchzuführen, die dann zu einer langfristigen Erholung von Wirtschaft und Staatsfinanzen führen werden. Premierminister Manuel Valls hat das für die Zeit nach 2016 fest zugesagt und betont, Frankreich würde auf jeden Fall seiner Verantwortung gerecht werden. Honni soit, qui mal y pense! (verwünscht sei, wer schlecht darüber denkt) heißt ein altes Sprichwort.

 Peter Hütz Krailling

Auch interessant

Kommentare