Zur Lage in Griechenland

Mit Jannis Varoufakis hat Griechenland einen Finanzminister bekommen, der die ökonomische und finanzielle Lage Griechenlands jedenfalls realistischer einschätzt als unsere Polit-Strategen in Berlin.

Von dort kommen nur Ratschläge, von Hoffnung getragene Wünsche und Warnungen. Herr Tsipras bezeichnete die Euro-Rettungspolitik als fiskalisches Waterboarding und hält einen Schuldenschnitt für unerlässlich, weil Griechenland seine Schulden nie würde abtragen können. Sollte sich Europa diesem Begehren widersetzen, käme es letztlich zu einem Forderungsausfall, was im Ergebnis in etwa das Gleiche ist. Das meinte auch Herr Varoufakis mit seiner Äußerung: Die Deutschen können sagen, was sie wollen, bezahlen werden sie immer. Das bedingungslose Bekenntnis Deutschlands zu Europa hat auch seine Kehrseite: Man muss jede Kröte schlucken, um ein Scheitern zu verhindern.

Winfried Mayer Seefeld

Gemeinsamkeiten zwischen und Griechenland und Bayern sind ja schon historisch gewachsen. Angefangen bei Otto 1. (Prinz von Bayern und König von Griechenland) und fortgeführt in der jahrzehntelang gewachsenen Spezl-, Vettern- und Verwandtenwirtschaft in beiden Regierungen. Die Tradition lebt weiter. Jetzt haben der neue griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras und seine Syriza das Erfolgsrezept „Wahlen durch Wählerbetrug gewinnen“ schön beim bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer und der CSU abgekupfert. Das Prinzip ist das Gleiche, es unterscheiden sich nur die Dimensionen. In Bayern reicht noch ein „wer betrügt, fliegt“ oder die „Ausländermaut“, um Mehrheiten durch Blendung der Bevölkerung zu gewinnen, in Griechenland musste Tsirpas schon die Abkehr von der Sparpolitik, einen Schuldenschnitt von 160 Milliarden Euro und somit „blühende Landschaften“ versprechen. Diese griechische Dreistigkeit wird von CSU-Seite numerisch nie mehr zu toppen sein. Auch wenn Seehofer und Konsorten bei der nächsten Wahl die Rückzahlung aller bisher geleisteten bayerischen Zahlungen in den Länderfinanzausgleich und die künftige Einstellung aller weiterer Zahlungen versprechen, 160 Milliarden sind nicht zu überbieten. Obwohl, die Message „bayerische Steuern für bayerische Bürger“ in Wahlkampfzeiten könnte den ein oder anderen Stammtisch schon überzeugen. Lassen wir uns überraschen.

Franz Fischer Freising

Die unmenschlichen Kommentare und Leserbriefe zur Lage in Griechenland machen mir Angst. Bis heute hat Deutschland keinen Euro Reparation für die immensen Schäden bezahlt, welche wir im 2. Weltkrieg in Griechenland angerichtet haben. Auch in Griechenland wurden unzählige Menschen ermordet, ganze Dörfer ausgelöscht. Aber Deutschland erhielt trotzdem die Unterstützung der Welt im Abkommen über die deutschen Auslandsschulden 1953 in London. Da wurden uns rund 24 Milliarden DM erlassen. Glaubt wirklich jemand, die Griechen hätten unser Geld bekommen? Nein, das Geld floss an die Banken, darunter auch deutsche Kreditinstitute. Heute sterben in Griechenland Menschen, weil sie sich keine Medikamente kaufen können, weil sie nicht krankenversichert sind und nicht operiert werden. Wir gehen zwar ganz gern mal beim Griechen um die Ecke zum Essen, denken aber nicht an die Menschen in Griechenland.

Hans Hahn Peiting

Jene, die seinerzeit für die Aufnahme Griechenlands in den Euroraum votierten, trifft auch deutliche Schuld. Man kann diesem Personenkreis auch die Ecke Stehler und Hehler zuordnen. Das gilt auch für jene, die in den letzten 13 Jahren zu dem Verhalten Griechenlands (und anderen Staaten) geschwiegen haben, als diese deutlich die Schuldenanhäufung betrieben und damit gegen die Gesetze zum Eurovertrag verstießen. Das war zumindest zum Teil Selbstschutz, denn viele Eurostaaten haben gegen den Eurovertrag verstoßen. Wie konnte es zu einem Schuldenstand von zirka 20 000 Euro pro Grieche kommen? Man kaufte, konsumierte und lebte gut! Verständlich, dass das (fast) jedem Bürger in Griechenland gegen den Strich geht. Die Verschuldung hat auch etwas zu tun mit dem technischen Rückstand dort und auch mit der deutlich anderen Mentalität der Bewohner. Die erwartete Annahme „das werden die Griechen schon aufholen mit dem technischen Rückstand und wettbewerbsfähig werden“ ist nicht aufgegangen. Vielleicht in hundert Jahren. Zudem: Ein Staat wo jeder vom Staat etwas haben will in Richtung Anstellung und dafür Monatssalär, und wo jeder, wenn er nur kann, keine Steuern zahlt, den kann man vergessen. Das gilt auch für staatliche Hilfen für Blinde, die alles andere als blind sind, nicht zu reden von Toten, welche weiterhin Rente beziehen. Fazit: Von einem solchen Staatswesen soll man sich trennen. Der wirtschaftliche Wohlstand der BRD ist im Wesentlichen zurückzuführen auf verantwortungsvolle Zusammenarbeit aller Bevölkerungsteile, Arbeitsamkeit, kaum Streiks, Disziplin, nur geringe Neigungen, den Staat zu betrügen. Griechenland muss zur Verbesserung des Staatshaushalts deutliche Strukturreformen durchzuführen.

Otto Böhm Starnberg

Herr Wolfgang Fischbacher hat in seinem Leserbrief die derzeitige Lage der Griechen sehr realistisch gezeichnet. Nur, wie sollten die Griechen das Eigenverschulden an ihrer Situation anerkennen, wenn selbst deutsche Politiker (Linke) sie in ihrer Meinung, Deutschland trage eine Mitschuld an ihrer sich stetig – trotz milliardenschwerer Hilfe seitens der EU – zuspitzenden Lage?

Annemarie Fischer Wielenbach

Griechenland verlangt Geld, will aber dafür nichts geben, Draghi verschleudert unsere Steuergelder, Merkel hält sich für alternativlos, und der Kongress tanzt dazu. Offensichtlich gehört der Wahnsinn zur Politik. Europa steht vor einem Währungskrieg. Die Feldherren blasen bereits zum Kampf. Tsipras gegen Merkel, diese gegen Draghi. Hollande, wenn er sich traut, wird wohl Draghi unterstützen. Und die Soldaten, sie schweigen und werden zum Kanonenfutter. Wie immer halt. Wem jetzt noch nicht klar ist, warum dieses morsche Gebilde Europa so kaputt ist, der sollte im Merkur vom 28. Januar das Interview mit Vaclav Klaus lesen. Dort erläutert er glasklar, was die Politiker mit uns Bürgern angestellt haben. Warum kann dieser Mensch das sehen und traut sich, das auszusprechen, was andere Politiker wohl auch sehen, sich aber nicht zu sagen trauen?

Richard Birk Freising

 

„Tsipras beruft Hardliner gegen Sparkurs“; Politik, „Schuld an der griechischen Misere“; Leserbriefe 28. Januar

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