Schuld an der griechischen Misere

Ich bin überrascht, mit welch impertinenter Selbstherrlichkeit Herr Tsipras und der Großteil des griechischen Volkes sich die momentane Lage ihres Landes zu eigen machen.

Ich werde den Eindruck nicht los, als möchte man alles herumdrehen und somit die Schuld an ihrer Misere dem restlichen Europa – speziell den Deutschen – in die Schuhe schieben. Es war doch bereits beim Eintritt in die Eurozone so, dass Griechenland mit falschen Zahlen manipulierte und sich somit den Einzug sicherte. 2010 dann der große Knall, nachdem man Jahre aus dem Füllhorn schöpfte. Ab dann hörte man nur noch kleinlaut: Wer hilft uns? Wie es dann aber im Laufe der Zeit an den eigenen Geldbeutel ging, wurde man unzufrieden. Wir Deutsche haben es in den Nachkriegsjahren vorgemacht: Zusammenstehen; alle packen mit an, keiner ist sich für irgendetwas zu schade und vor allem: Es hilft kein Jammern! Wenn ich nun noch erfahren muss, dass Herr Tsipras beabsichtigt, für 1,3 Millionen Rentner Weihnachtsgeld einzuführen, die Immobilien-Steuer abschaffen, Mindestlohn um 30 % heraufsetzen und noch so einige Schmankerl einführen will, kann ich nur sagen: Wir armen deutschen Sparer! Mir hat man vor Jahren als Rentner das Weihnachtsgeld für immer ersatzlos gestrichen. Ich glaub’, ich geh nach Griechenland bei den Zukunftsaussichten. Ich hoffe, dass irgendein fähiger Kopf diesem Neuen zeigt, wo der Bartl seinen Most holt.

Winfried Plankermann München

Immer wieder sind in Presse und TV Bilder von griechischen Bürgern zu sehen, die Plakate mit mehr oder weniger beleidigenden Texten und Bildern zeigen, die unsere Kanzlerin und damit die BRD für die griechische Staatsmisere verantwortlich machen. Plakate mit Anschuldigungen gegen die griechischen Steuerbetrüger und die in den letzten zig Jahren für eine desaströse, korrupte Politik Verantwortlichen sind mir nicht untergekommen. Ist vielen Griechen noch immer nicht klar, warum sie in die jetzige wirtschaftliche Lage geraten sind? Dass es der griechische Bürger war, der über Jahrzehnte die politische Führung aus zwei reichen Familien wählte und nicht erkannte, dass diese den Staat durch Korruption und selbstsüchtige Machtpolitik ins Desaster führten und den EU-Beitritt nur durch Betrug erreichten? Fanden sich nicht die Bürger mit dem Fakelaki-System, in dem ein Monatsgehalt jährlich für Bestechungsgelder ausgegeben werden musste, ab, ohne dagegen zu rebellieren, mit ihren Plakaten diese Machenschaften anzuprangern? Fanden es die Griechen nicht seltsam, dass in ihrem Land drei mal so viel im öffentlichen Dienst, aus Steuergeldern bezahlt, angestellt waren wie in anderen Ländern, von denen aber viele nicht einmal für ihr Gehalt arbeiten mussten? Dass diese Verwaltungen so nachlässig, korrupt und veraltet waren, dass man für tausende Verstorbene noch Renten zahlte, die deren Angehörige gerne behielten? Dass mancher Millionär weniger Steuern zahlte als ein kleiner Ladenbesitzer? Wo war die griechische Presse, die diese Missstände anprangern hätte müssen? Augen zu und mit dem Finger auf andere deuten ist eine miese Reaktion, die allenfalls noch Unwissenheit oder Dummheit entschuldigen könnte. Solange der griechische Bürger nicht wirklich zur Einsicht kommt, und die Missstände nicht wirklich abgeschafft werden, sehe ich schwarz für ihre Zukunft. Tsipras scheint die erforderliche Einsicht zu fehlen, wie seine Versprechungen im Wahlkampf schließen lassen.

Wolfgang Fischbacher München

Lorenz von Stackelberg: „Zauberlehrling“; Kommentar, Alexander Weber und Georg Anastasiadis: „Wie er seine Pläne finanzieren will, ist Tsipras’ Geheimnis“, Interview mit Stavros Kostantinidis; Politik, „Der Geist ist aus der Flache“; Wirtschaft 27. Januar

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