2 Leserbriefe

Gerechte und solidarische Alterssicherung

Sebastian Horsch: Die Politik mogelt sich durch; Kommentar, Rente mit 68 stößt auf Ablehnung; Politik, Wut auf Plan zur längeren Arbeitszeit; Leserforum 9. Juni

Wenn es um die gesetzliche Rente geht, hört man immer und immer wieder die gleichen, abgedroschenen Phrasen: Verlängerung der Arbeitszeit, Kürzung des Renten-Niveaus, Dämpfungsfaktoren in der Rentenformel und private Vorsorgen, um das sinkende Niveau auszugleichen, das hat bis heute nicht funktioniert (siehe Riesterrente, Entgeltumwandlung, Metallrente usw). Und für so ein Null-Ergebnis setzte die Bundesregierung eine Expertenkommission ein. Wenn ein Axel Börsch-Supan, Lobbyist der Versicherungswirtschaft, Mitglied der Rentenkommission ist, kann man das Ergebnis an fünf Finger abzählen. Das ist eine Verhöhnung derjenigen gesetzlich Versicherten, die auch seine Gehälter erwirtschaften. Was die Regierungen seit Ende der 70er-Jahre in Sachen Rentenreformen auf die Beine gestellt haben, ist bis heute Dilettantismus pur! Ein erfolgreicheres Modell für eine Reform sieht man in Österreich. Dort ist die Durchschnittsrente um circa 800 (achthundert) Euro höher als im angeblichen Sozialstaat Deutschland. Dort, in felix Austria, zahlt jeder, der ein Erwerbseinkommen hat in die dortige Rentenkasse ein. Was spricht dagegen, wenn auch bei uns alle in eine gesetzliche Rentenversicherung einzahlen? Politiker, Beamte, Freiberufler, Selbstständige, ja und sogar Herr Prof. Dr. hc. Börsch-Supan?

Richtig, wenn alle einzahlen, bekommt auch jeder einmal eine gesetzliche Rente. Und trotzdem ist es kein Nullsummenspiel, wie Experten meinen. Es ist immer noch gerechter, als wenn Politiker, Beamte und andere über Steuergelder alimentiert werden, und das ohne eigene Beiträge. Und muss eine Beitragsbemessungsgrenze in Stein gemeißelt sein? Und warum muss die Rentenversicherung den größten Teil der versicherungsfremden Leistungen tragen?

Fazit: Ein Paradigmenwechsel ist notwendig. Dazu braucht es aber eine mutige Regierung, die eine gerechte, solidarische Alterssicherung für alle will! Nur so kann man auch wirksam Altersarmut bekämpfen. Leider sehe ich dort nur Egoisten und Hasenfüße.

Holger Mairoll

Kolbermoor

Sage und schreibe 39 bestens versorgte und überwiegend beamtete Uni-Professoren und Wissenschaftler bilden den Rentenbeirat des Wirtschaftsministeriums und befeuern rechtzeitig zum Auftakt des Bundestagswahlkampfs die Rentendiskussion. Wohl die wenigsten sind in der gesetzlichen Rentenversicherung bzw. in einer gesetzlichen Krankenversicherung und arbeiten seit dem 16. Lebensjahr. Geht’s noch? Dass unsere gesetzlichen Renten, das System der gesetzlichen Krankenkassen und damit einhergehend auch eine schrittweise Reform der Beamtenversorgungen dringend nötig ist, wissen wir alle. Aber brauchen wir dazu (teure) Uni-Professoren oder wäre es nicht besser, hier ein kleineres überparteiliches effizientes Gremium aus allen Gesellschafts- schichten einzubinden und zusätzlich vielleicht einmal einen Blick auf unser Nachbarland Österreich zu werfen? Die Pandemie wird in vielen Bereichen einen Paradigmenwechsel verursachen. Warum nicht auch bei den über 100 gesetzlichen Krankenkassen welche im Prinzip alle nur das Gleiche machen dürfen aber den 100-fachen Verwaltungsaufwand produzieren und natürlich auch bei den Renten wo wir im EU-Vergleich im letzten Viertel rangieren.

Martin Brandl

Hausham

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